So schlimm ist die Ge­walt an Sach­sens Schu­len

Dresdner Morgenpost - - SACHSEN -

Von An­ne­ke Mül­ler

Kri­mi­na­li­tät an Sach­sens Gren­zen ist seit Jah­ren ein Brenn­punkt der Si­cher­heits­po­li­tik im Lan­de. Nun hat der Schre­cken auch die Be­woh­ner von Kö­beln er­reicht. Der idyl­li­sche 300-See­len-Orts­teil von Bad Mus­kau, der letz­te Zip­fel Sach­sens, ein­ge­klemmt zwi­schen Po­len und Bran­den­burg, wird seit zwei

Von Ju­lia­ne Mor­gen­roth DRES­DEN - Kör­per­ver­let­zung, Raub, Sach­be­schä­di­gung: An Sach­sens Schu­len kommt es re­gel­mä­ßig zu Straf­ta­ten. Auf Platz eins: Kör­per­ver­let­zung. Im­mer­hin gab es zu­letzt aber deut­lich we­ni­ger Vor­fäl­le.

Kon­kret

er­fass­te

Sach­sens Mo­na­ten im­mer wie­der von Die­ben heim­ge­sucht.

Sechs Grund­stü­cke al­lein an der Nei­ße­stra­ße über­fie­len Gau­ner gera­de mal wie­der in ei­ner ein­zi­gen Nacht. Ih­re Vor­ge­hens­wei­se ist bru­tal und im­mer gleich: Die Ma­schen­draht­zäu­ne vor den be­schau­li­chen Ei­gen­hei­men wer­den zer­schnit­ten, Vor­hän­ge­schlös­ser mit schwe­rem Ge­rät durch­trennt und dann nach al­lem ge­grif­fen, was ein Schup­pen in sich birgt: Ra­sen­mä­her, Sä­gen, Ang­ler­be­darf, aber auch Fahr­rä­der, Mo­peds und ein Au­to. „Wir sind so ein fried­li­ches Dorf hier und dann muss so et­was kom­men“, sagt Franz Jurk (78), der noch heu­te in sei­nem Ge­burts­haus an der Nei­ße­stra­ße

lebt und Po­li­zei im Schul­jahr 2014/15 ins­ge­samt 305 Fäl­le von Kör­per­ver­let­zung. Im Schul­jahr da­vor wa­ren es noch 418. Hin­zu kom­men 60 Fäl­le von ge­fähr­li­cher Kör­per­ver­let­zung (2013/14: 102 Fäl­le). Das teil­te Kul­tus­mi­nis­te­rin Brun­hild Kurth (61, CDU) auf An­fra­ge von Cor­ne­lia Fal­ken (58, Lin­ke) mit. Al­ler­dings geht aus den Zah­len auch her­vor, dass die Auf­klä- mit sei­nem selbst­kom­po­nier­ten „Mein Kö­nig­reich Kö­beln“sei­ne Hei­mat fei­ert. Auch Nach­bar Wolf­gang Baum­gart (80) ist ver­stört: „Seit Mai ha­ben die Die­be mir schon neun schwe­re Schlös­ser ka­putt ge­macht und mir mei­ne ge­sam­te An­gel­aus­rüs­tung ge­klaut.“Hart traf es den Bus­fah­rer Ma­rio Wal­ter (51): Ihm klau­ten die Ga­no­ven ein Au­to aus der Ga­ra­ge und ras­ten da­mit ein­fach durch den Zaun da­von.

Er und rund 20 an­de­re Män­ner ha­ben des­halb schon im Mai ei­ne Bür­ger­wehr ge­grün­det. Sie be­strei­fen waf­fen­los und im­mer zu zweit in zwei Schich­ten nachts per Fahr­rad ihr Kö­beln. Nach der jüngs­ten Ein­bruch­se­rie tra­fen sie sich zur Be­spre­chung: „Wir ma­chen rungs­quo­te recht hoch ist. Ne­ben der Kör­per­ver­let­zung war Sach­be­schä­di­gung im ver­gan­ge­nen Schul­jahr häu­figs­te Straf­tat (339).

Der Dresd­ner Er­zie­hungs­wis­sen­schaft­ler Wolf­gang Mel­zer (67) hat be­reits vor Jah­ren die The­se ver­tre­ten, dass die Art des Un­ter­richts die Ge­walt an Schu­len min­dern kann. Das fin­det auch Po­li­ti­ke­rin Cor­ne­lia Fal­ken: „Freu­de am Leh­ren und Ler­nen wird bis­lang oft als Ele­ment ei­ner Spaß­schu­le dif­fa­miert, soll­te aber ge­för­dert wer­den.“Wich­tig sei die För­de­rung der Per­sön­lich­keits­ent­wick­lung. Zu­dem müs­se es mehr Schul­so­zi­al­ar­bei­ter mit si­che­ren Ar­beits­ver­trä­gen ge­ben. Und es dürf­ten nicht nur Wis­sen und Nor­men ver­mit­telt wer­den.

Franz Jurk (78) liebt sei­ne Hei­mat und kom­po­nier­te so­gar ein Lied für die Kö­bel­ner. Bei ihm schnit­ten die Ga­no­ven den Zaun auf. Ma­rio Wal­ter (51) ge­hört zu den rund 20 Män­nern von Kö­beln, die re­gel­mä­ßig nachts per Rad Strei­fe fah­ren.

Al­lein 305 Fäl­le von Kör­per­ver­let­zung an der Schu­le wur­den im ver­gan­ge­nen Jahr in Sach­sen von der Po­li­zei er­fasst.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.