AN­GRIFF auf die Hel­fer!

Un­ru­hen am Dresd­ner ASYL-ZELT­LA­GER

Dresdner Morgenpost - - FRONT PAGE - Von An­drzej Rydzik und Dirk Hein

Was für ein Kraft­akt! Das Asyl-Zelt­la­ger steht. Dut­zen­de Hel­fer des Tech­ni­schen Hilfs­wer­kes (THW) und des Deut­schen Ro­ten Kreu­zes (DRK) ha­ben die Bra­che an der Bre­mer Stra­ße ges­tern be­wohn­bar ge­macht. Er­schre­ckend: DRK Sach­sen-Chef Rü­di­ger Un­ger (54) be­rich­tet von An­grif­fen auf die Hel­fer. Und es soll­te noch schlim­mer kom­men ...

Bin­nen 24 St­un­den stampf­ten dut­zen­de Hel­fer von THW und DRK ei­ne gan­ze Zelt­stadt samt Ver­sor­gungs­ein­rich­tung und Toi­let­ten aus dem Nichts.

Schon zu Be­ginn gab es ers­te, er­schre­cken­de Aus­wüch­se: Ra­di­ka­le Ge­ge­ner der Asyl­un­ter­kunft grif­fen in der Nacht Auf­bau­hel­fer vom Ro­ten Kreuz an. „Es gab Aus­schrei­tun­gen mit Ge­walt­an­dro­hun­gen und mas­si­ven Be­schimp­fun­gen. In ei­nem Fall ist ein Au­to­fah­rer auf ei­nen Hel­fer zu­ge­fah­ren, um im al­ler­letz­ten Au­gen­blick scharf zu brem­sen und aus­zu­wei­chen. Das ist im höchs­ten Ma­ße be­schä­mend in ei­nem zi­vi­li­sier­ten Land wie un­se­rem“, so DRKChef Un­ger.

Ges­tern Abend trom­mel­te die NPD ih­re An­hän­ger zur De­mo vor dem Zelt­la­ger zu­sam­men - und wur­den dort laut­stark von Na­zigeg­nern emp­fan­gen. Bei­de Grup­pen, je­weils et­wa 160 Per­so­nen, stan­den sich, nur von der Bre­mer Stra­ße und re­la­tiv we­ni­gen Po­li­zis­ten ge­trennt, ge- gen­über. Dann es­ka­lier­te die Si­tua­ti­on: Hools wur­den im­mer ag­gres­si­ver, be­gan­nen mit St­ei­nen, Fla­schen und Böl­lern zu wer­fen und ver­such­ten im­mer wie­der auf die an­de­re Stra­ßen­sei­te zu stür­men. Pro­fes­sio­nell ru­hig gin­gen Be­am­te da­zwi­schen und konn­ten die An­grif­fe ab­weh­ren.

Trotz­dem konn­ten sie nicht

ver­hin­dern, dass Ge­gen­de­mons­tran­ten von Wurf­ge­schos­sen der Rech­ten ge­trof­fen und teils er­heb­lich ver­letzt wur­den. Min­des­tens drei Per­so­nen muss­ten von No­t­ärz­ten be­han­delt wer­den.

Auch ein Ka­me­ra­mann des ZDF wur­de an­ge­grif­fen. Auf­hal­ten konn­te das die hu­ma­ni­tä­ren Ar­bei­ten nicht. Ges­tern Abend stan­den die ers­ten 33 Zel­te für zu­nächst 500 Flücht­lin­ge. Die ka­men am kurz nach 22.30 Uhr mit fünf Bus­sen aus dem über­füll­ten Erst­auf­nah­me­la­ger in Chem­nitz an - über­wie­gend sy­ri­sche Flücht­lin­ge, die sich vor Krieg und Schre- ckens­herr­schaft der IS in Si­cher­heit brin­gen woll­ten.

Heu­te wer­den die eh­ren­amt­li­chen Hel­fer wei­te­re 50- und 150Qua­drat­me­ter-Zel­te für 600 Asyl­be­wer­ber auf­bau­en. „Von wel­cher Dau­er das Zelt­la­ger ist, hängt auch da­von ab, wie schnell an­de­re Ein­rich­tun­gen be­reit ste­hen“, so Dietrich Gö­kel­mann (61), Prä­si­dent der Lan­des­di­rek­ti­on Sach­sen.

Die ers­ten 33 Zel­te ste­hen: Qua­si aus dem Nichts stampf­ten die Hel­fer ei­ne kom­plet­te Zelt­stadt auf das Bra­chen-Ge­län­de an der Bre­mer Stra­ße. Blan­ker Hass! Po­li­zei­be­am­te konn­ten durch ihr be­son­ne­nes Han­deln noch mehr Über­grif­fe und Ge­walt ver­hin­dern. An­rüh­rend: Die­se jun­ge Frau brach­te mit ih­rer Mut­ter ges­tern spon­tan Spiel­sa­chen für die Kin­der der neu­en Flücht­lin­ge vor­bei. Not­arzt-Ein­satz: Min­des­tens dre Men­schen wur­den durch die An­grif­fe der Rech­ten ver­letzt.

ei - DRK-Chef Rü­di­ger Un­ger (54) ist ent­setzt über die An­grif­fe auf sei­ne Hel­fer - und gleich­zei­tig dank­bar für die über­wäl­ti­gen­de Hil­fe vie­ler Bür­ger und Fir­men, „oh­ne die wir das hier nicht so schnell hät­ten schaf­fen kön­nen.“ An­kunft in der Nacht: Ge­gen 22.30 Uhr tra­fen die ers­ten Bus­se mit den Kriegs­flücht­lin­gen aus Sy­ri­en ein.

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