An­kla­ge ge­gen Me­di­zi­ner

Dresdner Morgenpost - - FRONT PAGE - -bi.-

LEIP­ZIG - Im Or­gan­spen­deSkan­dal am Leip­zi­ger Uni­ver­si­täts­kli­ni­kum (UKL) hat die Staats­an­walt­schaft An­kla­ge ge­gen zwei ehe­mals lei­ten­de Trans­plan­ta­ti­onme­di­zi­ner er­ho­ben. Den Ober­ärz­ten wird 31-fa­cher ver­such­ter Tot­schlag vor­ge­wor­fen. Das Ver­fah­ren ge­gen ih­ren Kli­nik­chef Pro­fes­sor Sven J. (51) wur­de hin­ge­gen ein­ge­stellt.

Zwei­ein­halb Jah­re er­mit­tel­ten Leip­zi­ger Staats­an­wäl­te am UKL und bei der Or­gan-Ver­tei­lungs­stel­le Eu­ro­trans­plant. Jetzt sind sie sich si­cher: Die da­mals für Le­ber­trans­plan­ta­tio­nen zu­stän­di­gen UKL-Ober­ärz­te Dr. Chris­toph B. (45) und Dr. Ar­min T. (42) ha­ben in den Jah­ren 2010 und 2011 in 31 Fäl­len Trans­plan­ta­ti­ons-Ak­ten ma­ni­pu­liert, um schnel­ler an Spen­den­or­ga­ne zu kom­men!

Der kon­kre­te Vor­wurf: Ge­gen­über Eu­ro­trans­plant ga­ben die Ärz­te an, dass ih­re Le­ber-Pa­ti­en- ten Blut­wä­schen (Dia­ly­se) be­kom­men hät­ten, ob­wohl dies nicht stimm­te. Da bei Dia­ly­se-Pa­ti­en­ten auch die Nie­ren ge­fähr­det sind, stei­gen sie auf der War­te­lis­te für ein Spen­der­or­gan als „be­son­ders ge­fähr­det“ganz nach oben.

Da an­de­re, tat­säch­lich krän­ke­re Pa­ti­en­ten da­durch län­ger auf ei­ne Le­ber war­ten muss­ten, mi­t­hin län­ger in To­des­ge­fahr schweb­ten, geht die Staats­an­walt­schaft von ei­nem ver­such­ten Tö­tungs- de­likt aus. „Wir kön­nen die Pa­ti­en­ten be­nen­nen, die durch die Ma­ni­pu­la­tio­nen be­nach­tei­ligt wur­den“, sag­te Ober­staats­an­walt Ri­car­do Schulz. Die ehe­ma­li­gen Trans­plan­ta­ti­ons­ärz­te, die heu­te nicht mehr am UKL ar­bei­ten, ha­ben sich laut Schulz bis­her nicht zu den Vor­wür­fen ge­äu­ßert.

Das Ver­fah­ren ge­gen den frü­he­ren Chef der Trans­plan­ta­ti­ons­kli­nik wur­de da­ge­gen ein­ge­stellt. „Ihm war nicht mit der für ei­ne An­kla­ge er­for­der­li­chen Si­cher­heit nach­zu­wei­sen, dass er die Mit­ar­bei­ter zu wahr­heits­wid­ri­gen An­ga­ben ge­gen­über Eu­ro­trans­plant an­ge­hal­ten hat“, so Schulz. Pro­fes­sor J., der heu­te ei­ne Kli­nik in Nürnberg lei­tet, hat­te nach ei­ge­nen An­ga­ben kei­ne Kennt­nis von den Ma­ni­pu­la­tio­nen sei­ner Leu­te.

Das Land­ge­richt hat noch nicht über ei­ne Pro­zess­er­öff­nung ent­schie­den. Die Rechts­la­ge ist hei­kel. Denn Da­ten­ma­ni­pu­la­ti­on bei der Or­gan­ver­ga­ben wur­de erst 2013 un­ter Stra­fe ge­stellt.

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