Un­wür­dig und stil­los

Dresdner Morgenpost - - DRESDEN - Von Ju­lia­ne Mor­gen­roth

Die tra­di­ti­ons­rei­che Por­zel­lan-Ma­nu­fak­tur Meissen war schon im­mer ein Po­li­ti­kum in Sach­sen. Der Staats­be­trieb be­wegt die Ge­mü­ter - vor al­lem, seit er ra­di­kal zu ei­nem in­ter­na­tio­na­len Lu­xus­kon­zern um­ge­baut wur­de. Für Tra­di­tio­na­lis­ten ein Graus.

Ein Ver­fech­ter die­ses Lu­xus-Kur­ses war der lang­jäh­ri­ge Auf­sichts­rats­Chef Kurt Bie­den­kopf. Er hat­te den Ge­schäfts­füh­rer Chris­ti­an Kurt­z­ke bis zu des­sen Weg­gang bei sei­nen Ent­schei­dun­gen pro­te­giert.

Doch die­ser Weg war teu­er und kos­te­te viel Steu­er­geld. Ir­gend­wann zu viel für den Fi­nanz­mi­nis­ter. Kurt­z­ke ist be­reits weg, jetzt hat der Mi­nis­ter über­ra­schend mit so­for­ti­ger Wir­kung auch Kurt Bie­den­kopf vor die Tür ge­setzt.

Wie, ist al­ler­dings un­wür­dig und stil­los. Denn Bie­den­kopf teilt mit, er ha­be so­wie­so in Kür­ze das Amt auf­ge­ben wol­len. Dies ha­be der Mi­nis­ter ge­wusst. Jetzt sind Mi­nis­ter, Bie­den­kopf und auch die Ma­nu­fak­tur be­schä­digt.

Ein ver­söhn­li­cher Ab­schied für den Al­tMi­nis­ter­prä­si­den­ten wä­re mög­lich und an­ge­mes­sen ge­we­sen. War­um der Mi­nis­ter dies nicht woll­te, bleibt sein Ge­heim­nis.

Im­mer­hin war es Bie­den­kopf, der da­für sorg­te, dass die Ma­nu­fak­tur auch nach 1990 im Staats­be­trieb blieb und nicht an pri­va­te In­ves­to­ren ging. Das wür­digt so­gar der po­li­ti­sche Geg­ner.

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