De­mo­kra­tie stär­ken

Dresdner Morgenpost - - DRESDEN - Von Sta­nislaw Til­lich*

I m ver­gan­ge­nen Jahr ha­ben wir 25 Jah­re Ein­heit un­se­res Va­ter­lan­des und Wie­der­grün­dung un­se­res Frei­staats Sach­sen ge­fei­ert. Da­bei kön­nen wir auf vie­le Er­fol­ge zu­rück­bli­cken. 2015 war auch das Jahr, das uns in Sach­sen und Deutsch­land be­son­ders ge­for­dert hat. Es sind Hun­dert­tau­sen­de Men­schen nach Eu­ro­pa ge­flo­hen. D amit wir nicht über­for­dert wer­den, wol­len wir 2016 zwei Din­ge schaf­fen: Wir müs­sen die Zahl der Flücht­lin­ge, die zu uns kom­men, deut­lich re­du­zie­ren. Wir wer­den schnell mit der In­te­gra­ti­on de­rer be­gin­nen, die hier blei­ben dür­fen. Grund­la­ge für ei­ne ge­lin­gen­de In­te­gra­ti­on sind un­se­re Wer­te und Re­geln, die wir vor­le­ben und ein­for­dern müs­sen. S o in­ten­siv wie sel­ten zu­vor wird in un­se­rem Land lei­den­schaft­lich über po­li­ti­sche Fra­gen dis­ku­tiert. Die­se Aus­ein­an­der­set­zun­gen ha­ben auch Grä­ben auf­ge­ris­sen. Und wir ha­ben in Sach­sen schreck­li­che Ge­walt erlebt ge­gen Flücht­lin­ge, ge­gen Men­schen die sich en­ga­gie­ren, ge­gen Po­li­zis­ten und Hilfs­kräf­te. Das ist un­er­träg­lich und nicht zu to­le­rie­ren. W ir er­le­ben aber auch, dass tau­sen­de Sach­sen hilfs­be­reit sind und täg­lich Her­aus­ra­gen­des leis­ten. Ih­nen al­len gilt mein herz­li­cher Dank. Sie ha­ben sich um un­ser Sach­sen ver­dient ge­macht. Be­herz­tes En­ga­ge­ment, aber auch sach­li­che Kri­tik sind gu­te We­ge, sich in un­se­re Ge­sell­schaft ein­zu­brin­gen. Und sie stär­ken die De­mo­kra­tie. D enn ich bin über­zeugt: Wir müs­sen uns um un­ser Mit­ein­an­der, un­ser Zu­sam­men­le­ben und die Spiel­re­geln da­für in­ten­si­ver küm­mern. Las­sen Sie uns zu­sam­men dar­an ar­bei­ten, wie wir fried­li­cher mit­ein­an­der le­ben und ge­mein­sam un­se­re säch­si­sche Hei­mat vor­an­brin­gen kön­nen. us­zü­ge der Neu­jahrs­an­spra­che des Mi­nis­ter­prä­si­den­ten. Die gan­ze Re­de ist mor­gen um 19.25 Uhr im MDR zu se­hen.

ASeit et­wa 30 Jah­ren wer­den Win­ter, Früh­ling und Som­mer in Dresden Jahr für Jahr wär­mer. Hit­ze und Un­wet­ter neh­men zu. Die Ex­per­ten im Um­welt­amt wol­len ge­gen­steu­ern - un­ter an­de­rem, in­dem längst ver­ges­se­ne Bä­che wie­der frei ge­legt wer­den.

Die sol­len sich als Kalt­luft­schnei­sen stär­ker als bis­her wie klei­ne Kli­ma­an­la­gen durch Dresden zie­hen. Zu­sam­men mit Stadt­parks mit reich­lich al­ten Bäu­men soll so das Kli­ma im Som­mer trotz Hit­ze­re­kor­den er­träg­lich blei­ben. Um­welt­amts­chef Chris­ti­an Korn­dör­fer (60): „Wir brau­chen sol­che grüne In­seln und grüne Net­ze in un­se­rer im­mer dich­ter be­bau­ten Stadt.“

Der Ef­fekt kurz er­klärt: Gro­ße Bäu­me ver­duns­ten auch im Som­mer Was­ser, küh­len so­mit ih­re di­rek­te Um­ge­bung. Ent­lang kleins­ter Bä­che kommt küh­le Luft durch im Som­mer brü­tend hei­ße Wohn­ge­bie­te. Ein klei­nes „Kli­ma­nal­a­gen­netz“ent­steht.

Das Po­ten­ti­al ist rie­sig: „Durch Dresden flie­ßen 460 Ki­lo­me­ter Flüs­se und Bä­che, 80 Ki­lo­me­ter da­von sind noch ver­rohrt“, sagt der Ge­wäs­ser­chef im Um­welt­amt, Ha­rald Kroll (54)

Wo im­mer mög­lich, wer­den die ge­ra­de ge­öff­net. Beim Kaitz­bach in der In­nen­stadt (Na­he der Sy­nago­ge wird der un­ter­ir­di­sche Ver­lauf durch nachts leuch­ten­de Glasele­men­te an­ge­zeigt) ist das nicht mög­lich.

Ak­tu­ell wer­den aber der Flös­sert­gra­ben in Klotz­sche und der Wei­digt­bach di­rekt im Gor­bit­zer Wohn­ge­biet re­na­tu­riert. Auch in Schön­feld-Wei­ßig und Schön­born wer­den Bä­che of­fen ge­legt. Wich­ti­ger Ef­fekt hier: Was­ser wird nicht mehr durch Drai­na­gen und Roh­re schnell von den Feldern ge­bracht, son­dern dort ge­spei­chert. Das ver­hin­dert ein im­mer häu­fi­ge­res Aus­trock­nen der Bö­den.

Auch bei Baum­pflan­zun­gen for­dert Korn­dör­fer ein Um­den­ken: „Wir müs­sen die Bäu­me pflan­zen, die ak­tu­ell gut mit dem Kli­ma klar­kom­men, auch wenn das heißt, dass wir kei­ne Som­mer­lin­den neh­men dür­fen“, sagt Korn­dör­fer.

Dresden fei­ert heu­te in den Jah­res­wech­sel! Ein­satz­kräf­te und Un­ter­neh­men be­rei­ten sich vor­sorg­lich auf ei­ne hei­ße Nacht vor. „Wir hof­fen, dass fried­lich ge­fei­ert wird“, sagt Po­li­zei­spre­che­rin Ja­na Ul­bricht (38). „Wir sind aber vor­be­rei­tet, ha­ben un­se­re Schich­ten ver­stärkt und wer­den auch von der Be­reit­schafts­po­li­zei un­ter­stützt.“Die Jo­han­ni­ter ap­pel­lie­ren, kei­ne lau­ten Böl­ler vor Flücht­lings­un­ter­künf­ten zu zün­den. Aus Angst vor Böl­ler-Van­da­len ha­ben Post und Post­mo­dern Brief­käs­ten teils ver­sie­gelt. Brie­fe kön­nen in Fi­lia­len ab­ge­ge­ben wer­den.

Für Bus­se, Bah­nen aber auch Au­tos ist die Au­gus­tus­brü­cke und der Thea­ter­platz ab heu­te 16 Uhr we­gen der mitt­ler­wei­le tra­di­tio­nel­len Sil­ves­ter­sau­se bis zum 1. Ja­nu­ar 2016, 10 Uhr, ge­sperrt

Wie üb­lich sind in der Sil­ves­ter­nacht vie­le Dresd­ner mit Bus und Bahn un­ter­wegs. Bei den DVB ist des­halb in der Neu­jahrs­nacht mit sprich­wört­lich al­lem was fah­ren kann auf der Stra­ße.

Von 22 bis 2 Uhr fah­ren die Li­ni­en 3 und 4 al­le zehn Mi­nu­ten, die meis­ten an­de­ren Li­ni­en al­le 15 Mi­nu­ten und die „6“und „13“al­le 30 Mi­nu­ten. Die wich­tigs­ten Bus­se fah­ren ab 20 Uhr im 15Mi­nu­ten-Rhyth­mus. We­gen des Feu­er­werks gibt es aus Si­cher­heits­grün­den ge­gen Mit­ter­nacht ei­ne halb­stün­di­ge Fahr­pau­se. Ti­cket­au­to­ma­ten blei­ben wäh­rend der ge­sam­ten Sil­ves­ter­zeit in Be­trieb. tyx, DiHe

Tüf­teln zu­sam­men am Stadt­kli­ma: Me­teo­ro­lo­gin Fran­zis­ka Rein­fried (35) und Um­welt­amts­chef Chris­ti­an Korn­dör­fer (60).

Seit 2010 kämpft Fran­zis­ka Rein­fried (35) als Dresd­ner Stadt­kli­maEx­per­tin rat­haus­in­tern und bei In­ves­to­ren für ein öko­lo­gi­sches Dresden.

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