Trau­ri­ge Rou­ti­ne

Dresdner Morgenpost - - DRESDEN - Von Ju­lia­ne Mor­gen­roth

E s ist ei­ne trau­ri­ge Rou­ti­ne in Sach­sen ge­wor­den: Im Ju­li sprach Mi­nis­ter­prä­si­dent Sta­nislaw Til­lich nach den Vor­fäl­len von Freital und Hei­denau erst­mals Kl­ar­text un­miss­ver­ständ­lich ver­ur­teil­te er ras­sis­ti­sche Ge­walt. D ie An­schlä­ge auf Asyl­hei­me in Sach­sen gin­gen je­doch un­ver­min­dert wei­ter. Im Sep­tem­ber for­der­te Til­lich ei­nen Auf­stand der An­stän­di­gen. Doch die Wor­te ver­hall­ten. Die Bus­blo­cka­de in Claus­nitz und der Brand­an­schlag samt joh­len­der Men­ge in Baut­zen sorg­ten er­neut für Schlag­zei­len. Wie­der ver­ur­teil­te Til­lich die Er­eig­nis­se: Hu­ma­nis­mus wer­de durch Bar­ba­rei ver­drängt. E rst­mals räum­te Til­lich so­gar ein, dass auch er ganz per­sön­lich das Pro­blem mit dem Rechts­ex­tre­mis­mus un­ter­schätzt hat. Solch ei­ne Aus­sa­ge wä­re vor nicht all­zu lan­ger Zeit un­denk­bar ge­we­sen. D ie Er­kennt­nis ist al­so da bei Til­lich. Al­lein, es fehlt jetzt an po­li­ti­schem Han­deln. Denn nur durch rou­ti­nier­te ver­ba­le Be­kennt­nis­se än­dert sich nichts - das ist lei­der die trau­ri­ge Rea­li­tät. Zu­mal die Über­zeu­gungs­kraft von Til­lich lei­det, weil an­de­re säch­si­sche CDU-Po­li­ti­ker sei­ne Wor­te ka­ri­kie­ren. E xper­ten ha­ben schon lan­ge auf die De­fi­zi­te hin­ge­wie­sen, die Til­lich jetzt plötz­lich auch be­he­ben will. Et­wa feh­len­de po­li­ti­sche Bil­dung. Das heißt aber auch: Die An­kün­di­gun­gen müs­sen jetzt um­ge­setzt wer­den. Und zwar ganz kon­kret.

Be­richt Sei­ten 10/11

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.