Schla­fen wie einst Hone­ckers Staats­gäs­te

Dresdner Morgenpost - - SACHSEN -

LEIP­ZIG - Aus­ge­räumt, ver­fal­len, ver­wahr­lost! Vom eins­ti­gen Gäste­haus des DDR-Mi­nis­ter­rats in Leip­zig ist nicht mehr viel üb­rig ge­blie­ben als ei­ne un­an­sehn­li­che Rui­ne mit Denk­mal­sta­tus. Doch ein Zim­mer über­dau­er­te die Zeit und kann jetzt von jedermann ge­mie­tet wer­den.

Dut­zen­de Bet­ten, Schrän­ke, Ti­sche, Meissen-Ser­vices und 15 von Sta­si-Chef Erich Miel­ke ge­erb­te Gold­fi­sche - das al­les kam am 15. Ju­li 1995 bei der Auf­lö­sung des Gäste­hau­ses un­ter den Ham­mer. „Ich ha­be da­mals für 179 Mark die kom­plet­te Ein­rich­tung ei­ner 2-Zim­mer-Sui­te er­stei­gert“, er­zählt Klaus Eber­hard (75).

Auf An­ra­ten ei­nes be­freun­de­ten Kunst­his­to­ri­kers la­ger­te der Phy­sik­Pro­fes­sor, der in Leip­zig ein klei­nes Ho­tel be­treibt, das In­te­ri­eur zu­nächst ein. Erst an­dert­halb Jahr­zehn­te nach der Ver­stei­ge­rung bau­te er die DDR-Sui­te in sei­nem „Leip­zi­ger Hof“ori­gi­nal­ge­treu wie­der auf.

An der Wand hängt ein ech­ter Mat­theu­er. „Den be­kam ich von mei­nem Freund Erich Loest“, er­zählt Eber­hard. Ne­ben dem Bild hat der Pro­fes­sor ei­nen Auf­satz des 2013 ver­stor­be­nen Schrift­stel­lers zum „So­zia­lis­ti­schen Rea­lis­mus“in der Kunst plat­ziert.

Ei­ne Nacht im ge­schichts­träch­ti­gen Ost-Schick kos­tet 165 Euro. Da­für gibt’s noch je­de Men­ge Kunst­ge­nuss. Denn Eber­hards Ho­tel ist zu­gleich Ga­le­rie - zahl­rei­che Wer­ke von Ma­lern der „Leip­zi­ger Schu­le“zie­ren die Wän­de im Haus. -bi.-

Zei­t­rei­se: Ho­te­lier Klaus Eber­hard (75) in sei­ner DDR-Sui­te. Auch Lam­pen und Tep­pich sind Ori­gi­na­le.

Das Ho­tel „Leip­zi­ger Hof“- hier wur­de die Ori­gi­nal-Sui­te aus dem DDR-Gäste­haus wie­der auf­ge­baut.

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