Ei­ne ganz und gar nicht net­te Fa­mi­lie

Dresdner Morgenpost - - KINO -

Ei­ne gan­ze Fa­mi­lie ist in Bu­e­nos Ai­res an Ent­füh­run­gen rei­cher Bür­ger be­tei­ligt: „El Clan“ba­siert auf wah­ren Be­ge­ben­hei­ten. Beim Film­fest Ve­ne­dig gab es da­für den Preis für die bes­te Re­gie.

Der Mann der Fa­mi­lie ist zwar meist der Strip­pen­zie­her. Doch bei ma­fiö­sen Ma­chen­schaf­ten sind häu­fig auch die an­de­ren Mit­glie­der der Fa­mi­lie in­vol­viert. Wie so et­was funk­tio­niert, zeig­ten zum Bei­spiel Fran­cis Ford Cop­po­las Ma­fi­a­sa­ga „Der Pa­te“und die er­folg­rei­che TV-Se­rie „Die So­pra­nos“ein­drucks­voll. Nun folgt so et­was wie ei­ne süd­ame­ri­ka­ni­sche Va­ri­an­te: In „El Clan“ver­setzt ei­ne Fa­mi­lie in Bu­e­nos Ai­res die Men­schen mit Ent­füh­run­gen und Mor­den in Angst und Schre­cken.

Es ist An­fang der 1980er-Jah­re, kurz nach dem En­de ei­ner Dik­ta­tur. Fa­mi­li­en­va­ter Ar­quí­me­des Puc­cio (Guil­ler­mo Fran­cel­la) er­kennt, dass er das Macht­va­ku­um für­sich nut­zen kann, und ent­führt rei­che Bür­ger der Stadt, um von de­ren Fa­mi­li­en ho­he Lö­se­geld­sum­men zu er­pres­sen. Nach au­ßen wirkt Ar­quí­me­des zwar wie der net­te Nach­bar von ne­ben­an. Doch das Sport­ge­schäft im vor­de­ren Teil des Hau­ses ist nur Tar­nung - in der Woh­nung da­hin­ter wer­den die Op­fer ge­fan­gen ge­hal­ten. Vor al­lem aber ter­ro­ri­siert der Va­ter sei­ne ge­sam­te Fa­mi­lie und for­dert be­din­gungs­lo­se Un­ter­stüt­zung. Be­son­ders der äl­tes­te Sohn Ale­jan­dro (Pe­ter Lan­za­ni) be­gehrt je­doch im­mer stär­ker auf.

Der­ar­gen­ti­ni­scheRe­gis­seur Pa­blo Tra­pe­ro er­zählt ei­ne Ge­schich­te, die auf wah­ren Be­ge­ben­hei­ten ba­siert: Die Puc­ci­os gab es tat­säch­lich, erst nach vie­len Jah­ren wur­den sie fest­ge­nom­men und teil­wei­se ver­ur­teilt. Der Film of­fen­bart so ne­ben den fa­mi­liä­ren Span­nun­gen auch po­li­ti­sche Miss­stän­de der da­ma­li­gen Zeit.

Wäh­rend die Ma­fio­si in an­de­ren Wer­ken mit ih­ren Schwä­chen ge­zeigt wer­den und so ei­ne ge­wis­se Nä­he zu den Zu­schau­ern auf­bau­en, fehlt die­se Iden­ti­fi­ka­ti­on bei „El Clan“: Ar­quí­me­des ist und bleibt ein un­sym­pa­thi­scher Pa­tri­arch.

Fa­zit: Der Film schwankt da­her et­was un­ent­schie­den zwi­schen düs­te­rem Ma­fi­a­thril­ler und Fa­mi­li­en­dra­ma.

Aliki Nassoufis

Das sind sie, die Puc­ci­os, Fa­mi­li­en­ober­haupt Ar­quí­me­des (Guil­ler­mo Fran­cel­la) in der Mit­te, und se­hen so harm­los aus ...

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