CSU-Chef be­grüßt Blo­cka­de der Bal­kan­rou­te

Dresdner Morgenpost - - POLITIK -

BU­DA­PEST - Un­garn-Pre­mier Vic­tor Or­bán (52) ist An­ge­la Mer­kels (61, CDU) größ­ter Feind in der Flücht­lings­kri­se: Für Bay­erns Mi­nis­ter­prä­si­dent Horst See­ho­fer (66, CSU) ist das noch lan­ge kein Grund, nicht mal beim Ge­gen­spie­ler der Kanz­le­rin vor­bei­zu­schau­en. In Bu­da­pest ha­ben die bei­den Wi­der­sa­cher der CDU-Che­fin ih­re Po­si­tio­nen ab­ge­stimmt.

Zwar be­ton­te Un­garns Re­gie­rungs-Chef kurz vor dem EU-Son­der­gip­fel mit der Tür­kei: „Wir sind nicht ge­gen Bun­des­kanz­le­rin Mer­kel zu­sam­men­ge­kom- men.“Ei­ne eu­ro­päi­sche Ver­tei­lung der Flücht­lin­ge lehnt der Hard­li­ner aber wei­ter­hin strikt ab: „Wir wür­den kei­ne Ver­ein­ba­rung ak­zep­tie­ren, die ei­nen Trans­fer von Mi­gran­ten aus derTür­k­ei­n­ach­Un­garn­vor­sieht. Wir glau­ben, dass wir fä­hig sein soll­ten, die Gren­zen luft­dicht zu ver­sie­geln.“

See­ho­fer be­ton­te zwar sei­ne Un­ter­stüt­zung für Mer­kels Ver­hand­lungs­po­si­ti­on, die ei­ne eu­ro­päi­sche Ver­tei­lung durch­set­zen will. Im „Spie­gel“ging der Bayer aber wie­der auf Ge­gen­kurs und lob­te die Grenz­blo­cka­den auf der Bal­kan­rou­te - auch wenn Zehn­tau­sen­de Asyl­su­chen­de dort fests­te- cken: „Es gibt ei­ne Wen­de in der Flücht­lings­po­li­tik durch die weit­ge­hen­de Schlie­ßung der Bal­kan­rou­te. Deutsch­land ist der Pro­fi­teur da­von.“

See­ho­fer sprach von ei­ner „Wen­de“und be­zog sich auf Mer­kels Ent­schei­dung vom Sep­tem­ber 2015, in Un­garn ge­stran­de­te Flücht­lin­ge nach Deutsch­land­zu­ho­len. Über die der­zeit in Grie­chen­land fest­sit­zen­den Mi­gran­ten hat­te Mer­kel da­ge­gen ge­sagt, die­se soll­ten dort blei­ben. SPD und Grü­ne war­fen dem CSU-Chef vor, Mer­kels Po­si­ti­on mit sei­ner Bu­da­pest-Vi­si­te zu schwä­chen. Trotz­dem

fällt der baye­ri­sche Mi­nis­ter­prä­si­dent mit die­sen Rei­se­Ak­ti­vi­tä­ten der Kanz­le­rin in den Rü­cken. Die Ab­sicht, die da­hin­ter steckt, ist schon klar: See­ho­fer tut so, als ar­bei­te er an Mer­kels eu­ro­päi­schem Lö­sungs­an­satz mit. In Wahr­heit un­ter­gräbt der CSU-Chef auf die­se Art al­ler­dings ih­re An­stren­gun­gen. Das

wird schon an der zeit­li­chen Pla­nung von See­ho­fers Bu­da­pest-Trip of­fen­kun­dig: Ge­nau vor dem nächs­ten EU-Gip­fel trifft er auf Mer­kels er­bit­terts­ten Wi­der­sa­cher in­ner­halb der EU und bil­det ei­ne baye­risch-un­ga­ri­sche Ach­se der Bö­sen. See­ho­fer sa­bo­tie­re die deut­sche Eu­ro­pa­po­li­tik in Bu­da­pest und Mos­kau, wer­fen ihm Kri­ti­ker vor. Sie ha­ben recht.

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