50 Jah­re al­tes Ge­schäft ent­deckt!

Dresdner Morgenpost - - FRONT PAGE - Von Her­mann Ty­decks

In ei­nem his­to­ri­schen Gast­haus im Süd­wes­ten von Dres­den ist die Zeit ste­hen­ge­blie­ben! Seit En­de der 60erJah­re hat sich in der frü­he­ren Pes­ter­wit­zer Schank­wirt­schaft mit an­ge­schlos­se­nem Kauf­manns­la­den kaum et­was ver­än­dert. So­gar his­to­ri­sche Wa­ren und Le­bens­mit­tel sind noch un­be­rührt ...

Die Ein­gangs­tü­re zum La­den ist längst zu­ge­mau­ert. Doch hin­ter den St­ei­nen ist zwi­schen Spinn­we­ben und Staub die Ver­gan­gen­heit kon­ser­viert! Auf dem höl­zer­nen Ver­kaufs­tisch steht noch im­mer die Waage mit Ge­wich­ten. Vie­le Ein­hei­mi­sche, die heu­te wei­ße Haa­re ha­ben, stan­den als Kin­der selbst da­vor, kauf­ten Wa­ren des täg­li­chen Be­darfs.

Und die la­gern noch im­mer hier, als wä­re die Ver­käu­fe­rin nur kurz nach ne­ben­an ge­gan­gen. Im Apo­the­ker­schrank fin­den sich Deut­scher Küm­mel von der Im­port­stel­le Ham­burg (0,10 Reichs­mark), Stel­la-Fuß­pu­der („stei­gert die Marschleis­tung“), Blut­still­wat­te, Tee, Reiß­brett­stif­te oder auch ein Du­den von 1918.

„Gleich ne­ben­an wur­de Bier ge­zapft“, sagt Haus­ei­gen­tü­mer Ni­ko­laus Wie­gand (67). Der Rent­ner wur­de im Haus ge­bo­ren, ist ein Nach­kom­me der Fa­mi­lie Mül­ler, die hier von 1869 bis 1969 Ge­schäft und Gast­wirt­schaft be- trie­ben hat. Er zeigt das guss­ei­ser­ne Steu­er­rad, mit dem sein Groß­va­ter Luft in Bier­fäs­ser pump­te, da­mit der Gers­ten­saft bis nach oben zur Zapf­an­la­ge flie­ßen konn­te. Er­in­ne­run­gen we­cken auch der Ka­chel­herd oder die höl­zer­ne Wä­sche­rol­le, an der noch Nacht­klei­der und Buch­sen hän­gen.

Das denk­mal­ge­schütz­te Haus (1759 er­rich­tet) steht nun zum Ver­kauf, wes­halb der Schatz nun zum Vor­schein kam. „Wir wün­schen uns, dass ei­ne Hei­mat­stu­be für Pes­ter­witz da­rin ent­steht“, sagt Wie­gan­ds Frau Ani­ta (62). „Es ist der Wunsch al­ler im Ort.“Prak­tisch wä­re es: Die hal­be Ein­rich­tung fürs Mu­se­um steht ja schon drin­nen ...

In der Schank­wirt­schaft floss vor 50 Jah­ren küh­les Bier aus dem Zapf­hahn.

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