Am En­de siegt der Is­lam

Dresdner Morgenpost - - KULTUR -

Ein Land, in sei­nen Gr­und­fes­ten faul­sti­chig ge­wor­den, über­lässt sich dem Is­lam. Mi­chel Hou­el­l­e­bec­qs Ro­man „Un­ter­wer­fung“ist ei­nes der meist­dis­ku­tier­ten Bü­cher der un­mit­tel­ba­ren Ge­gen­wart. In der Büh­nen­fas­sung von Ja­ni­ne Or­tiz hat­te der Stoff am Sonn­abend Pre­mie­re im Klei­nen Haus 3.

Der Ro­man, der die Angst vor dem Is­lam teils ernst­haft, teils sa­ti­risch auf­spießt, spielt in Frank­reich, Hei­mat des Au­tors, und ist auf die dor­ti­gen Ver­hält­nis­se be­zo­gen. An­ge­sichts von Flücht­lings­kri­se und Frem­den­feind­lich­keit ist er auch für Deutsch­land ein bri­san­ter Stoff, ist Dres­den ein na­he­lie­gen­der Spiel­ort.

Das west­li­che Ge­sell­schafts­mo­dell aus­ge­laugt, ver­lo­ren der Glau­be an sich selbst. Das ist es, was Hou­el­l­e­becq in sei­nem im Jahr 2022 spie­len­den Buch dia­gnos­ti­ziert. Ich-Er­zäh­ler und Haupt­per­son ist der Li­te­ra­tur­wis­sen­schaft­ler François, der - in­tel­lek­tu­ell er­mü­det - zwi­schen Uni-All­tag und Frau­en­geschich­ten da­hin­treibt. Nach ei­nem Po­lit­kri­mi um die Re­gie­rungs­bil­dung in Frank­reich, in des­sen Fol­ge ein Mus­lim Prä­si­dent wird, tritt auch François am En­de zum Is­lam über - wi­der­stands­los, um nicht nur sein be­ruf­li- ches Fort­kom­men zu si­chern.

In der Re­gie von Mal­te C. Lach­mann gibt Christian Erd­mann den mü­den Hel­den über­zeu­gend als ei­nen mit sich selbst Ha­dern­den, der sich von den Er­eig­nis­sen hin- und her­sto­ßen lässt. Lea Ruck­paul, Lo­renz Nu­fer und Ben Da­ni­el Jöhnk spie­len Ne­ben­fi­gu­ren.

Auf zwei be­weg­li­che Wän­de pro­ji­ziert, zeu­gen ner­vö­se Smart­pho­ne­auf­nah­men von den ge­sell­schaft­li­chen Un­ru­hen im Lan­de, wäh­rend die drei Idea­le der Fran­zö­si­schen Re­vo­lu­ti­on „Li­ber­té“, „Éga­lité“, „Fra­ter­nité“- sy­mo­bi­li­siert als Vi­deo­pro­jek­tio­nen oder Buch­sta­ben­sitz­mö­bel (Büh­ne: Ur­su­la Gais­böck) - aus­ge­dient ha­ben.

Es ge­lingt ei­ne so­li­de, ei­ni­ger­ma­ßen span­nen­de und in ih­rer Ak­ku­ra­tes­se se­hens­wer­te Ins­ze­nie­rung, die das li­te­ra­ri­sche Ori­gi­nal treu auf die Büh­ne über­trägt. Die da­bei aber ei­gen­ar­tig mut­los bleibt. Ein er­zäh­len­des, den Ro­man il­lus­trie­ren­des Spiel fin­det statt, das sei­nen Stoff nicht rich­tig pa­ckend zu ge­stal­ten ver­mag und da­mit un­ter den Mög­lich­kei­ten bleibt, die Thea­ter hat. Auch die An­set­zung des Stücks auf engs­tem Raum, im Klei­nen Haus 3, zeigt: Das Zu­trau­en, mit die­sem bri­san­ten In­halt ei­nen gro­ßen Wurf zu wa­gen, fehl­te. Man darf das be­dau­ern. gg

Die Idea­le der Fran­zö­si­schen Re­vo­lu­ti­on sind tot: François (Christian Erd­mann) ist rat­los. François strei­tet mit ei­ner Ge­lieb­ten. Lea Ruck­paul spielt al­le Frau­en­rol­len.

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