Ma­rie und die letz­te Gei­sha

Dresdner Morgenpost - - KINO -

Rund 18 500 Men­schen star­ben, der Land­strich wur­de durch das Be­ben und die Was­ser­mas­sen ver­wüs­tet und oben­drein ra­dio­ak­tiv ver­strahlt. Re­gis­seu­rin Doris Dör­rie setzt den To­ten nun ein fil­mi­sches Denk­mal - mit Ro­sa­lie Tho­mass als jun­ger Frau, die der letz­ten Gei­sha Fu­kus­hi­mas in ih­ren dun­kels­ten St­un­den bei­steht und mit ei­ge­nen Ängs­ten kon­fron­tiert wird.

Der Film wur­de im Ka­ta­stro­phen­ge­biet ge­dreht und schil­dert mit ein­drück­li­chen Bil­dern in Schwarz-Weiß die Ge­fühls­star­re, in der vie­le Über­le­ben­de im­mer noch ver­har­ren, und macht die Lee­re spür­bar, die ge­lieb­te Men­schen durch ih­ren Tod hin­ter­las­sen ha­ben.

Ma­rie will in Ja­pan für die Or­ga­ni­sa­ti­on Clown­s4Help ar­bei­ten. Mit Mos­he (Mos­he Co­hen) will sie die leid­ge­prüf­ten Be­woh­ner der Prä­fek­tur Fu­kus­hi­ma zum La­chen brin­gen, die dort in Not­un­ter­künf­ten hau­sen. Sie sind die Üb­rig­ge­blie­be­nen, die Al­ten. Die Jun­gen ha­ben das Ge­biet ver­las­sen. Doch Ma­ries Spä­ße kom­men nicht an, trägt sie doch selbst ei­nen gro­ßen Kum­mer mit sich her­um, den Ver­lust ih­rer gro­ßen Lie­be.

Durch ei­nen Zu­fall lernt sie Sa­to­mi (Ka­o­ri Mo­moi) ken­nen. Die al­te Frau ist die letz­te Gei­sha Fu­kus­hi­mas und will un­be­dingt in ihr zer­stör­tes Haus zu­rück­keh­ren. Ma­rie folgt ihr in ei­ne men­schen­lee­re, ge­spens­ti­sche Ein­öde. Zu­sam­men bau­en sie Sa­to­mis Haus not­dürf­tig wie­der auf. Da­bei nä­hern sie sich ein­an­der an und ver­su­chen, ih­re Dif­fe­ren­zen zu über­win­den und sich ge­gen­sei­tig Halt zu ge­ben. Doch die Geis­ter der Ver­gan­gen­heit las­sen sie nicht ru­hen.

Doris Dör­rie und ihr Ka­me­ra­mann Han­no Lentz ver­we­ben Sa­to­mis und Ma­ries Schick­sa­le zu ei­ner traum­glei­chen Ge­schich­te vol­ler Poe­sie, aber auch vol­ler Ab­grün­de. Auch wenn vie­les be­drü­ckend ist, ge­lingt Dör­rie das Kunst­stück, ih­rem Film trotz­dem Leich­tig­keit und ei­nen sub­ti­len Hu­mor zu ver­lei­hen - nicht zu­letzt dank Ro­sa­lie Tho­mass und Ka­o­ri Mo­moi. Ge­rad­li­nig, na­tür­lich und oh­ne Pa­thos spie­len sie ih­re Rol­len und ver­lei­hen ih­nen da­durch ei­ne gro­ße Über­zeu­gungs­kraft.

Fa­zit: Ein be­we­gen­der Film, der zum Glück nicht im Leid sei­ner Fi­gu­ren ver­sinkt.

Cor­du­la Dieck­mann

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