Viel zu ge­fähr­lich

Dresdner Morgenpost - - DRESDEN - Von Tors­ten Hil­scher

Ein

To­ter, vier Ver­letz­te - so lau­tet die Bi­lanz des Che­mie­un­falls von Pir­naNeundorf. Man wagt es kaum aus­zu­spre­chen, aber: Es wa­ren n u r vier Ver­letz­te, n u r ein To­ter. Neundorf ist da­mals an ei­ner rie­si­gen Ka­ta­stro­phe vor­bei­ge­schlit­tert. Wer

heu­te hin­fährt, sieht ei­nen schein­bar ganz nor­ma­len In­dus­trie­be­trieb. Ge­duckt an ei­nen Hang wer­den hier Che­mi­ka­li­en her­ge­stellt, ab­ge­füllt, trans­por­tiert. Das Bild mu­tet an wie aus ei­ner an­de­ren Zeit. Oder wie aus ei­ner an­de­ren Welt­ge­gend. In ei­nem Land, wo so­gar die ex­ak­te Grö­ße von Warn­schil­dern vor­ge­schrie­ben ist, darf ein Che­mie­be­trieb mit­ten in ei­ner Ort­schaft pro­du­zie­ren. Den mas­si­ven Lie­fer­ver­kehr in den ver­schach­tel­ten Stra­ßen mal gar nicht er­wähnt. Wohl­ge­merkt:

Die „Che­mie­bu­de“an die­ser Stel­le ist kaum ein­hun­dert Jah­re alt. Bis 1916 wur­de dort St­ein ge­hau­en. Laut An­woh­nern wuchs der Be­trieb nicht nur zu DDR-Zei­ten, son­dern vor al­lem nach der Wen­de! Es

be­darf kei­ner pro­fun­den Kennt­nis­se in Che­mie und Phy­sik, um die man­geln­de Eig­nung des Stand­or­tes zu er­ken­nen. Fels­wän­de bil­den ei­ne na­tür­lich Gren­ze. Je­de noch so klei­ne Druck­wel­le, die nicht nach oben geht, wie beim Un­glück ge­sche­hen, wird ge­gen den St­ein ge­wor­fen - und zu­rück. Soll­te es bren­nen, ... Er­spa­ren wir uns die Sze­na­ri­en. Fest

steht: Der Stand­ort muss lie­ber heu­te als mor­gen ge­schlos­sen wer­den. Ei­ne Ver­la­ge­rung (gern auch mit öf­fent­li­cher Un­ter­stüt­zung) auf die grü­ne Wie­se ist un­ab­ding­bar. Und die De­mon­ta­ge ei­nes In­dus­trie­be­trie­bes ist in un­se­ren Brei­ten auch nichts Neu­es. Be­richt Sei­te 10

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