Ein ech­ter Li­be­ra­ler

Dresdner Morgenpost - - POLITIK - Von Tho­mas Sch­mitt

Fast klin­gen die Sät­ze wie ei­ne War­nung an den EU-Gip­fel in Brüs­sel: „Eu­ro­pa hat sei­nen Preis. Eu­ro­pa hat aber auch sei­nen Wert. Und wer das ver­gisst, macht ei­nen his­to­ri­schen Feh­ler.“Das Zitat stammt von Gui­do Wes­ter­wel­le. Der ehe­ma­li­ge FDPChef sag­te es im Jahr 2011. Wie hät­te er die ak­tu­el­le po­li­ti­sche La­ge wohl ein­ge­ord­net?

Viel­leicht ist es ei­ne Fü­gung des Schick­sals, das Gui­do Wes­ter­wel­le sei­nem Kampf ge­gen den Blut­krebs ge­nau an dem Tag er­le­gen ist, an dem Eu­ro­pa die Flücht­lings­fra­ge zu lö­sen ver­sucht hat. Als Po­li­ti­ker be­weg­te sich der frü­he­re Au­ßen­mi­nis­ter zwi­schen den Ex­tre­men.

Wes­ter­wel­le war streit­bar, schrill, scharf in sei­nenWor­ten. Er war um­strit­ten bei Freun­den wie Geg­nern. Er teil­te aus und muss­te ein­ste­cken - häu­fig auch in Kom­men­ta­ren an die­ser Stel­le. Man muss sei­ne An­sich­ten nicht tei­len. Aber man muss an­er­ken­nen, dass er sei­ne Mei­nung lei­den­schaft­lich ver­tre­ten hat - auch in für ihn per­sön­lich schwie­ri­gen Zei­ten. Wie im­mer sein po­li­ti­sches Wir­ken be­wer­tet wird - ei­nes ist nicht ab­zu­strei­ten: Gui­do Wes­ter­wel­le blieb stets ein Li­be­ra­ler im klas­si­schen Sin­ne.

„Wir ha­ben ge­kämpft. Wir hat­ten das Ziel vor Au­gen. Wir sind dank­bar für ei­ne un­glaub­lich tol­le ge­mein­sa­me Zeit. Die Lie­be bleibt.“Gui­do Wes­ter­wel­le und Micha­el Mronz, Köln, den 18. März 2016

Gui­do Wes­ter­wel­le * 27. De­zem­ber 1961 † 18. März 2016

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