Gui­do Wes­ter­wel­le starb an Krebs

Ex-Au­ßen­mi­nis­ter ver­liert den Kampf ge­gen den Krebs

Dresdner Morgenpost - - FRONT PAGE -

KÖLN - „Ich ha­be ei­nen Plan: zu über­le­ben. Und mir mein al­tes Le­ben Schritt für Schritt zu­rück­zu­ho­len“, hat­te Ex-Au­ßen­mi­nis­ter Gui­do Wes­ter­wel­le im ver­gan­ge­nen No­vem­ber ge­sagt. Auf­ge­gan­gen ist sein Vor­ha­ben nicht. Der frü­he­re FDPChef hat den Kampf ge­gen den ver­fluch­ten Krebs ver­lo­ren. Mit nur 54 Jah­ren ist der Po­li­ti­ker an den Fol­gen von aku­ter mye­loi­scher Leuk­ämie, ei­nem Blut­krebs der be­son­ders schlim­men Art, in der Uni­k­li­nik Köln ver­stor­ben.

Im Herbst vor an­dert­halb Jah­ren dach­te der Ex-Vi­ze­kanz­ler schon ein­mal, es sei so­weit. We­gen sei­ner Leuk­ämie be­kam er von ei­nem frem­den Spen­der Kno­chen­mark-Stamm­zel­len trans­plan­tiert. Auf ei­ne der vie­len Infu­sio­nen, die da­nach sein müs­sen, rea- gier­te sein Kör­per all­er­gisch. Das Herz ras­te, die Au­gen kipp­ten nach hin­ten, er be­kam kei­ne Luft. „Ich dach­te: So al­so fühlt es sich an, das Ster­ben.“

Über den An­walts­sohn aus Bonn gin­gen Zeit sei­nes Le­bens die Meinungen aus­ein­an­der. Be- wun­dert, be­ju­belt, ver­spot­tet, ver­hasst. Lau­ter, for­scher, schril­ler als je­der an­de­re. Auf Par­tei­ta­gen konn­te er die Leu­te schwind­lig re­den. Er stieg bei „Big Bro­ther“in den Con­tai­ner, er­klär­te sich zur „Frei­heits­sta­tue der Re­pu­blik“, ver­sprach „Mehr Net­to vom Brut­to“, po­la­ri­sier­te in der Hartz-IV-De­bat­te mit Aus­sa­gen über „spät­rö­mi­sche De­ka­denz“.

Als „Zieh­va­ter“galt lan­ge Zeit Hans-Dietrich Gen­scher (88): „Ich ha­be sei­nen Weg von An­fang an be­ob­ach­ten und be­glei­ten dür­fen. Er war ei­ne gro­ße po­li­ti­sche Be­ga- bung und ein her­zens­gu­ter Mensch“, trau­er­te der FDP-Eh­ren­vor­sit­zen­de. Auf­den Tag­ge­nau ein hal­bes Jahr nach sei­nem letz­ten Tag als Mi­nis­ter be­kam Wes­ter­wel­le die Dia­gno­se Leuk­ämie. Er hoff­te, den Krebs be­sie­gen zu kön­nen - er hat es nicht ge­schafft.

Wes­ter­wel­le (mit Gat­te Mronz) im No­vem­ber 2015 bei der Prä­sen­ta­ti­on sei­nes Bu­ches „Zwi­schen zwei Le­ben“. Es war ei­ner sei­ner letz­ten öf­fent­li­chen Auf­trit­te. Auf dem Kar­rie­re-Hö­he­punkt: Bei den Bun­des­tags­wah­len 2009 zog die FDP auf die Re­gie­rungs­bank, Par­tei­chef Wes­ter­wel­le wur­de Vi­ze-Kanz­ler und Au­ßen­mi­nis­ter.

Un­ver­ges­sen: Wes­ter

wel­les „Pro­jekt 18“. Es wur­de

zu­nächst ge­nährt durch Spaß­po­li­tik - die ihm

bald selbst pein­lich wur­de.

Wa­ren

sich auch in

ih­rer Ko­ali­ti­on

nicht im­mer

ei­nig, hat­ten

aber gro­ßen Re­spekt

vor ein­an­der: Wes­ter­wel­le

und Kanz­le­rin

Mer­kel.

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