Ei­ne durch­ge­knall­te Lie­be

Dresdner Morgenpost - - KINO -

Die Schmer­zen sind un­er­träg­lich. Nicht nur die, die To­ny bei ih­ren Dehn­übun­gen in der Re­ha­kli­nik quä­len. Die Rechts­an­wäl­tin muss nach ei­nem Knie­seh­nen­riss, den sie sich bei ei­nem Ski­un­fall zu­ge­zo­gen hat, wie­der müh­se­lig das Lau­fen ler­nen. Und das tut min­des­tens so weh wie die Er­in­ne­run­gen an ih­re de­sas­trö­se Be­zie­hung.

Wäh­rend ih­rer mehr­wö­chi­gen Ge­ne­sung lässt To­ny ihr Le­ben mit Ge­or­gio Re­vue pas­sie­ren. Der Film der fran­zö­si­schen Re­gis­seu­rin Maïwenn han­delt von der „Amour fou“- ei­ner Lie­be, die be­rauscht, un­ver­nünf­tig und un­kon­trol­lier­bar ist, ei­ner Lie­be, die auf­grund ih­rer In­ten­si­tät als un­nor­mal emp­fun­den wird und we­gen der Ge­gen­sätz­lich­keit der Ver­lieb­ten als aus­sichts­los gilt.

Tony­is­tei­ne­an­ge­se­he­neRechts­an­wäl­tin um die vier­zig, Ge­or­gio ein gut aus­se­hen­der Drauf­gän­ger, der di­ckes Geld als Re­stau­rant­be­sit­zer macht. Ih­re Ge­schich­te be­ginnt in ei­nem Pa­ri­ser Nacht­club. To­ny ist von Ge­or­gio fas­zi­niert, den die Frau­en um­schwär­men. Zwi­schen bei­den funkt es lich­ter­loh. Man liebt sich in der Kü­che von Ge­or­gi­os Re­stau­rant, macht den Tag zur Nacht, sieht die Welt durch die ro­sa­ro­te Bril­le und lacht über al­les und nichts.

„Ge­gen­sät­ze zie­hen sich an. Doch län­ger­fris­tig ist so ei­ne Be­zie­hung zum Schei­tern ver­ur­teilt“, er­klär­te Maïwenn. In ih­rem Film hat die „Amour fou“zehn Jah­re ge­dau­ert - mit al­len Zu­ta­ten: ei­ner Hoch­zeit, ei­nem Kind, das man auf den Na­men Sin­bad tauft, Wein­krämp­fen und hys­te­ri­schen An­fäl­len. Ge­or­gi­os ver­rück­tes Le­ben, sei­ne Dro­gen­par­tys und sei­ne selbst­mord­ge­fähr­de­te Ex-Freun­din, um die er sich wei­ter küm- mert, stür­zen To­ny in im­mer tie­fe­re De­pres­sio­nen. Was sie einst an ihm lieb­te und fas­zi­nier­te, macht sie nun krank.

Bei der Be­set­zung be­wies die Re­gis­seu­rin ei­ne glück­li­che Hand. Vin­cent Cas­sel spielt her­vor­ra­gend den no­to­ri­schen Ver­füh­rer. Em­ma­nu­el­le Ber­cot er­hielt bei den Film­fest­spie­len von Can­nes für ih­re schau­spie­le­ri­sche Leis­tung die Aus­zeich­nung als bes­te Schau­spie­le­rin.

Auch wenn man­che Sze­nen über­spitzt wir­ken, hat Maïwenn ein kraft­vol­les Dra­ma um die Macht der Ge­füh­le in­sze­niert.

Fa­zit: Ein Film, der vom ten Mo­ment an fes­selt.

Sa­bi­ne Glau­bitz

ers-

Will „Af­ghan Star“wer­den: die Pasch­tu­nin Sali­ma (Leem Lu­ba­ny). Ri­chie (Bill Mur­ray) soll Sali­ma zum Star ma­chen.

To­ny (Em­ma­nu­el­le Ber­cot) und Ge­or­gio (Vin­cent Cas­sel) in ei­nem zärt­li­chen

Mo­ment.

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