Ar­beit für die Ewig­keit Die Wis­mut wird nie­mals fer­tig

Dresdner Morgenpost - - SACHSEN -

CHEM­NITZ/BER­LIN - Jahr­zehn­te­lang ha­ben Wis­mut-Ar­bei­ter das Erz­ge­bir­ge nach strah­len­dem Uran­erz durch­wühlt - Roh­stoff für so­wje­ti­sche Atom­bom­ben. Seit der Wen­de ist da­mit Schluss. Und seit­dem räumt die Nach­fol­ge­ge­sell­schaft Wis­mut Gm­bH das strah­len­de Er­be weg. Ein En­de nicht in Sicht - im Ge­gen­teil: „Das ist ei­ne Ewig­keits­auf­ga­be“, so Wis­mut-Chef Ste­fan Mann (60).

Und die ist ge­wal­tig: Rund sechs Mil­li­ar­den Eu­ro ha­ben die Wis­mut-Sa­nie­rer in den ver­gan­ge­nen 25 Jah­ren ver­baut. 1500 Ki­lo­me­ter Stol­len wur­den ge­schlos­sen, Hal­den ge­si­chert und ab­ge­dich­tet, strah­len­des Gru­ben­was­ser ge­rei­nigt. Über­ir­disch gel­ten 80 Pro­zent der Ar­bei­ten als er­le­digt, un­ter­ir­disch

so­gar 99 Pro-

zent. Mit Aus­nah­me ei­nes letz­ten Be­lüf­tungs- und Über­wa­chungs­stol­lens in Bad Schle­ma gibt es prak­tisch kein of­fe­nes Berg­werk mehr.

Das letz­te gro­ße Pro­jekt sind laut Wis­mut die so­ge­nann­ten Schlamm­tei­che in See­lings­tädt (Thü­rin­gen) und Helms­dorf (Sach­sen) mit rund 160 Mil­lio­nen Ku­bik­me­tern hoch­gif­ti­ger Schläm­me, Res­ten von Uran und Che­mi­ka­li­en. Für Sa­nie­rungs­ar­bei­ten bis 2045 rech­net die Wis­mut mit ei­nem Be­darf von wei­te­ren zwei Mil­li­ar­den Eu­ro.

Aber selbst da­nach geht die Ar­beit wei­ter - auf un­ab­seh­ba­re Zeit: „Wir muss­ten er­ken­nen, dass ei­ni­ge Auf­ga­ben ge­ra­de­zu Ewig­keitscha­rak­ter ha­ben. Da ist et­wa die Be­hand­lung des Was­sers aus den ehe­ma­li­gen Gru­ben, des Si­cker­was­sers an den Hal­den oder an den Schlamm­tei­chen.“Co-Chef Rai­ner M. Tür­mer (57): „Die Wis­mut wird blei­ben, auch wenn sich die Zahl der Mit­ar­bei­ter bis 2028 von jetzt mehr als 1 000 et­wa hal­bie­ren wird. Die ver­blie­be­nen Auf­ga­ben müs­sen im Ge­dächt­nis nach­fol­gen­der Ge­ne­ra­tio­nen blei­ben.“

Hier wirk­te die Wis­mut: Uran­erz-Ab­raum­hü­gel in den 60er-Jah­ren.

Die Sau­ber­män­ner: Wis­mut-Chefs Ste­fan Mann (60, l.) und Rai­ner M. Tür­mer (57). Die Idyl­le trügt: Auch die Si­cker­wäs­ser aus den be­grün­ten Ab­raum-Hal­den bei Bad Schle­ma müs­sen auf un­ab­seh­ba­re

Zeit über­wacht und bei Be­darf ent­gif­tet wer­den.

Die meis­ten der strah­len­den „Ron­ne­bur­ger Ke­gel“wur­den von der Wis­mut in den ver­gan­ge­nen 25 Jah­ren ab­ge­tra­gen.

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