Wie geht’s jetzt wei­ter? Der Fahr­plan nach dem Bri­ten-Aus

Dresdner Morgenpost - - POLITIK -

LON­DON - Er woll­te die eu­ro­päi­sche Fra­ge in Groß­bri­tan­ni­en be­ant­wor­ten las­sen - und ver­lor. Der Br­ex­it-Ent­scheid be­rei­tet der po­li­ti­schen Lauf­bahn von Pre­mier­mi­nis­ter Da­vid Ca­me­ron (49) ein jä­hes En­de - und stürzt Eu­ro­pa in ei­ne Kri­se.

Der Alb­traum über­zeug­ter Eu­ro­pä­er wird wahr: Groß­bri­tan­ni­en hat sich für den Aus­stieg aus der EU ent­schie­den. Mit ei­ner emo­tio­na­len Re­de an das bri­ti­sche Volk kün­dig­te Ca­me­ron nach dem his­to­ri­schen Vo­tum sei­nen Rück­tritt bis spä­tes­tens Ok­to­ber an. Er lie­be sein Land und wer­de sei­nen Bei­trag da­zu leis­ten, dass die Fol­gen des EU-Aus­tritts so gut wie mög­lich be­wäl­tigt wer­den kön­nen. „Ich glau­be aber nicht, dass ich der rich­ti­ge Ka­pi­tän bin, der un­ser Land an ei­nen neu­en Be­stim­mungs­ort steu­ert.“

Groß­bri­tan­ni­en will nun of­fen­sicht­lich auf Zeit spie­len. „Es gibt kei­ne Not­wen­dig­keit für ei­nen ge­nau­en Zeit­plan“, be­ton­te Ca­me­ron. Die Ver­hand­lun­gen mit Brüs­sel sol­le sein Amts­nach­fol­ger füh­ren, der im Ok­to­ber ge­kürt wer­den könn­te. Im Ge­spräch ist un­ter an­de­rem Bo­ris John­son (52), Ex-Bür­ger­meis­ter von Lon­don, der im Br­ex­it-Wahl­kampf Ca­me­rons Wi­der­sa­cher war.

Der bri­ti­sche Rechts­po­pu­list Ni­gel Fa­ra­ge (52), ei­ner der po­pu­lärs­ten Br­ex­it-Be­für­wor­ter, froh­lock­te: „Die EU ver­sagt, die EU stirbt.“Er for­der­te Ca­me­rons so­for­ti­gen Rück­tritt.

Der Pre­mier ver­such­te ges­tern noch, die in Groß­bri­tan­ni­en le­ben­den EU-Bür­ger zu be­ru­hi­gen. Es wer­de durch das Br­ex­it-Vo­tum kei­ne un­mit­tel­ba­ren Ein­schrän­kun­gen bei der Frei­zü­gig­keit ge­ben. Eu­ro­pä­er, die in Groß­bri­tan­ni­en und Bri­ten, die in Eu­ro­pa le­ben, sei­en in der na­hen Zu­kunft nicht von der Br­ex­it-Ent­schei­dung be­trof­fen. Hek­ti­sche Be­trieb­sam­keit nach dem Ja der Bri­ten zum Br­ex­it: Die EU-Spit­zen­po­li­ti­ker er­war­tet jetzt ein Kon­fe­ren­zund Sit­zungs­ma­ra­thon:

25. JU­NI: Die Au­ßen­mi­nis­ter der sechs Grün­dungs­staa­ten der Eu­ro­päi­schen Wirt­schafts­ge­mein­schaft (EWG) tref­fen sich heu­te in Ber­lin. Grün­dungs­mit­glie­der wa­ren am 25. März 1957 - da­mals wur­den die Rö­mi­schen Ver­trä­ge un­ter­zeich­net Deutsch­land, Frank­reich, Ita­li­en so­wie die Be­ne­lux-Staa­ten Bel­gi­en, Nie­der­lan­de und Lu­xem­burg.

27. JU­NI: Die EU-Kom­mis­si­on be­rät über Kon­se­quen­zen aus dem Re­fe­ren­dum und be­rei­tet den EU-Gip­fel am 28./29. Ju­ni vor. Bun­des­kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel (61, CDU) und Frank­reichs Prä­si­dent François Hol­lan­de (61) be­ra­ten die Fol­gen des Bri­ten-Vo­tums. EU-Gip­fel­chef Do­nald Tusk (59) reist vor­aus­sicht­lich nach Pa­ris und Ber­lin, trifft mor­gens Hol­lan­de und nach­mit­tags Mer­kel.

28. JU­NI: Das Eu­ro­pa­par­la­ment kommt in Brüs­sel zu ei­ner Son­der­sit­zung zu­sam­men. Beim zwei­tä­gi­gen EU-Gip­fel wird es vor­aus­sicht­lich nur ein The­ma ge­ben: den Aus­tritt der Bri­ten aus der Uni­on. Am Ran­de des EU-Gip­fels soll es nach dem Nein der Bri­ten zur EU ein „in­for­mel­les Tref­fen“der üb­ri­gen 27 Mit­glie­der ge­ben - oh­ne Groß­bri­tan­ni­en. Der Bun­des­tag kommt vor­aus­sicht­lich zeit­gleich zu ei­ner Son­der­sit­zung zu­sam­men.

Kann sich Hoff­nung ma­chen, Nach­fol­ger Ca­me­rons zu wer­den: Lon­dons Ex-Bür­ger­meis­ter John­son (52). Ju­bel bei Ca­me­rons

Kon­tra­hen­ten, dem rechts­po­pu­lis­ti­schen UKIP-Chef Fa­ra­ge

(52), nach dem Vo­tum der Bri­ten

für den EU-Aus­tritt.

Be­stür­zung in Brüs­sel: EU-Par­la­ments­prä­si­dent Schulz (60, l.), Kom­mis­si­ons-Chef Juncker (61, M.) und Rats­prä­si­dent Tusk (59, r.).

In Lon­don über­wo­gen die Br­ex­it-Geg­ner. Um­so grö­ßer das Ent­set­zen nach Be­kannt­ga­be des Er­geb­nis­ses.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.