Rus­sell Cro­we rührt zu Trä­nen

Dresdner Morgenpost - - KINO -

NEW YORK Ein Zu­kunfts­film im 70er-Jah­re-Look? So et­was wie „High-Ri­se“gibt es im Ki­no sel­ten zu se­hen. In der Haupt­rol­le: Tom Hidd­les­ton (35), der als hei­ßer Ja­mes-Bond-Nach­fol­ger gilt.

„Sie sind ja ein Pracht­ex­em­plar!“, ruft die schö­ne Nach­ba­rin (Sie­na Mil­ler, 34) dem neu ein­ge­zo­ge­nen Mus­kel­pa­ket auf dem Bal­kon un­ter ihr zu. „Ich dach­te, sie sei­en leer“, er­gänzt sie - un­klar, ob es um die no­ble Woh­nung oder um den Men­schen geht. Al­lein mit die­ser Sze­ne ist der Ton ge­setzt, den „High-Ri­se“an­schlägt: Un­ter­kühl­te Bil­der und un­be­que­me Hal­tun­gen bil­den die Grund­la­ge für ei­ne grim­mi­ge Kri­tik an der Kon­sum­ge­sell­schaft.

Im Zen­trum die­ser Kreu­zung aus Dra­ma und Thril­ler steht Ar­chi­tekt Ro­bert La­ing (Hidd­les­ton). Er zieht im Lon­don der 1970er-Jah­re in ei­ne ar­chi­tek­to­ni­sche Vi­si­on der Zu­kunft: ein Hoch­haus, in dem Ver­tre­ter al­ler ge­sell­schaft­li­chen Schich­ten zu­sam­men­le­ben. Wäh­rend oben de­ka­den­te Par­tys ge­fei­ert wer­den und sich die Rei­chen so­gar ein Pferd hal­ten, re­gie­ren bei den Be­woh­nern der un­te­ren Stock­wer­ke Gier, Trie­be und die Wut auf die Zu­stän­de. Bei ei­nem Strom­aus­fall bricht schließ­lich An­ar­chie aus und der Klas­sen­kampf be­ginnt.

Die Bild­wel­ten, die Re­gis­seur Ben Wheat­ley für sei­ne Dys­to­pie fin­det, sind durch­weg auf­re­gend. Die Aus­stat­tung der Woh­nun­gen und die groß­ar­ti­gen Ko­s­tü­me kom­men so­wohl re­tro als auch fu­tu­ris­tisch da­her. Ein Elek­tro­sound­track, bei dem sich die TripHop-Pio­nie­re Por­tis­head trau­en, Ab­bas „SOS“zu co­vern, tut sein Üb­ri­ges, um Ver­gan­gen­heit und Zu­kunft zu ver­knüp­fen.

Wheat­ley gibt sei­nem De­ka­denz­dra­ma zu­dem ein klu­ges Tem­po mit. Be­son­ders in den ers­ten zwei Drit­teln nimmt das be­droh­li­che Sze­na­rio mehr und mehr an Fahrt auf .

Fa­zit: Küh­le Ge­sell­schafts­kri­tik in ge­styl­ten Bil­dern und mit groß­ar­ti­gen Darstel­lern.

Christian Fah­ren­bach BER­LIN - Nach ei­ner Rei­he von Flops ist Rus­sell Cro­we (52) wie­der voll da: In der Bud­dy-Ko­mö­die „The Nice Guys“hat­te er ge­ra­de erst sei­ne ko­mi­sche Sei­te be­wie­sen; im Me­lo­dram „Vä­ter und Töch­ter - Ein gan­zes Le­ben“rührt der Aus­tra­li­er nun als al­lein­er­zie­hen­der Va­ter ei­ner klei­nen Toch­ter im­mer wie­der zu Trä­nen.

1989:

Der

er­folg­rei­che Schrift­stel­ler Ja­ke Da­vis muss sei­ne Toch­ter Ka­tie al­lei­ne groß­zie­hen, nach­dem sei­ne Frau bei ei­nem Ver­kehrs­un­fall ums Le­ben kam - bei dem er am Steu­er saß. Dieses Un­glück hat ihn schwer ge­zeich­net. See­lisch und kör­per­lich.

25 Jah­re spä­ter: Ka­tie (Aman­da Sey­fried, 30) ist schein­bar ei­ne selbst­be­wuss­te Frau ge­wor­den - und doch lei­det sie am Le­ben. Wur­de sie in ih­rer Kind­heit vom Va­ter zu sehr mit Lie­be über­schüt­tet? Der ita­lie­ni­sche Re­gis­seur Ga­b­rie­le Muc­ci­no (49) hat­te sich mit dem Will-Smith-Dra­ma „Das Stre­ben nach Glück“als Spe­zia­list für hem­mungs­lo­se Rühr­stü­cke emp­foh­len, die auch mal kit­schig sein dür­fen - so wie hier.

Fa­zit: Glän­zend ge­spiel­tes Trä­nen­stück über die ganz gro­ßen Ge­füh­le. Es darf ge­weint wer­den!

Wolf­gang Marx

In­for­ma­tio­nen zu den wei­te­ren Bun­des­starts „Ca­ra­cas, ei­ne Lie­be“, „90 Mi­nu­ten Bei Ab­pfiff Frie­den“und „Ice Age - Kol­li­si­on vor­aus!“le­sen Sie mor­gen im Au­gus­to-Aus­geh­ma­ga­zin.

„Sie sind ja ein Pracht­ex­em­plar!“,

freut sich die par­ty- und män­ner­wü­ti­ge Char­lot­te (Si­en­na Mil­ler, 34) über ih­ren neu­en

Nach­barn.

Der al­lein­ste­hen­de Arzt Dr. La­ing (Tom Hidd­les­ton, 35) will im de­ka­den­ten Hoch­haus ei­gent­lich An­ony­mi­tät fin­den.

Rus­sell Cro­we (52) kann auch me­lo­dra­ma­tisch: Als al­lein­er­zie­hen­der Va­ter rührt er die Her­zen.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.