„Brü­der mit den Lö­wen­her­zen“wol­len im­mer noch nicht nach Hau­se!

Dresdner Morgenpost - - FUSSBALL-EM PRESSESTIMMEN -

NIZ­ZA - Die schrof­fe Vul­kan­in­sel am Ran­de der Ark­tis er­leb­te ei­nen Aus­bruch un­ge­hemm­ter Freu­de, Eu­ro­pa fei­ert die un­beug­sa­men „Ret­ter des Fuß­balls“und Frank­reich fürch­tet sich be­reits vor der nächs­ten „Wi­kin­ger-In­va­si­on“.

Nach­dem Is­lands neue Na­tio­nal­hel­den ein Fuß­ball­wun­der voll­bracht und En­g­land aus dem Tur­nier ge­schos­sen hat­ten, kün­dig­ten sie frech an: Wir wol­len auch am Sonn­tag noch nicht nach Hau­se fah­ren. Da spielt der EM-De­bü­tant ge­gen den Gast­ge­ber.

„Von die­sem Tag wer­den wir noch ein Le­ben lang er­zäh­len, sag­te Trainer Hei­mir Hall­grims­son nach dem sen­sa­tio­nel­len 2:1 (2:1) ge­gen die Th­ree Li­ons, aber er be­ton­te so­gleich: „Jetzt kommt ei­ne noch grö­ße­re Chan­ce.“Ge­tra­gen von der Be­geis­te­rung in mitt­ler­wei­le ganz Eu­ro­pa traut Hall­grims­son sei­ner Mann­schaft im Vier­tel­fi­na­le ge­gen die Equi­pe tri­co­lo­re al­les zu: „Wenn wir mit der glei­chen Ein­stel­lung spie­len, kön­nen wir je­den schla­gen.“

Das is­län­di­sche Mär­chen er­in­nert lang­sam an zwei der größ­ten Sen­sa­tio­nen der Fuß­ball-Ge­schich­te. Kön­nen die „Brü­der mit den Lö­wen­her­zen“(Ta­ges­zei­tung Frett­ab­la­did) wie Dä­ne­mark 1992 und Grie­chen­land 2004 als gro­ßer Au­ßen­sei­ter des Tur­niers so­gar den EM-Thron er­obern? Die spa­ni­sche Zei­tung Mar­ca warnt be­reits: „Ach­tung, Frank­reich: Das ist ei­ne Wi­kin­ger-In­va­si­on!“

Was im­mer noch kom­men mag - mit dem ver­dien­ten Tri­umph ge­gen ih­re Ido­le aus En­g­land, die von den Is­län­dern Wo­che für Wo­che am Fern­se­her be­wun­dert wer­den, ha­ben die wa­cke­ren Män­ner in Blau schon jetzt Hel­den­sta­tus er­wor­ben. Mit­tel­feld­spie­ler Jo­hann Gud­munds­son fühl­te sich nach ei­ner Nacht mit feins­tem Kopf-Ki­no auch ge­nau so: „Ich hat­te ei­nen Traum, dass ich Kö­nig sei. Bin auf­ge­wacht und war noch im­mer ein Kö­nig“, twit­ter­te er.

Der Lau­te­rer Zweit­li­ga-Pro­fi Jon Böd­vars­son hat­te schon di­rekt nach dem Schluss­pfiff „über­all Gän­se­haut“, als 5 000 is­län­di­sche Fans mit der gan­zen Mann­schaft aus­ge­las­sen ei­ne Rie­sen­par­ty fei­er­ten. Vie­len der bär­ti­gen Hü­nen stan­den Trä­nen der Rüh­rung in den Au­gen. Der am Sams­tag neu ge­wähl­te Staats­prä­si­dent Gud­ni Jo­han­nes­son sah dem wil­den Trei­ben glück­se­lig von der Tri­bü­ne aus zu. „Ich glau­be“, sag­te Böd­vars­son, „mein Land steht im Mo­ment kopf.“

Die Sen­sa­ti­on ist per­fekt: Die En­g­län­der sind nach dem Ab­pfiff ge­schla­gen am Bo­den, die Sie­ger aus Is­land he­ben zum Ju­beln ab.

En­g­lands Te­am­ma­na­ger Roy Hodg­son hat die Kon­se­quen­zen ge­zo­gen und ist zu­rück­ge­tre­ten.

Is­lands Karl Ar­na­son lässt sich nach dem Sieg von Freun­den und Fans fei­ern.

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