Bier­hoff fei­ert Ju­bi­lä­um

Dresdner Morgenpost - - FUSSBALL-EM -

EVIAN-LES-BAINS - Joa­chim Löw geht sei­nem Te­am­ma­na­ger Oli­ver Bier­hoff heu­te lie­ber aus dem Weg. „Ich bin froh, wenn ich das nicht hö­re. Das er­zählt Oli­ver oft ge­nug“, sag­te der Bun­des­trai­ner zu Be­ginn der Wo­che - und er grins­te breit. Schon Tor­wart­trai­ner An­dy Köp­ke hat­te wäh­rend der EM 2012 die Mann­schaft bei ei­ner An­spra­che lau­nig auf­ge­for­dert, doch bit­te end­lich den Ti­tel zu ho­len: „Ich möch­te nicht stän­dig über Deutsch­lands letz­ten EM-Sieg re­den müs­sen“. Löw und Köp­ke spre­chen vom 30. Ju­ni 1996, an dem sich Oli­ver Bier­hoff mit sei­nem Gol­den Go­al im EM-Fi­na­le ge­gen Tsche­chi­en (2:1) ei­nen fes­ten Platz in der deut­schen Fuß­ball-His­to­rie ge­si­chert hat. Noch heu­te, 20 Jah­re da­nach, ist der letz­te deut­sche EM-Ti­tel un­wei­ger­lich mit dem Na­men Bier­hoff ver­bun­den. „Dieses Tor er­zielt zu ha­ben, ist na­tür­lich ei­ne Eh­re, auf die ich stolz bin“, sag­te der 48-Jäh­ri­ge.

Der aus­ge­tüf­tel­te Sieg­plan ge­gen Ita­li­en ist in der prak­ti­schen Um­set­zung. Bei schöns­tem Ur­laubs­wet­ter gab Bun­des­trai­ner Joa­chim Löw ges­tern mit 22 EM-Spie­lern den Trai­nings­start­schuss für das EM-Vier­tel­fi­na­le, in dem die Na­tio­nal­mann­schaft am Sams­tag (21.00 Uhr/ARD) in Bor­deaux ei­nen his­to­ri­schen Er­folg er­rin­gen will.

Ex­tra lang und be­son­ders in­ten­siv sei trai­niert wor­den, be­rich­te­te Bun­destor­wart­trai­ner Andre­as Köp­ke an­schlie­ßend sicht­lich zu­frie­den. Das Feu­er in der Mann­schaft ist ent­facht. „Wir glau­ben an uns!“, ver­kün­de­te Tor­jä­ger Ma­rio Go­mez, der nicht nur den Angst­geg­ner schla­gen will, son­dern gleich bis ins Fi­na­le möch­te: „Für mich zählt hier nur, dass wir Eu­ro­pa­meis­ter wer­den.“Da­für be­müht sich der bei Be­sik­tas Istan­bul an­ge­stell­te Stür­mer auch dar­um, den neu­en Ter­ror­an­schlag mit vie­len To­ten an sei­nem Ar­beits­platz und Wohn­sitz in der Tür­kei aus­zu­blen­den. „Das trau­ri­ge The­ma ist na­tür­lich da“, sag­te Go­mez.

Nur der an ei­ner leich­ten Grip­pe er­krank­te Au­ßen­ver­tei­di­ger Jo­nas Hec­tor ver­pass­te die ers­te Trai­nings­ein­stim­mung auf die Ita­lie­ner. „Wir ge­hen nicht da­von aus, dass es et­was Schlim­me­res ist“, sag­te Köp­ke. Hec­tor soll wie in den ers­ten vier EM-Par­ti­en links hin­ten auf­lau­fen kön­nen. Löw ver­riet im­mer­hin ei­ne zen­tra­le Ziel­set­zung des Match­plans im Du­ell der bei­den vier­ma­li­gen Welt­meis­ter: „Wir müs­sen un­se­re Stär­ken ins Spiel brin­gen und un­se­ren Fuß­ball durch­zie­hen.“

An­sons­ten hat die Pha­se der höchs­ten Ge­heim­hal­tung und Ver­schleie­rung be­gon­nen, auch wenn sich die Geg­ner bes­tens ken­nen. Heu­te wird das Trai­ning kom­plett ge­schlos­sen. Auch das Ab­schluss­trai­ning des Welt­meis­ters vor der Abrei­se nach Bor­deaux wird noch auf dem ab­ge­schirm­ten Übungs­platz am Gen­fer See durch­ge­führt, wo ita­lie­ni­sche Spio­ne kei­ne Ein­bli­cke er­ha­schen kön­nen. Löw hat nach ei­nem Tag des Tüf­telns die Übungs­in­hal­te fest­ge­legt, die er ein­stu­die­ren lässt. Und er ist froh, dass zwi­schen Ach­tel­fi­na­le und Vier­tel­fi­na­le sechs Ta­ge lie­gen: „Die Pau­se ist nicht von Nach­teil. Wir kön­nen in die­ser Wo­che im Trai­ning schon den ei­nen oder an­de­ren Reiz set­zen.“Beim ers­ten Reiz­punkt war zu­min­dest in der für Me­di­en zu­gäng­li­chen Aufwärmphase im Sta­de Ca­mil­le Four­nier Er­freu­li­ches zu be­ob­ach­ten: Die nach dem Slo­wa­kei-Spiel an­ge­schla­ge­nen De­fen­siv­kräf­te Jé­rô­me Boateng, Hum­mels und Sa­mi Khe­di­ra so­wie Flü­gel­stür­mer Ju­li­an Drax­ler konn­ten oh­ne er­kenn­ba­re Pro­ble­me mit­ma­chen.

1996 ge­lang Oli­ver Bier­hoff das ein­zi­ge Gol­den Go­al der EM-Ge­schich­te.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.