Li­be­ral in Dres­den

Dresdner Morgenpost - - DRESDEN - Von Tors­ten Hil­scher

Knapp ein Jahr ist OB Dirk Hil­bert (FDP) nun ge­wählt im Amt. Als Glied ei­ner Ket­te der li­be­ra­len Stadt­ober­häup­ter Al­f­red St­ü­bel (1877-1895), Bern­hard Blü­her (1915-1931) so­wie Wil­helm Külz (1931-1933). Und na­tür­lich In­golf Roß­berg (2001-2008).

Hil­bert führt die Stadt ru­hig und un­auf­ge­regt, wie schon als In­te­rim. Das ist wich­tig in ei­ner Zeit, in der Ideo­lo­gen von links und rechts Stim­mung ver­brei­ten. Tat­säch­lich kann ein li­be­ra­ler Ges­tus nicht nur Prag­ma­tis­mus wal­ten las­sen, da­mit es, sa­lopp ge­sagt, ein­fach läuft, son­dern er kann die Stadt vor der Spal­tung be­wah­ren.

Die OB-Fi­gur Hil­bert zeigt auch, wie wich­tig ei­ne grund­li­be­ra­le Par­tei im de­mo­kra­ti­schen Ge­fü­ge ist. Ge­ra­de heu­te. Man muss Hil­berts Par­tei­freun­de um Hol­ger Zastrow nicht mö­gen: Aber wenn’s die Dresd­ner FDP schafft, ih­re Hoch­nä­sig­keit aus der Re­gie­rungs­be­tei­li­gung im Land de­mü­tig zu be­trach­ten, ist’s ge­nau ei­ne FDP, sind es Zastrows und Hil­berts Prag­ma­tis­mus, die Aus­gleich schaf­fen. Als ech­te Mit­te. Sie kann, was be­wie­sen ist, AfD­ler, Hilfs-Pe­gi­dis­ten, lin­ke Aus­stei­ger ab­sor­bie­ren. Sie kann so­gar rech­te SPD­ler in­te­grie­ren, die Rot-Rot-Grün er­drü­cken.

Und Hil­bert selbst? Er passt zu Dres­den. Zum neu­en Dres­den. Denn er ist auch welt­of­fen, wie uns das vie­le gar nicht zu­trau­en. Da­her soll­te er sei­ne Par­tei­mit­glied­schaft mehr nach au­ßen tra­gen. Im Wahl­kampf vor ei­nem Jahr hat­te er sie noch ver­steckt. Mehr noch: Ei­ne MDR-Mo­de­ra­to­rin, die ihn am Abend des Wahl­sie­ges da­zu auf den Elb­schlös­sern be­frag­te, ließ er on­kel­haft ab­per­len. So ei­ne FDP braucht Dres­den wie­der­um nicht.

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