Tier­schüt­zer wol­len Ka­tern ans Ge­mächt

Dresdner Morgenpost - - SACHSEN - -bi.-

LEIP­ZIG - Aus­ge­setz­te und ver­wil­der­te Haus­kat­zen wer­den in Sach­sen zum Pro­blem. Die Po­pu­la­ti­on wird im­mer grö­ßer, Tier­hei­me sind voll mit „Fund­tie­ren“. Jetzt for­dert die Tier­schutz­or­ga­ni­sa­ti­on PE­TA den Frei­staat auf, die un­kon­trol­lier­te Fort­pflan­zung mit ei­ner ge­setz­li­chen Kastra­ti­ons­pflicht zu stop­pen.

An­nett Al­brecht (30) weiß nicht mehr wo­hin mit den vie­len Samt­pfo­ten. Rund 120 Kat­zen be­her­bergt die Che­fin des Ei­len­bur­ger Tier­heims der­zeit, dar­un­ter 60 Ba­bys. „Platz ha­ben wir ei­gent­lich nur für 70 - doch wir sind ver­pflich­tet, je­des Fund­tier an­zu­neh­men.“

Wie in Ei­len­burg sieht es der­zeit vie­ler­orts im Lan­de aus. „Die Po­pu­la­ti­on ver­wil­der­ter Kat­zen ist enorm an­ge­wach­sen, wir ge­hen von zwei Mil­lio­nen Tie­ren in Deutsch­land aus“, sagt PE­TA-Re­fe­ren­tin Dör­te Röhl (31). In Sach­sen sol­len sich rund 100000 Streu­ner rum­trei­ben. „Vie­le halb ver­hun­gert, krank und von Pa­ra­si­ten be­fal­len“, weiß Tier­ärz­tin Röhl.

Ei­ne Ur­sa­che des Übels sieht PE­TA in der la­xen Hal­tung des Frei­staats. „Ob­wohl die No­vel­lie­rung des Tier­schutz­ge­set­zes die Lan­des­re­gie­run­gen seit 2013 er­mäch­tigt, den un­kon­trol­lier­ten Frei­gang fort­pflan­zungs­fä­hi­ger Kat­zen durch ei­ne Rechts­ver­ord­nung zu ver­bie­ten, hat Sach­sen es bis­her ver­schla­fen, die­sen wich­ti­gen

Schritt zu ge­hen“, so Frau Röhl. Im Kl­ar­text: PE­TA for­dert ei­nen ge­setz­lich ge­re­gel­ten Haus­ar­rest für al­le nicht kas­trier­ten Stu­ben­ti­ger!

Prak­ti­ker wie die Ei­len­bur­ger Tier­heim-Che­fin un­ter­stüt­zen die For­de­rung. „Uns wür­de das to­tal hel­fen und recht­li­che Si­cher­heit bei der Kastra­ti­on von Fund­tie­ren ge­ben“, sagt Frau Al­brecht.

Beim da­für zu­stän­di­gen So­zi­al­mi­nis­te­ri­um winkt man in­des ab. Es be­ste­he kei­ne Not­wen­dig­keit für ei­ne Rechts­ver­ord­nung, er­klärt Mi­nis­te­ri­ums-Spre­che­rin Kat­ja Nau­mann. Und ver­weist auf ei­ne 2014 durch­ge­führ­te Be­fra­gung. Da­bei hät­ten acht von 13 Land­krei­sen und kreis­frei­en Städ­ten kei­nen Be­darf für ei­ne Re­gu­lie­rung ge­se­hen.

For­dert vom Frei­staat ei­ne Kastra­ti­ons-Ver­ord­nung für frei lau­fen­de Kat­zen: PE­TA-Re­fe­ren­tin Dör­te Röhl (31). Das Tier­heim Ei­len­burg platzt aus den Näh­ten - 120 über­wie­gend „ge­fun­de­ne“Kat­zen wer­den hier un­ter­ge­bracht. Platz ist ei­gent­lich nur für 70.

Die­se Streu­ner-Miez kann kei­nen Nach­wuchs mehr be­kom­men: die frisch kas­trier­te Jo­lin auf dem Arm von Tier­heim-Che­fin An­nett

Al­brecht (30).

Kur­zer Ein­griff: Ei­ne Kastra­ti­on kos­tet für Ka­ter et­wa 60 Eu­ro, für Kat­zen zwi­schen 80 und 120 Eu­ro.

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