So tickt der neue „Bul­len“-Trai­ner

Ralph Ha­sen hüttl über sei­ne Trai­ner-Phi­lo­so­phie und Sai­son­hoff­nun­gen

Dresdner Morgenpost - - FRONT PAGE -

GRAS­SAU - Ralph Ha­sen­hüttl be­strei­tet der­zeit sein ers­tes Trai­nings­la­ger als Coach des neu­en Bun­des­li­gis­ten RB Leip­zig. Im In­ter­view spricht der 48-jäh­ri­ge Ös­ter­rei­cher u.a. über sei­ne Trai­ner-Phi­lo­so­phie und sei­ne Hoff­nun­gen für die Sai­son. Ha­ben Sie sich als Trai­ner in Leip­zig ein­ge­lebt? Ha­sen­hüttl: „Ich ha­be ei­ne Woh­nung ge­fun­den, die Stadt schät­zen und lie­ben ge­lernt, sie hat ei­ne ho­he Le­bens­qua­li­tät. Mit den Mit­ar­bei­tern ist al­les ho­mo­gen, in­ter­es­sant und span­nend.“Woll­ten Sie nach ih­rer Spie­ler­kar­rie­re un­be­dingt Trai­ner wer­den?

Ha­sen­hüttl: „Ich ha­be mir schon im­mer et­was mehr Ge­dan­ken ge­macht über den Sport. Ich lie­be tech­ni­sche Sport­ar­ten und ha­be mir oft über­legt, wie ich sie ver­fei­nern und ver­bes­sern kann. Das ist schon mal ei­ne gu­te Gr­und­vor­aus­set­zung, um ir­gend­wann Trai­ner zu wer­den.“Ha­ben Sie Vor­bil­der? Ha­sen­hüttl: „Es gibt im­mer wie­der Trai­ner, die ei­nen prä­gen. Im End­ef­fekt muss man au­then­tisch blei­ben. Du bist nur gut, wenn du ver­kör­perst, wo­für du stehst. Trotz­dem bist du ja als Mensch das, was dein Um­feld aus dir macht. Wenn man sich an ge­wis­sen Per­so­nen ori­en­tiert, kann es pas­sie­ren, dass man ei­ni­ges an­nimmt, oh­ne es zu ko­pie­ren.“We­cl­che Art Trai­ner sind Sie? Ha­sen­hüttl: „Ich ver­su­che, re­spekt­voll mit den Jungs um­zu­ge­hen, ih­nen Ver­ant­wor­tung zu über­tra­gen. Sie be­kom­men von mir und dem Trai­ner­team ei­ne At­mo­sphä­re vor­ge­setzt, in der man sich gut ent­wi­ckeln kann und Feh­ler ma­chen darf, wenn man das Ge­fühl hat, dass die Jungs dar­aus ler­nen.“

Sie la­chen oft. Wann hört bei Ih­nen der Spaß auf?

Ha­sen­hüttl: „Spaß und Er­folg darf man nicht als Ge­gen­sät­ze se­hen. Krea­ti­vi­tät ist nur mög­lich, wenn man mit viel Freu­de bei der Sa­che ist. Ei­ne gu­te

Mann­schaft un­ter­schei­det sich von ei­ner, die nur ei­ne gu­te sein will, da­durch, dass sie trotz al­lem Spaß an der Ar­beit die Ernst­haf­tig­keit nicht ver­mis­sen lässt.“Wie ge­hen Sie mit Nie­der­la­gen um? Ha­sen­hüttl: „Wenn Sie mei­ne Fa­mi­lie fra­gen, heißt es wahr­schein­lich: fürch­ter­lich. Mei­ne Kol­le­gen wür­den eher sa­gen: sehr sach­lich. Ich ver­su­che, Spie­le auch los­ge­löst vom Er­geb­nis zu ana­ly­sie­ren. Ich glau­be schon, dass ich ein emo­tio­na­ler Trai­ner bin, der aber Nie­der­la­gen mit ei­nem ge­wis­sen Ab­stand als das be­trach­tet, was sie sind - ei­ne Chan­ce zu ler­nen. Mein Spruch ,Wir wer­den kein Spiel ver­lie­ren - ent­we­der wir ge­win­nen oder wir ler­nen‘‘ aus dem Vor­hahr passt auch auf die­se jun­ge Mann­schaft.“

Ist es über­haupt mög­lich, mit so ei­nem jun­gen Team in der Bun­des­li­ga per­spek­ti­visch sehr er­folg­reich zu sein?

Ha­sen­hüttl: „Die Ge­schich­te der ver­gan­ge­nen Jah­re zeigt, dass Bun­des­li­ga­er­fah­rung nicht un­be­dingt ei­ne Ga­ran­tie für Er­folg ist. Wir ha­ben Spie­ler, die hung­rig und lern­wil­lig sind. Das ist mir wich­ti­ger als Bun­des­li­ga­er­fah­rung. Wir ver­su­chen, et­was zu for­men, das auf Sicht sehr schnell ein ho­hes Ni­veau er­rei­chen kann. Und dann hat man das, was man möch­te - ei­ne Mann­schaft, mit der sich al­le im Ver­ein zu hun­dert Pro­zent iden­ti­fi­zie­ren und der die Zu­kunft ge­hört. Des­halb fin­de ich un­se­ren Weg so span­nend.“

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