Warnecke Zu­schau­er mit For­de­run­gen

„Olym­pia­sie­ger dür­fen kei­ne Hartz-IV-Emp­fän­ger wer­den“

Dresdner Morgenpost - - OLYMPIA -

FRANK­FURT/M. - Mark Warnecke (46), Drit­ter über 100 m Brust bei den Spie­len 1996 in At­lan­ta, spricht im Interview über die Gold- Chan­cen von Mar­co Koch, über die schwie­ri­ge IOC-Ent­schei­dung hin­sicht­lich ei­nes Kom­plett­aus­schlus­ses von Russ­land und über Me­dail­len­prä­mi­en.

Die Spie­le in Rio ha­ben be­gon­nen. Krib­belt es bei Ih­nen? Warnecke: „Ab­so­lut. Ich fie­be­re den Schwimm­wett­kämp­fen re­gel­recht ent­ge­gen. Meh­re­re Sport­ler sind in Rio vor Ort, die ich un­mit­tel­bar be­treue - bzw. im Fall von Do­ro­thea Brandt bin ich ja auch der di­rek­te Trai­ner im Kraft­be­reich. An­de­re Ath­le­ten be­ra­te ich be­züg­lich Er­näh­rung und or­tho­pä­disch. Das ist ei­ne ganz neue Si­tua­ti­on für mich. Als Sport­ler war ich ein ab­so­lu­ter Wett­kampf­typ. Jetzt sit­ze ich zu­hau­se vor dem Fern­se­her und kann nichts tun.“Was er­war­ten Sie von un­se­ren Schwim­mern in Rio?

Warnecke: „Der her­aus­ra­gen­de Ath­let ist si­cher­lich Mar­co Koch. Er ist ak­tu­ell welt­weit der kom­plet­tes­te und bes­te Brust­schwim­mer. Aber auch für ihn wird es nicht leicht, ei­ne Me­dail­le zu ge­win­nen. Er hat selbst gesagt, für Gold muss er wahr­schein­lich Welt­re­kord schwim­men. Da­für braucht es ei­nen per­fek­ten Tag.“Gibt es wei­te­re deut­sche Me­dail­len­kan­di­da­ten? Warnecke: „Die Ent­wick­lung im deut­schen Schwimm­sport ist da, je­doch sind wir in­ter­na­tio­nal noch nicht ganz top ver­tre­ten. Aber mit vier­ten, fünf­ten, sechs­ten Plät­zen kön­nen wir sehr zu­frie­den sein. Es wird oft ver­kannt, was für sehr har­te Ar­beit da­hin­ter steckt. Ich wer­te ei­ne End­lauf­teil­nah­me auch als ei­nen Sieg.“

Wie emp­fin­den Sie die Ent­schei­dung des

Schwim­men

IOC, Russ­land nicht kom­plett von den Spie­len aus­zu­schlie­ßen?

Warnecke: „Ich tue mich ex­trem schwer mit ei­ner Ant­wort, kann die­se Fra­ge nicht auf den Sport re­du­zie­ren. Für mich spielt hier auch die welt­po­li­ti­sche Si­tua­ti­on ei­ne Rol­le. Die Ge­samt­la­ge be­drückt mich sehr und das sport­li­che Pro­blem rückt für mich des­halb in den Hintergrund.“

Ei­ne Fra­ge, die rund um Olym­pi­sche Spie­le im­mer wie­der auf­kommt, ist, wie Me­dail­len prä­miert wer­den soll­ten. Schwimm-Bun­des­trai­ner Hen­ning Lam­bertz hat sei­ne Vor­stel­lung wie­der­holt, ei­nen Olym­pia­sieg mit ei­ner Mil­li­on Eu­ro zu ho­no­rie­ren.

Warnecke: „Der Grund­ge­dan­ke, den ich hier se­he, ist, für jun­ge Men­schen An­rei­ze zu schaf­fen, um sich auch in Zu­kunft über­haupt auf das Aben­teu­er Leis­tungs­sport ein­zu­las­sen. Das Schlech­tes­te, was uns pas­sie­ren könn­te, ist, wenn un­se­re Olym­pia­sie­ger spä­ter Hartz-IV-Emp­fän­ger wer­den. Denn der Sport, und der Leis­tungs­sport da­bei als Zug­pferd, ist mit das bes­te so­zia­le Auf­fang­be­cken, das wir ha­ben.“

Mark Warnecke war mehr­fa­cher Welt­und Eu­ro­pa­meis­ter. Jetzt ist der 46-Jäh­ri­ge Un­ter­neh­mer, Arzt, Trai­ner und Er­näh­rungs­be­ra­ter.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.