Plei­ten, Pech und Pan­nen! Auf­takt in Rio nichts für schwa­che Ner­ven

Dresdner Morgenpost - - OLYMPIA -

RIO - Sturz­fes­ti­val im Ur­wald, U-Boo­te in der La­gu­ne, ein Qu­er­schlä­ger und der gro­ße Sturm: Der Auf­takt der Spie­le in Rio war nichts für schwa­che Ner­ven.

Wer nach ei­nem tur­bu­len­ten Sonn­abend an Durch­at­men dach­te, sah sich am frü­hen Sonn­tag­mor­gen ge­täuscht. Der Sturm, ent­fes­selt von ei­ner Kalt­front, wir­bel­te Olym­pia durch­ein­an­der. Die Ru­de­rer ih­re Boo­te vom wel­li­gen Was­ser, der kom­plet­te Wett­kampf­tag wur­de ab­ge­sagt. Viel­sei­tig­keits­rei­tern und de­ren Pfer­den flog der Sand in die Au­gen. Ten­ni­spie­le wur­den aus­ge­setzt, Ab­sper­run­gen des Stra­ßen­r­ad­ren­nens der Frau­en auf die Fahr­bahn ge­weht. An ei­ni­gen Wett­kampf­stät­ten ris­sen Fas­sa­den­tei­le ab, im Olym­pi­schen Dorf fiel der Strom aus. RIO - Die Nie­der­län­de­rin An­na van der Breg­gen hat das von ei­nem schwe­ren Sturz ih­rer Team­kol­le­gin An­n­emiek van Vleu­ten über­schat­te­te olym­pi­sche Stra­ßen­ren­nen in Rio de Janeiro ge­won­nen.

Die 26-Jäh­ri­ge setz­te sich nach 136,9 km mit Start und Ziel an der Co­paca­ba­na im Sprint ge­gen Em­ma Jo­hans­son aus Schwe­den durch. Bron­ze ging an Eli­sa Lon­go Bor­ghi­ni (Ita­li­en). Das deut­sche Quar­tett spiel­te bei der Ent­schei­dung kei­ne Rol­le.

Bei al­lem Ju­bel um van der Breg­gen: Die Sor­gen nicht nur der Nie­der­län­de­rin­nen ge­hör­ten im Ziel van Vleu­ten. Die 33-Jäh­ri­ge lag zehn km vor dem Ziel auf Gold­kurs, als sie sich in ei­ner Rechts­kur­ve auf der Ab­fahrt von der Vis­ta Chi­ne­sa ver­brems­te. Zu­nächst rutsch­te ihr das Hin­ter­rad weg, dann prall­te sie mit dem Vor­der­rad auf die Bord­stein­kan­te, stürz­te über den Len­ker und blieb mit dem Rü­cken auf der Bord­stein­kan­te re­gungs­los lie­gen, ers­ten In­for­ma­tio­nen zu­fol­ge be­wusst­los. Nach An­ga­ben des nie­der­län­di­schen Ver­ban­des kam van Vleu­ten ins Kran­ken­haus, ins­ge­samt aber glimpf­lich da­von. „Sie scheint okay zu sein“, hieß es in ei­ner Mit­tei­lung.

Tri­xi Wor­rack (Cott­bus) fuhr zwar beim ent­schei­den­den Flucht­ver­such ei­ner Grup­pe um van Vleu­ten mit, muss­te ih­ren Traum von Edel­me­tall aber beim bru­ta­len Schluss­an­stieg zur Vis­ta Chi­ne­sa be­gra­ben. Bes­te Deut­sche im Ziel war Li­sa Brennau­er (Kempten) auf Rang 19.

Ei­ne gro­ße Schreck­se­kun­de muss­ten die Jour­na­lis­ten über­ste­hen, die am Reit­sport­zen­trum knapp ei­ner Tra­gö­die ent­gin­gen. Ei­ne Ma­schi­nen­ge­wehr­ku­gel vom Ka­li­ber 5,56 mm, laut Bra­si­li­ens Ver­tei­di­gungs­mi­nis­ter Raul Jung­mann ab­ge­feu­ert aus ei­ner der um­lie­gen­den Fa­ve­las auf ei­ne Droh­ne, durch­schlug ei­ne Wand des Pres­se­zelts und ver­fehl­te zwei Per­so­nen knapp. „Ein Irr­läu­fer“, sag­te Kom­mu­ni­ka­ti­ons­di­rek­tor Ma­rio And­ra­da: „Die Si­cher­heits­ab­tei­lung ist über­zeugt, dass es nichts mit ei­nem An­griff auf Olym­pia zu tun hat­te, die Si­cher­heit al­ler ge­währ­leis­tet ist.“

Bei vie­len Fans war die Par­ty­stim­mung schnell ver­fol­gen. In lan­gen War­te­schlan­gen stan­den sie sich bei 33 Grad die Bei­ne in den Bauch, vie­le muss­ten ärzt­lich be­han­delt wer­den. In der Are­na do Fu­turo wa­ren vor den Hand­ball-Spie­len am Sams­tag­abend die Im­biss­bu­den ge­schlos­sen. Nach­schub­pro­ble­me. Beim Spiel der US-Bas­ket­bal­ler ge­gen Chi­na in der Ca­rio­ca Are­na 1 hat­ten meh­re­re Leu­te Kar­ten für die Rei­he Q die gibt es aber nicht. Wer Bra­si­li­ens Hand­bal­le­rin­nen ge­gen Nor­we­gen un­ter­stüt­zen woll­te, fand teils erst zur zwei­ten Halb­zeit Ein­lass. „Pro­ble­me mit den Scan­ner­ge­rä­ten am Se­cu­ri­ty Check“, sag­te And­ra­da. Des­halb öff­ne­ten die Or­ga­ni­sa­to­ren die Si­cher­heits­schleu­sen oh­ne jed­we­de Kon­trol­le. „Das Le­ben ist ein Ri­si­ko“, mein­te And­ra­da la­pi­dar.

Ins Schwit­zen ka­men auch die olym­pi­schen Haupt­dar­stel­ler. Beim Rad­ren­nen ver­lang­te die bru­ta­le Stre­cken­füh­rung den Ath­le­ten al­les ab, vor al­lem auf der kur­ven­rei­chen Ab­fahrt en­de­te der Olym­pia­t­raum vie­ler mit schmerz­vol­len Stür­zen. „Ein bru­ta­ler, bru­ta­ler Tag“, sag­te der Ire Dan Mar­tin, Brent Book­wal­ter (USA) mein­te: „Es war An­ar­chie.“

Im Skur­ri­li­tä­ten-Ka­bi­nett fan­den sich schon zum Auf­takt die Ru­de­rer wie­der, die we­gen des Win­des SOS funk­ten. Der ser­bi­sche Zwei­er ken­ter­te, an­de­re Boo­te fuh­ren Zick­zack - die Stand­ort­wahl an der La­goa Ro­d­ri­go de Frei­tas er­wies sich spä­tes­tens ges­tern mit der Ab­sa­ge al­ler Re­gat­ten als grenz­wer­tig.

Olym­pia-Gold! Ju­belnd reißt die Nie­der­län­de­rin An­na van der Breg­gen die Ar­me hoch.

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