An­geb­li­ches Sta­si-Op­fer woll­te Ent­schä­di­gung, jetzt muss er zah­len

Dresdner Morgenpost - - DRESDEN & UMGEBUNG - Von Eric Hof­mann

Ein hal­bes Le­ben vor dem Ka­di: In der DDR saß Diet­mar W. (70) im Knast, woll­te sich mit Be­ginn der Ren­te re­ha­bi­li­tie­ren las­sen, un­ter­schrieb des­halb, nie für die Sta­si ge­ar­bei­tet zu ha­ben. Doch dann tauch­ten Do­ku­men­te aus dem Jahr 1968 auf ges­tern stand der Rent­ner nun we­gen Be­trugs vor Ge­richt.

„Ich ha­be als Schü­ler nur West­mu­sik ge­hört, mich dann bei der Ma­ri­ne be­wor­ben, nur da­mit ich ab­hau­en kann“, sag­te der Rent­ner. „1965 wur­de ich ge­schnappt und kam ins Ge­fäng­nis.“Seit­dem ha­be er end­gül­tig mit der DDR ab­ge­schlos­sen, nur noch spo­ra­disch ge­ar­bei­tet und kam schließ­lich 1970 noch ein­mal we­gen „aso­zia­len Ver­hal­tens“nach Baut­zen. Die Bun­des­re­pu­blik hat­te ihn dann frei­ge­kauft.

Doch nach der Wen­de tauch­ten Do­ku­men­te auf: Zwei Ver­pflich­tun­gen als in­of­fi­zi­el­ler Mit­ar­bei­ter, Deck­na­me „Die­ter“, un­ter­schrie­ben mit sei­nem Na­men im Jahr 1968 in Rie­sa. „Ich ha­be nichts un­ter­schrie­ben!“, wehrt sich Diet­mar W. noch heu­te. „Ich bin noch nicht mal wäh­len ge­gan­gen!“

Doch die Un­ter­schrif­ten se­hen sei­ner täu­schend ähn­lich. Weil die Sta­si-Un­ter­la­gen­be­hör­de die Ori­gi­nal-Pa­pie­re nicht her­aus­gibt, konn­te das Lan­des­kri­mi­nal­amt aber kein Schrift­gut­ach­ten an­fer­ti­gen. Auch die al­ten Sta­si-Of­fi­zie­re, die da­bei wa­ren, sind schon tot. Da der Rent­ner die Ent­schä­di­gung von 3681,39 Eu­ro nicht be­kom­men hat, ging es in Dres­den le­dig­lich um ver­such­ten Be­trug. Letzt­lich konn­te sein An­walt ihn über­zeu­gen, ei­ner Er­klä­rung zu­zu­stim­men wo­nach er beim An­trag bei der Fra­ge, ob er je­mals mit dem Mi­nis­te­ri­um für Staats­si­cher­heit ko­ope­riert hat­te, die Ver­gan­gen­heit „aus­ge­blen­det“ha­be. Ver­fah­ren ge­gen 800 Eu­ro Auf­la­ge ein­ge­stellt.

Sei­ne DDR-Ver­gan­gen­heit brach­te Rent­ner Diet­mar W. (70) ges­tern vor Ge­richt.

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