Neu­haus-Come­back nach sie­ben Jah­ren

DRES­DEN/BER­LIN - Uwe Neu­haus weiß nicht, was ihn er­war­tet. Die Gäs­te­ka­bi­ne ha­be er noch nie von in­nen ge­se­hen, so der Coach von Dy­na­mo Dres­den vor sei­ner emo­tio­na­len Rück­kehr an die Al­te Förs­te­rei.

Dresdner Morgenpost - - FRONT PAGE -

Sie­ben Jah­re saß der 56-Jäh­ri­ge bei Uni­on Ber­lin auf der Trai­ner­bank, ehe sein Ver­trag vor zwei Jah­ren aus­lief. Heu­te kehrt Neu­haus erst­mals im neu­en Job zu den Kö­pe­ni­ckern zu­rück. „Da ist ein­fach nur Freu­de auf al­les das, was da pas­siert. Ich war seit­dem nicht mehr da - we­der Spie­le be­ob­ach­ten noch sonst bei an­de­ren Ge­le­gen­hei­ten“, sag­te Neu­haus vorm Ost­der­by (20.15 Uhr/Sport1 und Sky). „Es freut mich, das al­les zu se­hen, was wir da in meh­re­ren Jah­ren ent­wi­ckelt und auf­ge­baut ha­ben.“

Neu­haus hat­te bei Uni­on im Ju­li 2007 sei­ne Ar­beit auf­ge­nom­men und ist der am längs­ten am­tie­ren­de Trai­ner seit der Klub-Grün­dung im Ja­nu­ar 1966. In der Sai­son 2007/2008 hat­te Neu­haus die „Ei­ser­nen“zu­nächst in die neu ge­schaf­fe­ne

3. Li­ga ge­führt, ein Jahr spä­ter ge­lang Uni­on als ers­tem Dritt­li­ga-Meis­ter der sou­ve­rä­ne Auf­stieg in die 2. Bun­des­li­ga. Das Aus im Som­mer 2014 kam, weil sich der Ver­ein ei­ne Ve­rän­de­rung wünsch­te. Neu­haus selbst äu­ßert sich bis heu­te nicht zu den De­tails der Tren­nung. „Wenn man die ge­sam­ten sie­ben Jah­re nimmt, ist schon ei­ni­ges auf den Weg ge­bracht wor­den. Ich den­ke schon, dass ich ei­nen An­teil dar­an ha­be“, er­klär­te Neu­haus wei­ter. „Wir konn­ten im sport­li­chen Be­reich ei­nen Weg ein­schla­gen, der das dem Ver­ein er­mög­licht hat.“

Des­halb gibt der Dresd­ner Trai­ner zu: „Das wird si- cher kein nor­ma­les Spiel.“Doch das wol­le er von sei­ner Mann­schaft fern hal­ten. „Hier geht es nicht um mich, son­dern um ein Spiel, in dem es drei Punk­te zu ho­len gibt. Wir wer­den uns ge­wis­sen­haft dar­auf vor­be­rei­ten und ich wer­de auch nichts Be­son­de­res ver­an­stal­ten“, sag­te Neu­haus. Nach dem 1:1 zum Auf­takt ge­gen den 1. FC Nürn­berg wol­len die Schwarz-Gel­ben den ers­ten Sai­son­sieg ein­fah­ren.

Wie schwer das wird, ist Neu­haus be­wusst. Uni­on hat in der ver­gan­ge­nen Sai­son die letz­ten acht Heim­spie­le al­le­samt ge­won­nen. „Das hat schon ei­ne Aus­sa­ge­kraft, auch wenn mit Jens Kel­ler jetzt ein neu­er Trai­ner da ist“, sag­te Neu­haus. „Uns er­war­tet ein stür­mi­scher Geg­ner, der vi­el­leicht ein biss­chen mehr un­ter Druck steht als wir.“

Neun Uni­on-Pro­fis stan­den in der Sai­son 2013/2014 schon un­ter Neu­haus im Ka­der - und die Freu­de auf das Wie­der­se­hen ist groß. „Uwe Neu­haus hat Uni­on sport­lich nach­hal­tig auf ein hö­he­res Ni­veau ge­bracht“, sag­te Ver­tei­di­ger Micha­el Pa­r­ensen. An­grei­fer Ste­ven Skrzyb­ski mein­te: „Aber die Freund­schaft muss am Spiel­tag erst­mal für 90 Mi­nu­ten ru­hen. Da­nach wer­den wir si­cher kurz quat­schen.“

Die Ber­li­ner ge­hen je­doch mit Be­set­zungs­sor­gen ins Spiel. Der Ein­satz der In­nen­ver­tei­di­ger To­ni Leist­ner und Fa­bi­an Schön­heim so­wie der Of­fen­siv­kräf­te Phil­ipp Ho­si­ner (al­le mus­ku­lä­re Pro­ble­me) und Sö­ren Bran­dy (Knie­ver­let­zung) steht auf der Kip­pe. Vor al­lem bei Stür­mer Ho­si­ner be­steht Hoff­nung, die Ver­let­zung des Ös­ter­rei­chers „sei nicht so schlimm“, hieß es von Ver­eins-Sei­te. „Er ist an­ge­schla­gen. Es heißt aber nicht, dass er aus­fällt“, so Kel­ler, füg­te aber hin­zu: „Es heißt aber auch nicht, dass er spielt.“Man wer­de al­les da­für tun, dass der Neu­zu­gang auf­lau­fen kann. Nach dem 1:2 am ers­ten Spiel­tag beim VfL Bochum will Uni­on bei der Neu­haus-Rück­kehr den ers­ten Sieg ein­fah­ren. „Ich freue mich to­tal auf sol­che Spie­le. Das sind die Par­ti­en, war­um man Trai­ner und Spie­ler wird. Wir wol­len uns su­per prä­sen­tie­ren und die Punk­te hier be­hal­ten“, er­klär­te Kel­ler. „Dres­den ist ei­ne gu­te Mann­schaft, sie ha­ben sehr sou­ve­rän den Auf­stieg ge­schafft. Sie ha­ben den ei­nen oder an­de­ren Spie­ler ver­lo­ren, aber sich auch sehr gut ver­stärkt. Des­halb wird es ei­ne in­ter­es­san­te Par­tie.“

In der Bi­lanz der bei­den Kon­tra­hen­ten liegt Dy­na­mo mit 27 zu 14 Sie­gen deut­lich in Front, was aber vor al­lem auf die Du­el­le in der DDR-Ober­li­ga zu­rück­zu­füh­ren ist. In der 2. Bun­des­li­ga konn­ten die Sach­sen nur ei­nes der sechs Auf­ein­an­der­tref­fen für sich ent­schei­den. Gan­ze vier Sie­ge gab‘s in der Re­gio­nal­li­ga.

Sie­ben Jah­re lang war Uwe Neu­haus Trai­ner bei Uni­on Ber­lin.

Nur die Far­be der Trai­nings-Kla­mot­ten ist ge­blie­ben, aber heu­te sitzt Neu­haus auf der an­de­ren Sei­te.

Im Ok­to­ber 2007 gab‘s die­ses Du­ell: Dy­na­mos Ma­ik Wa­ge­feld (l.) köpft vor Tors­ten Mat­tusch­ka. Uni­on ge­wann mit Trai­ner Uwe Neu­haus 1:0 in Dres­den.

Jens Kel­ler

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