Si­cher­heits Ein­bre­cher

Dresdner Morgenpost - - DRESDEN -

Der Mord­fall An­ne­li R. (17, kl.F.). Im Pro­zess am Land­ge­richt Dres­den kam jetzt her­aus: Mar­kus B. (40) er­press­te kurz vor der Tat die Su­per­markt-Ket­te Lidl.

„Der An­ruf kam von ei­ner Te­le­fon­zel­le an der Au­to­bahn­rast­stät­te Plauen-Nord“, so Ober­kom­mis­sar Kurt H. (53) aus Heil­bronn. „Der Er­pres­ser for­der­te 1,2 Mil­lio­nen Eu­ro auf ein Off­s­hore-Kon­to auf Mal­ta.“

Und er for­der­te: „Über­wei­sen Sie das Geld. Dann schal­ten Sie ei­ne An­zei­ge in der Stutt­gar­ter Zei­tung mit dem Text: ,Für On­kel Mei­er. Al­les Gu­te. Und dann Kon­to­num­mer.‘ “

Die Er­mitt­lun­gen lie­fen noch, da ent­führ­ten laut An­kla­ge Mar­kus B. und Nor­bert K. (62)

die in Sach­sen An­ne­li, er­press­ten ih­re El­tern, er­mor­de­ten die Schü­le­rin.

Kurt H. ent­deck­te so­fort Par­al­le­len zur Lidl-Er­pres­sung. Und: „Ein Gut­ach­ter vom BKA, der den auf­ge­zeich­ne­ten Lidl-An­ruf und den bei der Fa­mi­lie aus­wer­te­te, sag­te: Das ist der­sel­be Mann.“

Un­ter­des­sen will die Ver­tei­di­gung von Mar­kus B. den be­kann­ten Fo­ren­si­ker Mark Ben­ecke (45) hö­ren. Auf dem Spann­gurt, mit dem An­ne­li er­würgt wur­de, fand sich kein Fin­ger­ab­druck von Mar­kus B. Laut An­kla­ge trug der Tä­ter aber beim Mord kei­ne Hand­schu­he. „Der Gut­ach­ter soll klä­ren, ob es da­für ei­ne wis­sen­schaft­li­che Be­grün­dung gibt“, so An­walt Rolf Fra­n­ek. Will hei­ßen: Feh­len die Fin­ger­ab­drü­cke, kön­ne die Tat nicht nach­ge­wie­sen wer­den. sts Da hat wohl ei­ner sei­nen Job falsch ver­stan­den: Statt Die­be fern­zu­hal­ten, schloss Sicherheitsmann Jo­han­nes G. (25) ih­nen be­reit­wil­lig das Au­to­haus in Ka­ditz auf, auf das er ei­gent­lich auf­pas­sen soll­te. Sein Pech: Das Gan­ze wur­de von der Über­wa­chungs­ka­me­ra ge­filmt. Ges­tern sa­ßen der un­treue Wach­mann und zwei Ein­bre­cher in Dres­den vor dem Ka­di. Nicht zum ers­ten Mal - al­le drei sind vor­be­straft.

An ei­nem Abend tra­fen sich Chris­toph P. (26), Patrick B. (24) mit dem Sicherheitsmann, zo­gen sich Dro­gen rein und ka­men auf ei­ne Schnaps­idee: „Der Jo­han­nes hat schon frü­her aus dem Trink­geld­spar­schwein in dem Au­to­haus ge­klaut“, so Chris­toph. „Das soll­te dann ge­holt wer­den.“

„Lei­der ha­be ich mich da­zu breit­quat­schen las­sen“, ge­stand Jo­han­nes G. Al­ler­dings war in der Nacht des Coups das Spar­schwein leer. So nahm Kum­pel Patrick zwei Ta­blets mit - oh­ne da­bei zu wis­sen, dass ei­nes da­von ein 3 200 Eu­ro teu­res Dia­gno­se-

Kri­mi­nal­ober­kom­mis­sar Kurt H. (53) aus Heil­bronn er­mit­tel­te ge­gen den Er­pres­ser, der jetzt we­gen Mor­des

auf der An­kla­ge­bank sitzt.

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