Strom mit Fra­gen

Dresdner Morgenpost - - DRESDEN - Von Mar­tin Frie­de­mann

D ie Post treibt die Ent­wick­lung von um­welt­scho­nen­den, strom­ge­trie­be­nen Trans­por­tern vor­an. Das ist ei­ner­seits vor­bild­lich, wirft aber Fra­gen auf. Zum Bei­spiel: War­um erst jetzt?

A nfang des 20. Jahr­hun­derts boom­te in Deutsch­land die E-Mo­bi­li­täts-Sze­ne. Elek­tro­fir­men, die et­was auf sich hiel­ten, war­fen ei­nen E-Wa­gen nach dem an­de­ren auf den Markt.

S o fer­tig­te die Ber­li­ner Elek­tro-Fir­ma Berg­mann be­reits in den 1920ern E-Trans­por­ter - auch für den Post­be­trieb. 1938 hat­te al­lein die Reichs­post 2 500 E-Wa­gen im Ein­satz. Nichts Neu­es al­so, wenn­gleich Ben­zin und Die­sel da­mals nicht so ein­fach wie heu­te ver­füg­bar wa­ren.

D ass die Be­quem­lich­keit des schnell ab­zapf­fä­hi­gen Sprits In­no­va­ti­on ver­hin­dern könn­te, führt zu Fra­ge 2: War­um muss das Um­welt­mi­nis­te­ri­um die Stree­tS­coo­ter-Pro­duk­ti­on un­be­dingt för­dern? Die Post/DHL-Grup­pe hat welt­weit 34 Pro­zent Markt­an­teil im Lo­gis­tik­ge­schäft.

A nge­sichts die­ser Do­mi­nanz soll­te sie zu­kunfts­wei­sen­de Ent­wick­lun­gen doch selbst ent­wi­ckeln kön­nen - oh­ne Steu­er­gel­der. „Vor­an stromern“geht an­ders.

GLAUCHAU/DRES­DEN - Gelb wie die Bie­nen - und jetzt sum­men sie auch noch so: Die Post stromert neu­er­dings mit 17 Elek­tro-Trans­por­tern des Typs „Stree­tS­coo­ter“durch Glauchau, Crim­mit­schau und Um­ge­bung. In ganz Sach­sen sol­len bis En­de 2016 knapp 100 E-Post­wa­gen rol­len.

„Heu­te fah­ren be­reits 1000 Stree­tS­coo­ter für die Deut­sche Post DHL Group in Deutsch­land. Wir fer­ti­gen der­zeit sechs Stück am Tag“, so Fir­men­spre­che­rin Ti­na Bir­ke (37). Ent­wi­ckelt wur­de der E-Trans­por­ter an der Rhei­nisch-West­fä­li­schen Tech­ni­schen Hoch­schu­le (RWTH) Aa­chen.

Der 4,6 Me­ter lan­ge und 33 kW (knapp 45 PS) star­ke Stro­mer mit Post­horn-Lo­go kommt auf 120 Ki­lo­me­ter Reich­wei­te. Ra­sen­de Post­bo­ten wer­den ge­dros­selt, die Höchst­ge­schwin­dig­keit be­trägt 80 Ki­lo­me­ter pro St­un­de. Bis zu 650 Ki­lo kann der Stree­tS­coo­ter la­den.

Über den Stück­preis schweigt sich die Post aus. Spre­che­rin Bir­ke: „1 000 Stree­tS­coo­ter wer­den vom Bun­des­um­welt­mi­nis­te­ri­um im Zei­t­raum von 2016 bis 2018 mit 9,5 Mil­lio­nen Eu­ro (9 500 Eu­ro pro Wa­gen, d. Red.) ge­för­dert. Au­ßer­dem macht die Un­ab­hän­gig­keit von fos­si­len Brenn­stof­fen Fahr­zeu­ge mit E-An­trieb zu ei­ner zu­kunfts­wei­sen­den In­ves­ti­ti­on.“So spart ein Stree­tS­coo­ter - im Ver­gleich zum Sprit-Post­wa­gen - jähr­lich drei Ton­nen des Treib­haus­ga­ses Koh­len­di­oxid (CO2).

Nach der Ar­beit an die Do­se: Post­frau Hei­ke Hübsch (50) zeigt das La­de­ka­bel des E-Trans­por­ters. Voll­ge­la­den kommt er auf 120 Ki­lo­me­ter Reich­wei­te. 1 000 „Stree­tS­coo­ter“fah­ren be­reits in Deutsch­land. Pro Jahr will die Post 10 000 Stück pro­du­zie­ren, viel­leicht auch für an­de­re

Fir­men.

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