Pe­ter Rich­ters Er­folgs­ro­man jetzt auf der Thea­ter­büh­ne

Dresdner Morgenpost - - KULTUR - gg

Nur zwei Zah­len und doch so aus­sa­ge­kräf­tig: „89/90“heißt der au­to­bio­gra­fi­sche Ro­man des Dresd­ner Jour­na­lis­ten und Schrift­stel­lers Pe­ter Rich­ter (43), der ein treff­li­ches Por­trät der Wen­de­zeit aus den Au­gen des da­mals Halb­wüch­si­gen ab­gibt. Ein Jahr nach Er­schei­nen kommt der Ro­man jetzt in ei­ner Büh­nen­fas­sung ins Thea­ter. Urauf­füh­rung ist mor­gen im Klei­nen Haus.

16 Jah­re alt war Rich­ter, der heu­te als Kul­tur­kor­re­spon­dent für die Süd­deut­sche Zei­tung in New York ar­bei­tet, in der be­schrie­be­nen Zeit. In ver­schie­de­nen Epi­so­den ent­wirft er ein Pan­ora­ma ju­gend­li­chen Le­bens, wie es in den Um­bruch­zei­ten um Ori­en­tie­rung ringt, wie es liebt, wie es lacht, wie es in Freund-und-Fein­dC­li­quen ham­mer­hart auf­ein­an­der los­geht. Im­mer wie­der war Rich­ter, der Lin­ke, in - auch hand­greif­li­che - Kon­flik­te mit Neo­na­zis ver­strickt. Punk­mu­sik gibt da­zu den Sound­track ab.

Ein Buch, das den All­tag zeigt in ei­ner Zeit, der öf­fent­lich meis­tens bloß noch in ein­schlä­gi­gen Ge­schichts­da­ten (40. DDR-Ge­burts­tag, Tag der Ein­heit usw.) ge­dacht wird. Gut 400 Sei­ten, zum Ver­schlin­gen gut ge­schrie­ben.

Ab­sichts­los, weil nicht da­für ent­wor­fen, ge­riet „89/90“vor ei­nem Jahr in die hef­ti­gen Aus­ein­an­der­set­zun­gen um PE­GI­DA, ge­ra­de als die Be­we­gung auf ih­rem Hö­he­punkt war. Kri­ti­ker der Be­we­gung la­sen Rich­ters Buch, be­son­ders in den Pas­sa­gen, die von Aus­län­der­feind­lich­keit er­zäh­len, als wä­re es die Vor­ge­schich­te zu PE­GI­DA. Auch Rich­ter selbst sah es so. „Als Au­tor füh­le ich mich da lei­der auf eher tragische Wei­se be­stä­tigt“, sag­te er der MOPO.

Im Früh­jahr hielt Rich­ter bei den Dresd­ner Re­den ei­nen viel be­ach­te­ten Vor­trag über sei­ne nun­mehr von PE­GI­DA do­mi­nier­te Hei­mat­stadt. Aus der Be­schäf­ti­gung mit dem The­ma ist auch ein neu­es Buch ent­stan­den: „Dres­den Re­vi­si­ted. Von ei­ner Hei­mat, die ei­nen nicht fort­lässt“, er­schie­nen bei Lucht­er­hand und ge­ra­de in den Han­del ge­kom­men. Der lan­ge, et­wa 150-sei­ti­ge Es­say ei­nes Dresd­ners, der mit sei­ner Stadt ha­dert.

„89/90“ha­dert nicht, son­dern er­in­nert sich. Wie es da­mals ge­we­sen ist. Buch le­sen, Stück gu­cken - am bes­ten in die­ser Rei­hen­fol­ge -, das ist un­se­re Emp­feh­lung. Die Ins­ze­nie­rung stammt von Chris­ti­na Rast. Die Dresd­ner Band DYSE bringt den Punk auf die Büh­ne.

Schrift­stel­ler Pe­ter Rich­ter (43) mit sei­nem Ro­man 2015 bei der Leip­zi­ger Buch­mes­se. Drei Jun­gen auf ei­nem Prell­bock sym­bo­li­sie­ren das Thea­ter­stück. Die Auf­schrifft auf ih­ren Ja­cken nennt den Ti­tel von Stück und Buch.

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