Dres­den, Punk und Olaf Ber­ger

Dresdner Morgenpost - - KULTUR - Von Tors­ten Hil­scher

Es ist die zwei­te gro­ße Wen­de-Ge­schich­te nach Uwe Tell­kamps „Turm“, die aus Dres­den kommt: „89/90“von Pe­ter Rich­ter (43). Jetzt hat das Staats­schau­spiel den Ro­man­stoff auf die Büh­ne ge­bracht.

Vol­le Dröh­nung im Klei­nen Haus: Punk­mu­sik drischt durch die Rei­hen und er­zählt uns ein Stück Dres­den der Um­bruchs­jah­re 1989/90, so wie Pe­ter Rich­ter sie selbst er­lebt hat. Zur Pre­mie­re war der Au­tor an­we­send.

Punk­mu­sik, akus­ti­sche Ver­stö­rung im Dresd­ner Thea­ter ist nichts Neu­es. Wolf­gang En­gel ließ in sei­nem 1989er-„Faust“die „Freun­de der ita­lie­ni­schen Oper“den Zu­schau­ern das Trom­mel­fell weg­pus­ten. Insze­na­to­ri­sche An­sät­ze, wie En­gel sie bringt, sind es, die die­sem - an­sons­ten ge­lun­ge­nen - Thea­ter­abend feh­len.

Re­gis­seu­rin Chris­ti­na Rast hat sich fürs Er­zäh­len im Wort­sinn ent­schie­den. Ih­re Män­ner­trup­pe schil­dert eher, als dass sie spielt. Ur­ty­pen wie Leh­rer und Sol­da­ten wer­den kli­schee­haft vor­ge­stellt. Das geht gut, so weit es in we­ni­gen Stri­chen ge­schieht. Es ar­tet aus zum Ku­rio­si­tä­ten­ka­bi­nett, wenn all­zu be­kann­te DDR-Ge­sell­schafts­ku­rio­sa mit iko­no­gra­fi­schen Ele­men­ten (Fah­nen, Hone­cker-Bild) ver­mischt wer­den und die Er­zäh­lung al­lein be­bil­dern.

Das ist der Un­ter­schied zu En­gel: Die Re­gie schafft (zu) we­nig at­mo­sphä­ri­sche Mo­men­te. Doch tut sie es, dann gran­di­os: wenn die Jungs „auf Ar­beit“Olaf Ber­ger aus dem Spind jau­len las­sen; wenn Lin­ke und Rech­te ih­re Kämp­fe aus­fech­ten. Auch der all­ge­gen­wär­ti­ge Spie­ßer im Hin­ter­grund der Sze­ne­rie funk­tio­niert.

Fa­zit: Zu viel Po­li­t­re­vue im ers­ten Teil, Zei­ge­fin­ger-Ka­ba­rett in Teil zwei. Da­für aber gro­ßes En­sem­ble­thea­ter mit her­aus­ra­gen­den Ein­zel­leis­tun­gen.

Hel­den wie wir - Mat­thi­as Lu­ckey (vorn) und Ben Da­ni­el Jöhnk im Spiel um die pun­ki­ge DDR-Ju­gend in Dres­den. Erich Hone­cker schaut über die Mau­er und ih­nen über die Schul­ter.

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