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Dresdner Morgenpost - - DRESDEN - Von Her­mann Ty­decks

Ver­ein­bar­keit von Fa­mi­lie und Be­ruf“heißt das zen­tra­le The­ma der zwei­ten Mes­se für Al­lein­er­zie­hen­de. So­zi­al­bür­ger­meis­te­rin Kris­tin Kauf­mann (40, Lin­ke) äu­ßer­te die Hoff­nung, dass die von der Stadt und dem Frei­staat ge­för­der­te Mes­se auch da­zu füh­re, Ar­beit­ge­ber wei­ter für die Be­lan­ge der Al­lein­er­zie­hen­den zu sen­si­bi­li­sie­ren.

Heißt im Kl­ar­text vor al­lem: Ar­beit­ge­ber soll­ten fle­xi­ble oder ver­kürz­te Ar­beits­zei­ten er­mög­li­chen. Und ja, schön wä­re das. Nur die Wirk­lich­keit sieht an­ders aus. Da win­ken die meis­ten Ar­beit­ge­ber näm­lich ab, neh­men ein­fach den nächs­ten Be­wer­ber, der auch nach 16 Uhr ein­setz­bar ist. Man­che Un­ter­neh­men kön­nen sich auf dem hart um­kämpf­ten Markt auch nicht mehr all­zu viel Rück­sicht­nah­me leis­ten.

Um­so mehr ste­hen Po­li­tik und Ver­wal­tung in der Pflicht, über­haupt erst ein­mal die Ba­sis für Ar­beits­ein­sät­ze von Al­lein­ste­hen­den zu schaf­fen: ver­nünf­ti­ge Öff­nungs­zei­ten der Ki­tas und Hor­te!

Heißt: Von 6 bis min­des­tens 18 Uhr, bes­ser aber 20 Uhr. Und zwar als Standard, nicht wie bis­lang vom Rat­haus prak­ti­ziert nach „Be­darf“!

Die­sen gibt es näm­lich, hört man sich un­ter Al­lein­er­zie­hen­den um. Doch vie­le ha­ben längst ih­re Mo­ti­va­ti­on ver­lo­ren, sich zu be­wer­ben, wenn ih­nen die 16-Uhr-Ab­hol­zeit wie ein Da­mokles­schwert im Na­cken hängt. Und wer hat schon noch Groß­el­tern, die stän­dig ein­sprin­gen kön­nen? Und so ge­ben vie­le lie­ber auf, ge­hen aufs Amt an­statt zum Vor­stel­lungs­ge­spräch ich ver­ste­he das.

Ob das Rat­haus an die­se Leu­te denkt, wenn es den Be­darf für län­ge­re Be­treu­ungs­zei­ten ana­ly­siert? Wer Fle­xi­bi­li­tät von an­de­ren for­dert, muss die­se auch selbst er­mög­li­chen - mit län­ge­ren Be­treu­ungs­zei­ten.

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