Sven Hel­big macht Mu­sik für Lu­ther

Dresdner Morgenpost - - KULTUR - Von ei­nem „Film­kon­zert“ist die Re­de, wenn ein Orches­ter ei­ne Film­auf­füh­rung mu­si­ka­lisch ge­stal­tet. „Lu­ther - Ein Film der deut­schen Re­for­ma­ti­on“, so heißt der Ki­no­film von Hans Ky­ser, mit Mu­sik von Wolf­gang Zel­ler, von 1927. An­läss­lich des 500-jäh­ri­gen Ju

Mar­tin Lu­ther war ein Mann des don­nern­den Wor­tes. Für ei­nen wie ihn ist der Ton­film ge­macht wor­den, den­noch war es ein Stumm­film, der ihn zum Ki­no­hel­den wer­den ließ. Die­ser Film steht am Sonn­abend im Mit­tel­punkt ei­nes Kon­zerts der Dresd­ner Mu­sik­fest­spie­le. er nun sei­ne Wie­der­auf­füh­rung - mit neu­er Mu­sik.

Ein Auf­trags­werk der Mu­sik­fest­spie­le in Ko­ope­ra­ti­on mit dem MDR. Aus­füh­ren­der Kom­po­nist ist Sven Hel­big, 1968 in Ei­sen­hüt­ten­stadt ge­bo­ren, Wahl-Dresd­ner seit vie­len Jah­ren. Fu­ro­re mach­te Hel­big zu­letzt mit sei­nem Chor­werk „I Eat The Sun And Drink The Rain“, da­vor mit sei­nen „Po­cket Sym­pho­nies“, noch da­vor als Pro­du­zent, Kom­po­nist und Ar­ran­geur für Pop­for­ma­tio­nen wie die Pet Shop Boys oder Po­lar­kreis 18 und als Mit­be­grün­der der Dresd­ner Sin­fo­ni­ker.

Ei­ne mo­der­ne Mu­sik zu his­to­ri­schem Stoff, in­di­rekt hat Hel­big Er­fah­rung mit die­ser Kon­stel­la­ti­on. Nach­dem die Pet Shop Boys 2004 ei­nen neu­en Sound­track für Ei­sen­steins Stumm­film­klas­si­ker „Pan­zer­kreu­zer Po­tem­kin“pro­du­ziert hat­ten, wa­ren es die Dresd­ner Sin­fo­ni­ker, die die­sen 2004 in Film­kon­zer­ten auf dem Tra­fal­gar Squa­re in Lon­don und an der Pra­ger Stra­ße in Dres­den (Hoch­haus­sin­fo­nie) auf­führ­ten.

Nun ist er selbst der Kom­po­nist. Wie klingt ein Film von 1927 neun­zig Jah­re spä­ter? Er blei­be mit der Mu­sik im Ab­stand zu kon­kre­ten Sze­nen, sagt Hel­big. Die Mu­sik for­mu­lie­re mehr ei­ne Hal­tung zu Lu­ther und ha­be grö­ße­res Ei­gen­ge­wicht als bei Film­mu­sik üb­lich. Es sei ei­ne Kom­po­si­ti­on für gro­ßes Orches­ter und Chor, die Gren­zen aus­tes­te. Hel­big: „Die Re­for­ma­ti­on war vor 500 Jah­ren ei­ne gro­ße Um­wäl­zung. Wir wol­len das auf un­se­re heu­ti­ge Zeit be­zie­hen. Mei­ne Par­ti­tur ent­hält Pas­sa­gen von gro­ßer Schön­heit und Mo­men­te bru­ta­ler elek­tro­ni­scher Laut­stär­ke.“Nur so las­se sich die nö­ti­ge Auf­merk­sam­keit für die Wirr­nis­se des Hier und Heu­te er­zie­len, meint der Kom­po­nist, der den Zu­hö­rern ei­ne „gro­ße Her­aus­for­de­rung“und ein „un­ver­gess­li­ches Er­leb­nis“ver­spricht. Es spie­len Sin­fo­nie­or­ches­ter und Chor des MDR un­ter Lei­tung von Kris­t­jan Jär­vi.

3.Ju­ni, 20 Uhr, Kul­tur­pa­last, Ein­tritt: 15-55 Eu­ro. gg

Kom­po­nist Sven Hel­big. Das Al­bum zur Dresd­ner Lu­ther-Pro­duk­ti­on soll im Herbst er­schei­nen.

Mar­tin Lu­ther im Film. Der Re­for­ma­tor wur­de ge­spielt von Eu­gen Klöp­fer, ge­bo­ren 1886 in

Thal­heim (Ba­den-Würt­tem­berg), ge­stor­ben 1950 in

Wies­ba­den.

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