Opa Egon hilf­los vor Ge­richt

Dresdner Morgenpost - - DRESDEN & UMGEBUNG -

In Dip­pol­dis­wal­de steht zur Zeit ein 86 Jah­re al­ter Rent­ner we­gen Fah­rer­flucht vor Ge­richt - al­ler­dings so hilf­los, dass sich Be­ob­ach­ter frag­ten: Wo ist die Fa­mi­lie?

Egon H. fuhr laut Staats­an­walt­schaft im Ja­nu­ar vom Ge­län­de ei­nes Au­to­hau­ses in Dipps auf die B 170. Dort krach­te sein Au­di Q5 mit ei­nem BMW zu­sam­men. An­schlie­ßend, so die An­kla­ge, hau­te Opa Egon ab.

Der ist an­de­rer Mei­nung. Sei­ner An­sicht nach fuhr ihm der Un­fall­geg­ner rein; auch ha­be er durch­aus an der nächst mög­li­chen Stel­le ge­hal­ten und auf den Scha­den (8797 Eu­ro) hin­ge­wie­sen.

Als rich­tig schräg er­wie­sen sich aber die Um­stän­de der Ge­richts­ver­hand­lung. Egon H. war nicht nur oh­ne An­walt er­schie­nen, er ver­stand auch kein Wort. Denn H. ist hoch­gra­dig schwer­hö­rig. Dar­über hin­aus war er sich über sei­ne Rol­le und über die Rol­le des Ge­richts un­klar, for­der­te ei­ne Ent­schei­dung über Schuld und Un­schuld von der Po­li­zei, ver­lang­te mehr­fach sei­ne Fahr­er­laub­nis zu­rück. Das al­les so lan­ge, bis Rich­ter Chris­ti­an Mansch sag­te: „Ich ha­be das Ge­fühl, Sie kön­nen der Ver­hand­lung nicht rich­tig fol­gen.“Nun wird sich ihm ein Pflicht­ver­tei­di­ger an­neh­men. Der Pro­zess star­tet am 29. Ju­ni noch­mals. Tors­ten Hil­scher

Hilf­los und al­lein auf der An­kla­ge­bank: Egon H. (86).

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