Schnell noch gu­cken! Letz­ter Blick in Dres­dens Mit­tel­al­ter

Dresdner Morgenpost - - DRESDEN - Von Dirk Hein

Zum letz­ten Mal über­haupt ha­ben Archäo­lo­gen in den ver­gan­ge­nen Wo­chen am Alt­markt ge­gra­ben. Da­mit sind jetzt al­le Flä­chen er­forscht. In zwei­ter Alt­markt-Rei­he, zwi­schen Pfarr- und Schrei­ber­gas­se, wur­de vor al­lem in der Ge­schich­te der bür­ger­li­chen Mit­tel­klas­se ge­gra­ben.

„Die rich­tig rei­chen Kauf­leu­te wa­ren di­rekt am Alt­markt. In zwei­ter Rei­he wohn­ten we­sent­lich en­ger nor­ma­le Bür­ger, es gab Ge­schäf­te und Gas­tro­no­mie“, so Tho­mas West­pha­len (59) vom Lan­des­amt für Archäo­lo­gie.

Bes­tes Bei­spiel für die schlech­te­re La­ge in zwei­ter Rei­he: „Noch im zwan­zigs­ten Jahr­hun­dert wur­den La­tri­nen sa­niert, in­dem ein Be­ton­ring in den al­ten Sand­stein ge­las­sen wur­de. Es gab noch im­mer Koh­le­öfen, es muss fürch­ter­lich ge­stun­ken ha­ben“, so West­pha­len wei­ter.

Nur ei­nes der un­ter­such­ten Ge­bäu­de war mit ei­nem Na­men ver­se­hen: Das im 16. Jahr­hun­dert un­ter Kur­fürst Au­gust (1526-1586) ge­bau­te und von ihm fi­nan­zier­te Pfarr­wit­wen­haus. Das re­la­tiv prunk­voll ge­bau­te Haus stell­te die For­scher vor al­lem im gut er­hal­te­nen Kel­ler vor Rät­sel.

Ein La­ger­raum wur­de wahr­schein­lich von den Be­hör­den un­be­merkt über das Grund­stück hin­aus in den Un­ter­grund ge­trie­ben - ein Schwarz­bau des Mit­tel­al­ters! „Wir kön­nen uns kei­ne an­de­re Be­deu­tung vor­stel­len. Ob­wohl es ein biss­chen so aus­sieht, war es kein sa­kra­ler Bau“, so West­pha­len.

Die bis ins Mit­tel­al­ter zu­rück­rei­chen­den Kel­ler des Ge­samt­are­als wa­ren nach dem Krieg be­räumt wor­den, ent­spre­chend ma­ger blie­ben die Fun­de. Ei­ne al­te Re­gis­trier­kas­se und ei­ne Wer­be­ta­fel für Edel­weiss-Kä­se wa­ren die Hö­he­punk­te. Frei­lich jün­ger.

Die meis­ten an­de­ren Alt­markt-Area­le wa­ren 1994 bis 1997 un­ter­sucht wor­den. Die For­scher konn­ten da­mals den Ur­sprung der Stadt­ge­schich­te über das be­kann­te Jahr 1206 et­wa 30 Jah­re nach vor­ne le­gen.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.