Zwin­ger-Sand greift un­se­re Kunst­schät­ze an

Dresdner Morgenpost - - ERSTE SEITE - Von Her­mann Ty­decks

Gro­ße Sor­ge im Zwin­ger: Die Mu­se­ums­di­rek­to­ren fürch­ten um ih­re Kunst­wer­ke! Denn der mar­kan­te ro­te Sand im Zwin­ger­hof greift un­se­re Schät­ze an. Er ist be­son­ders scharf­kan­tig, setzt sich als Staub über­all fest, ver­färbt so­gar Au­gusts Por­zel­lan!

Kei­ne Tür kann ihn auf­hal­ten. Über die Schuh­soh­len der Zwin­ger-Be­su­cher (über 600 000 Gäs­te in 2016) wird der zer­tre­te­ne Sand di­rekt in die Mu­se­en zu den Kunst­wer­ken ge­tra­gen. „Der ro­te Sand ge­fähr­det un­se­re Schät­ze“, är­gern sich Pe­ter Plaß­mey­er (57) und Ju­lia We­ber (38). Die Di­rek­to­ren des Ma­the­ma­tisch-Phy­si­ka­li­schen Sa­lons (MPS) und der Por­zel­lan­samm­lung kämp­fen ge­gen meh­re­re Sand-Pro­ble­me. Und die Fol­gen tref­fen auch die Be­su­cher!

So be­her­bergt der MPS ei­ni­ge der sel­tens­ten Uh­ren welt­weit. „Ich wür­de sie für un­se­re Be­su­cher ger­ne lau­fen las­sen“, sagt Plaß­mey­er. Doch das wä­re das En­de der Kunst­schät­ze! Das er­gab ein Sand-Gut­ach­ten des Mu­se­ums: „Der scharf­kan­ti­ge Staub ver­bin­det sich mit den Schmier­fet­ten der Wer­ke zu ei­ner ef­fek­ti­ven Schleif­pas­te“, er­klärt Plaß­mey­er. Setzt man die Uh­ren in Gang, wür­de der Staub die Kost­bar­kei­ten von in­nen her­aus zer­fres­sen! Noch nicht mal Vi­tri­nen hal­ten den „stil­len Zer­stö­rer“auf.

„Für Kalt­be­ma­lun­gen und Ver­gol­dun­gen auf Por­zel­lan stellt der scharf­kan­ti­ge ro­te Staub ei­ne be­son­de­re Ge­fähr­dung dar“, sagt Di­rek­to­rin We­ber. „Er legt sich im Lau­fe des Jah­res auf die viel­fach frei ste­hen­den Por­zel­la­ne, die so­gar ei­nen leicht röt­li­chen Ton be­kom­men.“Fa­tal: Da die Räu­me nicht kli­ma­ti­siert sind, müs­sen Fens­ter ge­öff­net wer­den, durch die noch mehr Staub ein­dringt.

So­gar in der kli­ma­ti­sier­ten Ge­mäl­de­ga­le­rie ist der Sand sicht­bar: Ei­ne Trep­pe, die in die Ost­hal­le führt, lässt sich schon gar nicht mehr vom Rot­stich be­frei­en.

So­lan­ge der Sand im Zwin­ger­hof bleibt, kön­nen die Mu­se­en nur eins tun: Den Staub im­mer wie­der neu ent­fer­nen. Und das je­de Wo­che! „Das ist schwie­rig, geht nur mit be­son­de­rer Vor­sicht und spe­zi­el­len Ge­rät­schaf­ten“, sagt We­ber. Ex­tra da­für müs­sen Re­stau­ra­to­ren be­zahlt wer­den. Auf den Kos­ten blei­ben die Mu­se­en sit­zen. Die For­de­rung der Di­rek­to­ren: „Um die Ge­fähr­dun­gen zu ver­mei­den, muss die­ser Sand zü­gig aus dem Zwin­ger ent­fernt wer­den.“

Das zu­stän­di­ge Säch­si­sche Im­mo­bi­li­en und Bau­ma­nage­ment (SIB): „Die Pro­ble­me der Mu­se­en mit Schmutz und Staub sind be­kannt“, so ei­ne Spre­che­rin. An ei­ner Lö­sung wer­de ge­ar­bei­tet.

Die Di­rek­to­rin der Por­zel­lan­samm­lung Ju­lia We­ber (38) in­spi­ziert die ge­fähr­li­chen Staub-Abla­ge­run­gen auf Au­gusts ge­schätz­ten Dra­go­ner-Va­sen.

Wie si­cher sind die Al­ten Meis­ter? Raf­fa­els Six­ti­ni­sche Ma­don­na ist tief im Sem­per­bau be­her­bergt, soll laut Staat­li­chen Kunst­samm­lun­gen nicht ge­fähr­det sein.

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