Nie zu­vor ge­hört

Schosta­ko­witsch Ta­ge in Gohrisch mit vier Urauf­füh­run­gen

Dresdner Morgenpost - - KULTUR - hn

Sie sind ein fes­ter Pro­gramm­punkt im som­mer­li­chen Ter­min­ka­len­der der Staats­ka­pel­le: die In­ter­na­tio­na­len Schosta­ko­witsch Ta­ge in Gohrisch. Be­reits zum ach­ten Mal rich­ten die Mu­si­ker un­ter der Lei­tung ih­res schei­den­den Kon­zert­dra­ma­tur­gen To­bi­as Nie­der­schlag (40) an die­sem Wo­che­n­en­de das Fes­ti­val zu Eh­ren des Kom­po­nis­ten Dmi­tri Schosta­ko­witsch (1906-1975) in der Säch­si­schen Schweiz aus. Vier Urauf­füh­run­gen wird es ge­ben.

Al­lein für Schosta­ko­witschs Sin­fo­nik, die gro­ßes Orches­ter er­for­dert, ist in der Scheu­ne von Gohrisch kein Platz. Zwei Sin­fo­ni­en gibt es als Son­der­kon­zert am Vor­abend des Fes­ti­vals, am Don­ners­tag in der Sem­per­oper. Di­ri­gie­ren wird der rus­si­sche Di­ri­gent und Zeit­ge­nos­se Schosta­ko­witschs, Gen­na­dy Rozh­dest­vens­ky (86), der zu­letzt 1987 am Pult der Staats­ka­pel­le stand.

Erst­mals sind drei Zwi­schen­spie­le der Oper „Die Na­se“zu hö­ren, 87 Jah­re nach de­ren Urauf­füh­rung. Erst vor ei­nem Jahr wur­den sie ent­deckt, Schosta­ko­witschs Wit­we Iri­na gab sie an Tho­mas San­der­ling (74) wei­ter, der sie am Sonn­tag di­ri­giert. Für San­der­ling ei­ne Rück­kehr nach Gohrisch, dort hat­te er Schosta­ko­witsch bei des­sen zwei­tem Kom­po­si­ti­ons­auf­ent­halt 1972 be­sucht.

Schosta­ko­witsch hat­te die­se Zwi­schen­spie­le einst sel­ber ge­stri­chen. War­um, sagt Nie­der­schlag, wis­se man nicht. „Viel­leicht war er der Mei­nung, sie pass­ten nicht in den Kon­text der Oper.“Sie wur­den da­mals nicht ge­druckt, sind aber voll­stän­dig aus­ge­schrie­ben. „Viel mehr Orches­ter­mu­sik wird man nicht mehr ent­de­cken. Es ist wert, sie zu hö­ren“, so Nie­der­schlag. Es sei Mu­sik aus der span­nends­ten Pha­se im Schaf­fen Schosta­ko­witschs.

Ein zwei­ter Schwer­punkt liegt auf zwei Urauf­füh­run­gen von Miec­zys­law Wein­berg (1919-1996), ei­nem Weg­ge­fähr­ten Schosta­ko­witschs. Nie­der­schlag: „Sie wer­den oft ver­gli­chen, aber das ist un­nö­tig. Die ers­te CD mit Auf­nah­men frü­he­rer Kon­zer­te ist er­schie­nen. Wein­berg ist ein ei­gen­stän­di­ger Kom­po­nist mit un­glaub­li­cher Band­brei­te. Sei­ne Ent­de­ckung war über­fäl­lig.“Ei­ne wei­te­re Urauf­füh­rung gibt es von So­fia Gu­bai­du­li­na (85).

Im Vor­feld ist die ers­te CD der Schosta­ko­witsch Ta­ge er­schie­nen, mit Auf­nah­men des Di­ri­gen­ten Mich­ail Ju­row­ski. Ei­ne CD-Rei­he wird es wer­den, stets auf ei­nen ein­zel­nen Künst­ler zu­ge­schnit­ten. Für Nie­der­schlag, der im Herbst zum Leip­zi­ger Ge­wand­haus­or­ches­ter wech­selt (MOPO be­rich­te­te), soll es nicht das letz­te Fes­ti­val blei­ben. „Wenn die Zeit es zu­lässt, möch­te ich ger­ne in Gohrisch wei­ter­ma­chen. Es ist ir­gend­wie mein Ba­by.“

Gen­na­dy Rozh­dest­vens­ky (86) di­ri­giert die sin­fo­ni­schen Son­der­kon­zer­te. Er­öff­nungs- und Ab­schluss­kon­zert in Gohrisch sind be­reits rest­los aus­ver­kauft. An die­sem Frei­tag öff­nen sich in Gohrisch die Tü­ren der Fest­spiel-Scheu­ne zu den ach­ten Schosta­ko­witsch Ta­gen. To­bi­as Nie­der­schlag (40), Grün­der und künst­le­ri­scher Lei­ter der Schosta­ko­witsch Ta­ge.

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