Sind die Tsche­chisch-Deut­schen Kul­tur­ta­ge noch zu ret­ten?

Dresdner Morgenpost - - SACHSEN - Von An­ne­ke Mül­ler

DRES­DEN/PRAG - Nach 20 Jah­ren muss die Brü­cke/Most-Stif­tung ih­re Ar­beit ein­stel­len (MOPO be­rich­te­te). Da­mit geht ein wich­ti­ger Teil deutsch-tsche­chi­scher Bil­dungs- und Kul­tur­ar­beit in Sach­sen ver­lo­ren, die jähr­lich Zehn­tau­sen­de Men­schen bei­der Län­der zu­sam­men­brach­te (sie­he Kas­ten).

Die Stif­tung wur­de Op­fer der eu­ro­päi­schen Nied­rig­zins­po­li­tik, wo­durch die Er­trä­ge des Stif­tungs­ka­pi­tals nun so ge­ring sind, dass die Pro­jekt­ar­beit nicht fort­ge­führt wer­den kann. Was bleibt? Die MOPO sprach ex­klu­siv mit Stif­ter Hel­mut Kö­ser (77), sei­ne Ent­täu­schung über Sach­sens Staats­re­gie­rung, aber auch über die Hoff­nung, die noch im­mer da ist.

„Was ist los mit der säch­sisch-böh­mi­schen Kul­tur­po­li­tik? Ich ver­ste­he das nicht“, sagt Hel­mut Kö­ser. „Hier fehlt das Ver­ständ­nis für die Wert­schät­zung der zi­vil­ge­sell­schaft­li­chen Kul­tur­ar­beit.“

Der Po­li­tik­wis­sen­schaft­ler aus Frei­burg, der sich seit 20 Jah­ren mit sei­ner Stif­tung für die deutsch-tsche­chi­schen Be­zie­hun­gen ein­setzt, hat, wie er sagt, „mehr­mals bei der Staats­kanz­lei um ei­ne in­sti­tu­tio­nel­le För­de­rung ge­be­ten“. Doch lei­der sei die Ant­wort ne­ga­tiv ge­we­sen. Dass die Kul­tur­stif­tung des Frei­staa­tes die Tsche­chisch-Deut­schen Kul­tur­ta­ge als Pro­jekt „groß­zü­gig för­der­te“, weiß der Stif­ter zu wür­di­gen. Doch jetzt ge­he es um den Er­halt der Stif­tung, um die Ge­häl­ter des Per­so­nals und die Be­triebs­kos­ten, die nicht mehr zu tra­gen sei­en.

Ent­täuscht zeigt sich auch Ge­schäfts­füh­rer Peter Bau­mann (55): „Die Wert­schät­zung un­se­rer Ar­beit könn­te hö­her sein“, sagt er und ver­mu­tet, dass der Frei­staat die Stif­tung nicht in ih­rer Viel­falt wahr­nahm, son­dern nur­mehr als Trä­ger der Kul­tur­ta­ge.

Von­sei­ten der säch­si­schen Staats­re­gie­rung es war ges­tern nicht mög­lich, ei­ne Ant­wort zu be­kom­men. Die Staats­re­gie­rung wird sich heu­te da­zu po­si­tio­nie­ren.

Die Tsche­chisch-Deut­schen Kul­tur­ta­ge wer­den in die­sem Herbst zum letz­ten Mal mit 80 bis 90 Ver­an­stal­tun­gen statt­fin­den. Ganz auf­ge­ge­ben hat Hel­mut Kö­ser noch nicht:

„Die Brü­cke/

Most-Stif­tung möch­te, dass die Kul­tur­ta­ge wei­ter­le­ben.

Wir su­chen mit an­de­ren Part­nern nach Lö­sun­gen.“

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