Vi­ren-Skan­dal im Dresd­ner Ser­um­werk

Impf­stoff-Rie­se lei­te­te jah­re­lang Grip­pe-Er­re­ger ins Ab­was­ser!

Dresdner Morgenpost - - ERSTE SEITE - Von Do­mi­nik Brüg­ge­mann

Schon klei­ne Kin­der ler­nen, was nicht in die Klo­schüs­sel ge­hört. Al­te Me­di­ka­men­te ge­hö­ren de­fi­ni­tiv da­zu. Dass ein gro­ßer Phar­ma­kon­zern über Jahre hin­weg Grip­pe­vi­ren ins Ab­was­ser lei­tet, ist durch­aus ein Skan­dal.

14 Jahre oder län­ger hat das Dresd­ner Ser­um­werk (Gla­xoS­mit­hK­li­ne) mit Grip­pe­vi­ren be­las­te­tes Schmutz­was­ser aus der Impf­stoff­pro­duk­ti­on di­rekt in die Dresd­ner Ka­na­li­sa­ti­on ein­ge­lei­tet. Ur­sa­che sol­len ver­se­hent­lich falsch an­ge­schlos­se­ne Ab­was­ser­lei­tun­gen sein. Die feh­ler­haf­ten Roh­re wur­den am 7. Ju­li

ent­deckt. In den zwei be­tref­fen­den Werks­räu­men sei­en laut Un­ter­neh­mens­spre­cher Mar­kus Har­den­bi­cker mit Vi­ren be­las­te­te Ge­rä­te und Be­häl­ter ge­rei­nigt wor­den. Das Dreck­was­ser hät­te im An­schluss in­tern vor­ger­ei­nigt und die Vi­ren in­ak­ti­viert wer­den müs­sen. Statt­des­sen floss die Brü­he di­rekt in die Ka­na­li­sa­ti­on.

Ei­ne Ge­fahr für al­le Dresd­ner, oder? „Nach Ein­schät­zung des Ge­sund­heits­am­tes be­stand für die Be­völ­ke­rung von Dres­den, auch für die un­mit­tel­ba­re Nach­bar­schaft des Un­ter­neh­mens kei­ne Ge­fahr, sich mit den In­flu­en­za-Vi­ren aus dem Ab­was­ser an­zu­ste­cken“, so Rat­haus-Spre­cher Kai Schulz über den jah­re­lan­gen Vi­ren-Skan­dal. Das Was­ser sei stark er­hitzt und ver­dünnt ge­we­sen. Wei­te­re Un­ter­su­chun­gen hät­ten er­ge­ben, dass es kei­ne er­höh­te Ak­ti­vi­tät von im Werk ge­nutz­ten Vi­ren in Dres­den gibt.

Auch das Säch­si­sche Um­welt­mi­nis­te­ri­um mel­de­te sich in Ab­spra­che so­fort zu Wort. Um­welt­mi­nis­ter Tho­mas Schmidt (56, CDU) ließ über ei­nen Spre­cher ver­laut­ba­ren: „Ei­ne Ge­fähr­dung der Um­welt ist sehr un­wahr­schein­lich.“Man kön­ne sie aber auch nicht aus­schlie­ßen.

„Wir be­dau­ern, dass es zu die­sem Vor­fall ge­kom­men ist“, er­klär­te Gla­xoS­mit­hK­li­ne-Spre­cher Har­den­bi-

cker. Das Dresd­ner Werk sei ei­nes der mo­derns­ten welt­weit und er­fül­le höchs­te Si­cher­heits­und Qua­li­täts­an­sprü­che.

In­ter­es­sant: Die Stadt­ent­wäs­se­rung über­prüft das Ab­was­ser des Ser­um­werks re­gel­mä­ßig. Pro­blem: Vi­ren ge­hö­ren nicht zu den zu prü­fen­den Pa­ra­me­tern. Ge­ne­rell ist Ab­was­ser in­fek­ti­ös, kann Vi­ren, Bak­te­ri­en und Pil­ze ent­hal­ten.

Das Ab­was­ser ge­langt über das Ka­nal­netz in die Klär­an­la­ge Ka­ditz.

Ei­ne Grip­pe­schutz­imp­fung, wie sie im Dresd­ner Ser­um­werk von GSK her­ge­stellt wird. Ei­ne An­la­ge in dem GSKWerk für die Her­stel­lung von Impf­mit­teln.

Sach­sens Um­welt­mi­nis­ter Tho­mas Schmidt (56, CDU) Das als Ser­um­werk be­kann­te Un­ter­neh­men ist ein füh­ren­der Stand­ort für Grip­pe-Impf­mit­tel.

Die Klär­an­la­ge in Dres­den. Hier wird das Ab­was­ser ge­rei­nigt. Pe­ter Schu ist der Lei­ter des Dresd­ner Werks von Gla­xoS­mit­hK­li­ne.

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