Dar­um muss­ten 18 Sach­sen

Er­schüt­tern­der Er­mitt­lungs­be­richt vier Wo­chen nach A 9-Bu­s­un­glück

Dresdner Morgenpost - - SACHSEN -

HOF/LÖ­BAU - Mensch­li­ches Ver­sa­gen und ei­ne Ver­ket­tung tra­gi­scher Um­stän­de ha­ben zu der Bus­ka­ta­stro­phe auf der A 9 ge­führt, bei der am 3. Ju­li in Ober­fran­ken 17 Rei­sen­de aus Sach­sen und der Fah­rer ver­brann­ten. Nach den ges­tern von der Staats­an­walt­schaft in Hof vor­ge­leg­ten Er­mitt­lungs­er­geb­nis­sen hat­te die Un­auf­merk­sam­keit von Bus­fah­rer Ste­fan H. (55) das Un­glück aus­ge­löst.

We­der am Rei­se­bus noch an dem vor­aus­fah­ren­den Last­wa­gen mit An­hän­ger sei­en tech­ni­sche Män­gel fest­ge­stellt wor­den, stell­te Staats­an­walt Jo­chen Götz klar. Nach Re­kon­struk­ti­on der Er­mitt­ler lief das Un­glück fol­gen­der­ma­ßen ab: Kurz vor ei­ner Bau­stel­le zwi­schen den Ab­fahr­ten Münch­berg-Süd und Ge­frees brems­te der Lkw-Fah­rer sein mit 5200 Ki­lo Schaum­stoff­kis­sen be­la­de­nes Ge­fährt von 80 auf 28 km/h ab. Auf der rech­ten Spur stock­te der Ver­kehr zu die­sem Zeit­punkt.

Im Er­mitt­lungs­be­richt heißt es: „Dar­auf­hin fuhr der Bus von hin­ten in Fol­ge ei­ner Un­auf­merk­sam­keit des Fah­rers mit ei­ner An­stoß­ge­schwin­dig­keit von et­wa 60 bis 70 km/h auf den An­hän­ger auf, wo­bei der Fah­rer noch ver­such­te, nach rechts Rich­tung Stand­strei­fen aus­zu­wei­chen und wohl im letz­ten Mo­ment noch ab­brems­te. Was die Ur­sa­che für die­se Un­auf­merk­sam­keit war, lässt sich nicht mehr auf­klä­ren.“

Und nun setz­te die „Ket­te tra­gi­scher Um­stän­de“ein, wie es Staats­an­walt Götz for­mu­lier­te. Durch das Her­um­rei­ßen des Steu­ers traf der Rei­se­bus den An­hän­ger auf ei­ner „Über­de­ckung“von nur 60 Zen­ti­me­tern. An die­ser Stel­le wur­de der Bug des Bus­ses bis zu zwei Me­ter nach hin­ten ver­scho­ben. Aus­ge­rech­net in die­ser Zo­ne sind die Druck­luft­tanks, die Bat­te­rie samt Elek­trik und der Zu­satz­tank ver­baut.

„Dies lös­te ei­ner­seits elek-

tri­sche Kurz­schlüs­se und die Bil­dung ex­trem hei­ßer Licht­bö­gen im Be­reich der Elek­trik aus. An­de­rer­seits kam es zu ei­ner Auf­stau­chung des Zu­satz­tanks, wel­che die­sen zum Zer­plat­zen brach­te. Der her­aus­sprit­zen­de und zer­stäub­te Kraft­stoff ent­zün­de­te sich un­mit­tel­bar beim Aus­tre­ten durch die Licht­bo­gen­bil­dun­gen, noch an­ge­facht durch die ent­wei­chen­de Druck­luft“, heißt es im Un­ter­su­chungs­be­richt. Zu­dem sei der Bus im lin­ken Vor­der­be­reich auf­ge­ris­sen ge­we­sen, wo­durch sich Rauch und Feu­er im In­nen­raum schlag­ar­tig aus­brei­te­ten.

Die Ob­duk­ti­on der To­ten er­gab, dass die Frau­en und Män­ner im Al­ter von 55 bis 81 Jah­ren bin­nen kür­zes­ter Zeit auf­grund des ein­ge­at­me­ten Rauchs das Be­wusst­sein ver­lo­ren. Ei­ne De­for­mie­rung im Mit­tel­gang des Bus­ses mach­te es den meis­ten In­sas­sen zu­dem un­mög­lich, durch die vom Er­satz­fah­rer (43) auf­ge­drück­te vor­de­re Tür zu flüch­ten. Der Bus­fah­rer war ein­ge­klemmt und nicht mehr hand­lungs­fä­hig. -bi.-

Das Luft­bild zeigt die Un­fall­stel­le auf der A 9 bei Münch­berg nach den Lösch­ar­bei­ten. Im völ­lig aus­ge­brann­ten Bus star­ben 18 Men­schen.

Die Un­fall­skiz­ze der Po­li­zei do­ku­men­tiert, wie der Bus auf den Lkw-An­hän­ger auf­traf un­dim Fahr­zeug Bat­te­ri­en

und Zu­satz­tank beim Auf­prall zu­sam­men­ge­drückt wur­den.

Der Lei­ter der Ver­kehrs­po­li­zei­in­spek­ti­on Hof, Horst Thiemt (r.), und der Pres­se­spre­cher des Po­li­zei­prä­si­di­ums Ober­fran­ken, Jür­gen Stadter,

stell­ten ges­tern den Er­mitt­lungs­be­richt zum

Un­fall vor.

Bay­erns Mi­nis­ter­prä­si­dent Horst See­ho­fer (CSU, 4.v.l.) be­trach­te­te nach dem Un­fall den aus­ge­brann­ten Rei­se­bus. Als Un­glücks­ur­sa­che er­mit­tel­ten sei­ne Be­hör­den jetzt „mensch­li­ches Ver­sa­gen“.

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