„Der St­a­chel sitzt sehr tief“

Zwei Plei­ten in zwei Ta­gen - beim FC Bay­ern brennt der Baum Göt­ze blüht im­mer mehr auf - aber Bosz hat noch Sor­gen

Dresdner Morgenpost - - FUSSBALL -

MÜN­CHEN - 0:3 ge­gen Li­ver­pool, 0:2 ge­gen Nea­pel - nach den bei­den Nie­der­la­gen im Au­diCup brennt beim FC Bay­ern der Baum. „Der St­a­chel sitzt sehr tief“, schimpf­te Welt­meis­ter Tho­mas Müller.

Vorm ers­ten Pflicht­spiel am Sonn­abend im Su­per­cup bei Bo­rus­sia Dort­mund (20.30 Uhr/

ZDF) schril­len bei den Münch­nern schon die Alarm­glo­cken. „Na­tür­lich sind wir be­un­ru­higt. Wir sind nicht in bes­ter Ver­fas­sung. Das Pro­blem ist klar, wir müs­sen ei­ne bes­se­re Ba­lan­ce im Spiel ha­ben“, be­ton­te Trai­ner Car­lo An­ce­lot­ti.

Der Ita­lie­ner ist nicht zu be­nei­den, denn ges­tern er­reich­ten ihn zu­sätz­lich schlech­te Nach­rich­ten. Sei­ne Bay­ern müs­sen in den kom­men­den Wo­chen auf ih­ren Star-Neu­zu­gang Ja­mes Ro­d­ri­guez ver­zich­ten. Der Ko­lum­bia­ner hat sich ge­gen Li­ver­pool ei­ne Mus­kel­ver­let­zung im rech­ten Ober­schen­kel zu­ge­zo­gen. Auch Mit­tel­feld­stra­te­ge Thia­go wird den Bay­ern we­gen ei­ner Bauch­mus­kel­ver­let­zung min­des­tens im Su­per­cup feh­len. Ge­gen den BVB muss sich vor al­lem die Ab­wehr stei­gern, die trotz star­ker Be­set­zung an­fäl­lig war. Zu­dem ließ der Spiel­auf­bau ei­ne er­kenn­ba­re Struk­tur ver­mis­sen und die Of­fen­si­ve war bes­ten­falls harm­los. Auch der Vor­stands­vor­sit­zen­de Karl-Heinz Rum­me­nig­ge ist des­halb ge­warnt. „Li­ver­pool hat­te im­mer ein, zwei Gän­ge mehr drin als wir. Wir müs­sen schnell die Kur­ve krie­gen“, sag­te der 61-Jäh­ri­ge: „Es sind noch zwei­ein­halb Wo­chen bis zum Sai­son­start. Die kön­nen schnell vor­bei sein.“Dann emp­fan­gen die Münch­ner am ers­ten Spiel­tag Bay­er Le­ver­ku­sen.

An­ce­lot­ti blieb nur, Li­ver­pool ei­ne „bes­se­re Ver­fas­sung“zu at­tes­tie­ren. Die Pre­mier Le­ague star­tet für die „Reds“schon am 12. Au­gust beim FC Wat­ford. Den­noch sah Te­am­ma­na­ger Jür­gen Klopp bei sei­ner Mann­schaft noch Luft nach oben: „Ich bin ganz zu­frie­den, aber es geht noch bes­ser. In der ers­ten Halb­zeit hat­ten wir zu we­nig Ball­be­sitz.“Vor al­lem ge­gen die über­fall­ar­ti­gen An­grif­fe des eng­li­schen Cham­pi­ons-Le­ague-Qua­li­fi­kan­ten fan­den die Münch­ner kein Mit­tel.

Franck Ri­be­ry fand deut­li­che Wor­te: „Wir müs­sen mehr zu­sam­men­spie­len, als Team auf­tre­ten und Prä­senz zei­gen. Ich hof­fe, wir ma­chen es ge­gen Dort­mund bes­ser, das ist ein sehr wich­ti­ges Spiel.“Welt­tor­wart Ma­nu­el Neu­er fehlt nach sei­ner Fuß­ver­let­zung bis zum Sai­son­start, Ar­jen Rob­ben und Je­ro­me Boateng ha­ben noch Trai­nings­rück­stand. ALTACH - Ma­rio Göt­ze streif­te die Ka­pi­täns­bin­de vom Arm und trab­te durch­nässt, aber zu­frie­den zur Sei­ten­li­nie. Im ver­reg­ne­ten letz­ten Test­spiel des ÖsiCamps hat­te der WM-Sieg­tor­schüt­ze die Dort­mun­der Bo­rus­sia als Ka­pi­tän auf den Platz ge­führt.

Der 25-Jäh­ri­ge blüht nach dem En­de sei­ner Lei­dens­zeit un­ter dem neu­en BVB-Coach Pe­ter Bosz auf und zählt beim Po­kal­sie­ger zu den Ge­win­nern der Vor­be­rei­tung. 62 Mi­nu­ten sprin­te­te, drib­bel­te und di­ri­gier­te der von ei­ner Stoff­wech­sel­stö­rung ein hal­bes Jahr au­ßer Ge­fecht ge­setz­te Göt­ze bis zu sei­ner Aus­wechs­lung bei der 0:1-Nie­der­la­ge ge­gen den ita­lie­ni­schen Eu­ro­paLe­ague-Star­ter Atalan­ta Ber­ga­mo in der Of­fen­si­ve. „Ich füh­le mich sehr gut, weil ich in den drei Wo­chen so gut wie al­le Ein­hei­ten mit­ma­chen konn­te. Es wird im­mer bes­ser“, sag­te Göt­ze. Die drit­te Plei­te im sechs­ten Test­spiel konn­te der Welt­meis­ter aber nicht ver­hin­dern. Auch wenn Bosz ge­gen die Ita­lie­ner ei­ner B-Elf das Ver­trau­en schenk­te - die An­lauf­schwie­rig­kei­ten un­ter der Lei­tung des Nie­der­län­ders wa­ren er­neut zu er­ken­nen.

Die Au­to­ma­tis­men feh­len, die Sys­tem-Um­stel­lun­gen nach zwei Jah­ren un­ter Tho­mas Tu­chel ver­lau­fen (noch) schlep­pend. Bosz be­vor­zugt das ty­pisch nie­der­län­di­sche 4-3-3-Sys­tem. Sei­ne Vor­stel­lung von of­fen­si­vem Pres­sing, mit dem er mit Ajax Ams­ter­dam in der Vor­sai­son das Fi­na­le der Eu­ro­pa Le­ague er­reich­te, äh­nelt der Spiel­wei­se von Ex-Coach Jür­gen Klopp. Für die Um­set­zung sei­ner Phi­lo­so­phie setzt Bosz auf vie­le Ge­sprä­che, lädt das Team zu re­gel­mä­ßi­gen Vi­deo-Sit­zun­gen ein und baut auf den Fak­tor Zeit.

Bay­ern-Coach Car­lo An­ce­lot­ti kratzt sich nach­denk­lich am Kopf. Vor ihm liegt noch

viel Ar­beit.

Ma­rio Göt­ze (l.) kann end­lich wie­der lä­cheln - und lässt den Ball tan­zen.

So fiel das ers­te Tor für Nea­pel! Kal­i­dou Kou­li­ba­ly netz­te wuch­tig ein, die Bay­ern-Ab­wehr war ge­schla­gen.

Pe­ter Bosz

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