Ha­ben Sie ei­gen­tich ein Lieb­lings­tier, Herr Uke­na?

Dresdner Morgenpost - - DRESDEN - Von Do­mi­nik Brüg­ge­mann

Karl-Heinz Uke­na (46) ist seit 15 Jah­ren Chef des Zoos Dres­den. Als er an­fing, ka­men jähr­lich et­wa 40 0000 Be­su­cher. In­zwi­schen strö­men 880 000 Men­schen pro Jahr in die be­lieb­te Ein­rich­tung im Gro­ßen Gar­ten. Ein In­ter­view über Aus­bre­cher, Vor­spie­le bei Gi­raf­fen und brü­ten­de Pin­gui­ne ...

Kön­nen ih­re Zoo-Zucht­pro­jek­te das welt­wei­te Ar­ten­ster­ben ver­hin­dern?

Karl Heinz Uke­na: Wir und al­le an­de­ren Zoos ver­ste­hen uns als Ar­che Noah. Die Ar­ten, die wir hal­ten, wol­len wir auch für die Nach­welt „kon­ser­vie­ren“. Bei­spiel Orang-Utans: Sie wer­den schon in zehn Jah­ren wahr­schein­lich kei­nen frei­le­ben­den Orang-Utan mehr auf Bor­neo fin­den. Wir kön­nen sie noch züch­ten, aber ihr na­tür­li­cher Le­bens­raum wird von uns Men­schen zer­stört. Sie ha­ben schlicht­weg kei­ne Chan­ce.

Wel­che Pro­jek­te im Dresd­ner Zoo hel­fen Ar­ten auch in ih­rem na­tür­li­chen Le­bens­raum?

Wir un­ter­stüt­zen ei­ni­ge Pro­jek­te vor Ort fi­nan­zi­ell, bei­spiels­wei­se bei den Schnee­leo­par­den oder den Orang-Utans.

Wie wich­tig ist die er­folg­rei­che Zucht von Zoo­tie­ren?

Das ist ein Zei­chen, dass sich die Tie­re wohl­füh­len. Und es ist ei­ne Be­stä­ti­gung für die Ar­beit un­se­rer Pfle­ger. Da­zu kommt: Die Tie­re ha­ben ei­ne na­tür­li­che Auf­ga­be im Zoo. Bei den Oran­gU­tans führt es da­zu, dass wir den Mä­dels mo­men­tan aus Platz­grün­den die An­ti-Ba­by-Pil­le ge­ben müs­sen. Ih­nen ist ei­ne sel­te­ne Schnee­leo­par­den­zucht ge­lun­gen. Lei­der muss­ten die drei Jung­tie­re ein­ge­schlä­fert wer­den. War­um?

Das war sehr bit­ter für al­le Mit­ar­bei­ter. Lei­der hat un­se­re Ärz­tin sehr schnell fest­ge­stellt, dass sie auf­grund ei­ner Au­gen­krank­heit wohl er­blin­det wä­ren. Wir prü­fen jetzt, ob mit den El­tern noch wei­ter ge­züch­tet wer­den kann. Das wird mit den zu­stän­di­gen Zucht­buch­füh­rern be­spro­chen und ent­schie­den.

Wie steht’s um die Hum­boldt-Pin­gui­ne?

Wir hat­ten die­ses Jahr ei­ne ers­te Brut! Zwei Eier wur­den ge­legt, sie wa­ren lei­der un­be-

fruch­tet. Wir wol­len im Win­ter sie­ben wei­te­re Tie­re nach Dres­den ho­len.

Stich­wort un­be­fruch­tet. Gi­raf­fen­bul­le Di­ko bringt’s nicht, oder?

Ich wün­sche mir wirk­lich Nach­wuchs bei der Grup­pe, sie le­ben so gut zu­sam­men. Di­ko ist ein net­ter Kerl, aber lei­der packt er sei­nen Job als Zucht­bul­le nicht. Wir nen­nen ihn in­tern schon „Vor­spiel-Welt­meis­ter“. Aber die Tie­re sind noch jung ge­nug, er kann es noch ein paar Mal aus­pro­bie­ren.

Und wann wird das Ele­fan­ten­haus fer­tig?

Wir hof­fen im Ok­to­ber, das will ich aber nicht ver­spre­chen. Die Fir­men ha­ben so vie­le Auf­trä­ge, dass man kaum wel­che fin­det. Fest steht: Das Bud­get bleibt bei et­wa acht Mil­lio­nen Eu­ro. Und: Nächs­tes Jahr wol­len wir ei­nen Leih­bul­len nach Dres­den ho­len.

Wel­che Tier­art wol­len sie even­tu­ell noch an­schaf­fen?

Es drängt erst­mal beim Oran­gU­tan-Haus. Das wol­len wir ab 2020 sa­nie­ren.

Nervt sie ei­gent­lich die re­gel­mä­ßi­ge Kri­tik von PE­TA ?

Ich fin­de es gut, dass es sie gibt, Zoos kann man kri­tisch fin­den. Aber: Bis­lang war nie­mand per­sön­lich hier im Zoo. Ich stel­le mich ger­ne dem Dia­log.

War­um su­chen Sie ei­nen neu­en Zoo­shop-Be­trei­ber?

La­den­in­ha­ber Ro­land Hoff­mann ist in­zwi­schen 66 Jah­re alt. Er will in den ver­dien­ten Ru­he­stand. Des­we­gen su­chen wir zum 1. Ja­nu­ar ei­nen neu­en Be­trei­ber, die Aus­schrei­bung läuft.

Ha­ben Sie ein Lieb­lings­tier? Das wech­selt, wir ha­ben hier so vie­le lus­ti­ge Sze­nen im Zoo. Neu­lich hat sich ein Pr­ä­rie­hund bis auf die Afri­ka-An­la­ge durch­ge­bud­delt! Das fin­de ich wit­zig. Aber auch sel­te­ne Tie­re wie die Gold­ta­ki­ne sind be­ein­dru­ckend.

Ei­ner der Pr­ä­rie­hun­de hat sich aus sei­nem Ge­he­ge bis zur Afri­ka-Land­schaft ge­bud­delt! Die Ele­fan­ten war­ten auf ihr neu­es Ele­fan­ten­haus.

Zoo-La­den­päch­ter Ro­land Hof­mann (66) geht in Ren­te.

Bei den Hum­boldt-Pin­gui­nen gab es ein Ge­le­ge, lei­der

un­be­fruch­tet.

Karl-Heinz Uke­na (46) ist Ge­schäfts­füh­rer im Zoo Dres­den und lei­tet ihn seit 15 Jah­ren. Die Gi­raf­fen ver­tra­gen sich, aber der

Bul­le sorgt nicht für Nach­wuchs.

Das sa­nier­te Ele­fan­ten­haus soll bes­ten­falls im Ok­to­ber fer­tig sein.

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