Auf­trag für ei­nen Au­ßen­sei­ter

Dresd­ner Kom­po­nist Sven Hel­big beim Mo­ritz­burg Fes­ti­val

Dresdner Morgenpost - - KULTUR -

DRES­DEN/MO­RITZ­BURG - Der Dresd­ner Kom­po­nist Sven Hel­big ist ein Grenz­gän­ger. Wo­bei er eher jen­seits als dies­seits zur Grenz­li­nie des eta­blier­ten Mu­sik­be­triebs agiert. Ei­ner, der ir­gend­wie nicht da­zu­ge­hört, sich aber den­noch auf­drängt. Jetzt ist Hel­big Com­po­ser in Re­si­dence beim Mo­ritz­burg Fes­ti­val.

Als wir mit Hel­big te­le­fo­nie­ren, kommt er ge­ra­de von ei­ner Welt­tour­nee zu­rück: Ber­lin, Lon­don, Ma­drid, Ha­van­na. Mit sei­nem ak­tu­el­len Pro­jekt, dem Chor­werk „I Eat The Sun And Drink The Rain“, war er un­ter­wegs. Das er im März auch in Dres­den auf­ge­führt hat, bei „Mu­sik zwi­schen den Wel­ten“, der klei­nen, aber fei­nen Kon­zert­rei­he des Dresd­ner Im­pre­sa­ri­os Andre­as Grosse, der nur zu gern nach Dres­den holt, was man dort noch nicht kennt.

Hel­big, 1968 in Ei­sen­hüt­ten­stadt ge­bo­ren, ist ei­ner zwi­schen den mu­si­ka­li­schen Wel­ten, wes­halb er es in sei­ner kul­tur­kon­ser­va­ti­ven WahlD­res­den, hei­mat die ihn an der Mu­sik­hoch­schu­le aus­bil­de­te, nicht leicht hat. Ei­ni­ge we­ni­ge be­sonPro­jek­te de­re in Dres­den, wie die „Hoch­haus­sin­den fo­nie“mit Pet Shop Boys in der Pra­ger Stra­ße 2006 oder die Chor­mo­tet­te „... da wird auch mein Herz sein“zum Kir­chen­tag 2011, ste­hen zu Bu­che, je­doch ist Hel­big wie die Dresd­ner Sin­fo­ni­ker, die er vor 20 Jah­ren mit­be­grün­de­te, na­tio­nal wie in­ter­na­ge­frag­ter tio­nal als zu Hau­se. Er ha­be lan­ge Zeit mit dem Ge­dan­ken ge­spielt, fort­zu­ge­hen, sagt er.

Als Kom­po­nist ist Hel­big Au­to­di­dakt, wo­mög­lich ist das ein Grund da­für, dass ihn die hie­si­gen Mu­sik­in­sti­tu­tio­nen zu we­nig ernst neh­men. Ei­ner, der aus­schert, ist der Cel­list Jan Vog­ler, In­ten­dant der Dresd­ner Mu­sik­fest­spie­le und künst­le­ri­scher Lei­ter des Mo­ritz­burg Fes­ti­vals. Bei den dies­jäh­ri­gen Mu­sik­fest­spie­len wur­de Hel­big als Auf­trags­werk die Neu­kom­po­si­ti­on ei­ner Film­mu­sik für Hans Ky­sers „Lu­ther“-Film von 1927 zu­teil. Beim Kam­mer­mu­sik­fes­ti­val in Mo­ritz­burg ist er als Com­po­ser in Re­si­dence mit gleich meh­re­ren Wer­ken so­wie zwei Kom­po­nis­ten­ge­sprä­chen ver­tre­ten. Vog­ler sei der Ers­te un­ter Dres­dens Mu­sik­gran­den, der sich für ihn und sei­ne Mu­sik ein­set­ze, so Hel­big.

„Sven hat ei­ne Mu­sik­spra­che, die aus ei­nem ganz an­de­ren Spek­trum kommt. Das ist ein Kon­trast zu rein klas­si­schen Kom­po­nis­ten der Mo­der­ne“, sag­te Vog­ler jüngst im MOPO-In­ter­view. Au­ßer­dem sei es ihm im 25. Jahr­gang des Fes­ti­vals ein Be­dürf­nis ge­we­sen, „ei­nen Kom­po­nis­ten aus der Re­gi­on vor­zu­stel­len“.

Hel­big hat da­für sei­ne „Po­cket Sym­pho­nies“von 2013 für Kla­vier­quar­tett um­ge­ar­bei­tet und prä­sen­tiert au­ßer­dem, als Urauf­füh­rung, ein Auf­trags­werk der Fes­ti­vals. „Tres Mo­men­tos“heißt das Stück, ein Streich­quar­tett mit be­son­de­rer An­for­de­rung an die Mu­si­ker. Hel­big: „Das Stück be­steht aus drei kom­po­nier­ten Tei­len, je­doch müs­sen sich die Mu­si­ker von Teil zu Teil mit Im­pro­vi­sa­tio­nen vor­a­n­ar­bei­ten.“

Der Rah­men der Urauf­füh­rung, das Fest­kon­zert zum 25-jäh­ri­gen Ju­bi­lä­um am 11. August, dürf­te ein an­ge­mes­se­ner sein. Was auch an der er­le­se­nen Be­set­zung liegt. Ne­ben So­lis­ten wie Lou­is Lor­tie (Kla­vier) oder Ul­rich Ei­chen­au­er (Brat­sche) ma­chen auch Jan Vog­ler, des­sen Bru­der Kai (Vio­li­ne) und der Cel­list Pe­ter Bruns mit, je­ne drei, die das Mo­ritz­bur­ger Fes­ti­val 1993 ge­mein­sam er­fun­den ha­ben. gg

Als mu­si­ka­li­scher Grenz­gän­ger ge­prie­sen, ist Sven Hel­big in die­sem Jahr Com­po­ser in Re­si­dence beim Mo­ritz­burg Fes­ti­val. Hel­bigs Auf­trags­werk „Tres Mo­men­tos“wird mor­gen im Rah­men des Fest­kon­zer­tes auf

Schloss Mo­ritz­burg ur­auf­ge­führt.

Fes­ti­val­lei­ter Jan Vog­ler wird mit­spie­len.

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