Die Rüst­kam­mer bringt Sie in Har­nisch

Er­öff­nung des neu­en Sil­ber­waf­fen­saals im Re­si­denz­schloss

Dresdner Morgenpost - - KULTUR -

Der hoch­ade­li­ge Mann von heu­te trägt schwar­zen An­zug, Smo­king oder - ganz vor­nehm - Frack, da­zu Kra­wat­te oder Flie­ge, wenn er fei­ern geht. Im aus­ge­hen­den 16. Jahr­hun­dert war da­für der Har­nisch das an­ge­mes­se­ne Klei­dungs­stück, so auch bei Kur­fürst Chris­ti­an I. (1560-1591).

Ne­ben vie­len Ra­pie­ren (De­gen) und Dol­chen sind zwei Har­ni­sche, die Chris­ti­an I. in sei­nem To­des­jahr an­läss­lich kur­fürst­li­cher Tau­fe an­fer­ti­gen ließ, die Pa­ra­de­stü­cke des neu­en Sil­ber­waf­fen­saals im Re­si­denz­schloss, der heu­te im Rah­men der Mu­se­ums­nacht er­öff­net wird.

Dort wo vor 1918 der Au­di­enz­raum der Kö­ni­gin war, blinkt es jetzt sil­bern mi­li­tä­risch. Ein wei­te­rer St­ein im Mo­sa­ik der Mu­se­en im Schloss, ei­ner mit „Ge­lenk­funk­ti­on“, wie Jut­ta Char­lot­te von Bloh, Ober­kon­ser­va­to­rin der Rüst­kam­mer und Ku­ra­to­rin der Aus­stel­lung, er­klärt. Der Sil­ber­waf­fen­saal im zwei­ten Ober­ge­schoss sei das Ver­bin­dungs­glied zwi­schen dem Rie­sen­saal mit all sei­nen Tur­nier- und Pa­ra­de­waf­fen und dem Münz­ka­bi­nett, das ihm be­nach­bart ist. Das Ver­bin­dungs­ele­ment ist Sil­ber, aus dem Waf­fen ge­schmie­det und Mün­zen ge­prägt wur­den.

Was die bei­den Har­ni­sche be­son­ders macht: Sie sind aus Mas­siv­sil­ber, je­der 11,7 Ki­lo­gramm schwer, noch da­zu der Helm samt Vi­sier mit 2,4 Ki­lo­gramm. Wer sol­chen An­zug an­leg­te, brauch­te gu­te Kon­sti­tu­ti­on. Die Har­ni­sche sind Al­lein­stel­lungs­merk­mal für die Rüst­kam­mer und die Staat­li­chen Kunst­samm­lun­gen über­haupt, denn aus Mas­siv­sil­ber be­ste­hend, sagt Frau von Bloh, sind sie „die ein­zi­gen im eu­ro­päi­schen Kul­tur­raum“. Je­der Herr­scher ha­be „da­von ge­träumt, so et­was tra­gen zu dür­fen“.

Ganz fer­tig mit dem Sil­ber­waf­fen­saal sei man noch nicht, er­gänzt die Ku­ra­to­rin, die Aus­stel­lung wür­de noch durch drei kup­fer­v­er­gol­de­te Har­ni­sche er­gänzt. Doch ha­be man die Er­öff­nung vor­ge­zo­gen, um dem Pu­bli­kum an­ge­sichts der zur­zeit we­gen Schäd­lings­be­kämp­fung ge­schlos­se­nen Münz­samm­lung (Wie­der­er­öff­nung im De­zem­ber) ei­ne At­trak­ti­on zu schaf­fen. Er­öff­nung heu­te um 18 Uhr, Ku­ra­to­ren­füh­run­gen mit Jut­ta Char­lot­te von Bloh zwi­schen 20 und 22 Uhr.

Ein und der­sel­be Raum, ge­trennt durch 121 Jah­re. Links das Au­di­enz­ge­mach von Kö­ni­gin Ca­ro­la von Sach­sen (1833-1907) im Jahr 1896, rechts der neue Sil­ber­waf­fen­saal. Es sieht so aus, als hät­ten die „sil­ber­nen Her­ren“Jut­ta Char­lot­te von Bloh, Ober­kon­ser­va­to­rin und Ku­ra­to­rin, in ih­re Mit­te ge­nom­men.

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