Asyl­be­wer­ber zei­gen sich als Ter­ro­ris­ten an

Gem­kow: Wol­len da­durch Ab­schie­bung ver­hin­dern

Dresdner Neueste Nachrichten - - SACHSEN UND MITTELDEUTSCHLAND - VON AXEL KÖHN

DRES­DEN. Im­mer mehr Asyl­be­wer­ber in Sach­sen zei­gen sich of­fen­bar selbst als Ter­ro­ris­ten an. Seit An­fang des Jah­res hät­ten 36 Asyl­be­wer­ber an­ge­ge­ben, sie sei­en in ih­rem Hei­mat­land Mit­glied in ei­ner ter­ro­ris­ti­schen Ver­ei­ni­gung ge­we­sen, sag­te Sach­sens Jus­tiz­mi­nis­ter Se­bas­ti­an Gem­kow (CDU) dem MDR in ei­nem In­ter­view. Das sei ein deut­li­cher An­stieg im Ver­gleich zu den ver­gan­ge­nen Jah­ren.

Gem­kow ver­mu­tet, dass sich die Asyl­be­wer­ber in so­zia­len Me­di­en ab­spre­chen. Da­für sprä­che auch, dass die An­zei­gen von ver­schie­de­nen Na­tio­na­li­tä­ten wie Af­gha­nen, Pa­kis­ta­nern und So­ma­li­ern ein­ge­gan­gen sei­en. Mög­li­cher­wei­se wür­den sich die Asyl­be­wer­ber Vor­tei­le in ih­rem Asyl­ver­fah­ren ver­spre­chen nach dem Mot­to: Mut­maß­li­chen Ter­ro­ris­ten dro­he in ih­ren Hei­mat­län­dern die To­des­stra­fe. Des­halb könn­ten sie aus Deutsch­land nicht mehr ab­ge­scho­ben wer­den. Gem­kow be­ton­te al­ler­dings im Ge­spräch mit dem MDR, dass ei­ne Ver­ur­tei­lung we­gen Mit­glied­schaft in ei­ner ter­ro­ris­ti­schen Ver­ei­ni­gung nicht zwangs­läu­fig die Ab­schie­bung ver­hin­dert.

Mög­li­cher­wei­se zie­len Asyl­be­wer­ber auf den so­ge­nann­ten sub­si­diä­ren Schutz ab. Der grei­fe, wenn Asyl­be­wer­ber kei­nen Flücht­lings­schutz und auch kei­ne Asyl­be­rech­ti­gung ge­währt be­kom­men. Wenn ih­nen aber im Her­kunfts­land ernst­haf­ter Scha­den droht – was durch ih­re an­ge­zeig­ten Straf­ta­ten der Fall sein könn­te – greift der sub­si­diä­re Schutz, wie der MDR er­klärt. Sol­che Schutz­be­rech­tig­te er­hal­ten ei­ne Auf­ent­halts­er­laub­nis für ein Jahr. DRES­DEN. Im Ter­ror­pro­zess ge­gen ei­nen mut­maß­li­chen sy­ri­schen Dschi­ha­dis­ten in Dres­den hat ein Gut­ach­ten die Glaub­wür­dig­keit des An­ge­klag­ten in Fra­ge ge­stellt. Zwar sei die Mit­glied­schaft in der Al-nus­ra-front, der sich der 25-Jäh­ri­ge selbst be­zich­tigt hat­te, glaub­haft, heißt es dem Ver­neh­men nach in der ges­tern vor dem Ober­lan­des­ge­richt Dres­den vor­ge­leg­ten Ex­per­ti­se. Hin­wei­se auf Ent­füh­run­gen west­li­cher Jour­na­lis­ten, an de­nen der Sy­rer eben­falls be­tei­ligt ge­we­sen sein will, ge­be es da­ge­gen nicht, hielt der Is­lam­wis­sen­schaft­ler Gui­do St­ein­berg von der Ber­li­ner Stif­tung Wis­sen­schaft und Po­li­tik fest.

Die An­kla­ge we­gen der Mit­glied­schaft in ei­ner ter­ro­ris­ti­schen Ver­ei­ni­gung ge­gen Nas­ser A. fußt in ers­ter Li­nie auf sei­nen ei­ge­nen An­ga­ben. Er ha­be sich spä­ter von der Grup­pe dis­tan­ziert und sei über die Tür­kei nach Deutsch­land ge­flüch­tet. Er hat­te sich selbst an die Po­li­zei ge­wandt.

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