Säch­si­sche Mö­bel­her­stel­ler sind über­durch­schnitt­lich er­folg­reich

Um­satz wächst zwei­stel­lig / Mit­ar­bei­ter­zahl legt ge­gen den Bun­des­trend zu / Auf­schwung auch bei Händ­lern

Dresdner Neueste Nachrichten - - WIRTSCHAFT - VON UL­RICH LAN­GER UND UL­RICH MIL­DE

LEIP­ZIG/BAD HON­NEF. Die deut­sche Mö­bel-bran­che trumpft der­zeit mäch­tig auf. So­wohl Her­stel­ler als auch Händ­ler glän­zen mit tol­len Zu­wachs­ra­ten. Al­lein die säch­si­schen Pro­du­zen­ten stei­ger­ten im ers­ten Halb­jahr ih­re Um­sät­ze um 11,9 Pro­zent auf 288 Mil­lio­nen Eu­ro. Das liegt weit über dem bun­des­deut­schen Plus von 0,5 Pro­zent auf neun Mil­li­ar­den Eu­ro.

Und auch die Mö­bel-häu­ser war­ten der­zeit in vie­len Re­gio­nen Deutsch­lands mit gro­ßen Neue­run­gen auf. Das zeigt sich längst nicht nur in den viel­fäl­ti­gen An­zei­gen und Pro­spek­ten, mit de­nen die Händ­ler für neue Wohn- und Ein­rich­tungs­trends wer­ben. Sie ha­ben in den ver­gan­ge­nen Mo­na­ten auch gut Geld in die Hand ge­nom­men, um sich ih­ren Kun­den at­trak­ti­ver zu prä­sen­tie­ren.

Höff­ner bau­te in Gün­thers­dorf aus

Bes­tes Bei­spiel ist die Neu­er­öff­nung des Höff­ner-mö­bel­hau­ses im Ein­kaufs­zen­trum No­va Even­tis in Gün­thers­dorf bei Leip­zig En­de Au­gust. Fir­men-grün­der Kurt Krieger in­ves­tier­te fast 150 Mil­lio­nen Eu­ro, um sei­nen mit­tel­deut­schen Stand­ort für die Zu­kunft zu rüs­ten. 100 Mil­lio­nen Eu­ro mach­te er dort für ein neu­es zen­tra­les Eu­ro­pa-la­ger lo­cker. Zu­dem wur­de die Ver­kaufs­flä­che um 9000 Qua­drat­me­ter er­wei­tert. „Wir füh­len uns in Gün­thers­dorf sehr wohl, und un­se­re Fir­men­zen­tra­le vor den To­ren Ber­lins ist re­la­tiv nah“, sag­te der Ma­na­ger an­läss­lich der Neu­er­öff­nung des Hau­ses. Ent­spre­chend er­höh­te sich die Mit­ar­bei­ter­zahl na­he der A 9. 200 Be­schäf­tig­te sind hier mehr als bis­her zu Gan­ge – ins­ge­samt nun­mehr 1000, da­von 93 Aus­zu­bil­den­de.

Auch die Xxxl-mö­bel­ket­te aus Würz­burg (der­zeit 38 Häu­ser) ist auf Ex­pan- si­ons­kurs. Für die­ses Jahr ste­hen grö­ße­re bau­li­che In­ves­ti­tio­nen an. Neue Ver­kaufs­zen­tren wer­den an den Stand­or­ten Vil­lin­gen-schwen­nin­gen, Bopfingen (bei­de Ba­den-würt­tem­berg) und Wolfrats­hau­sen bei Mün­chen er­öff­net. Für ei­nen wei­te­ren Stand­ort im thü­rin­gi­schen Ge­ra wur­de ein gro­ßes Grund­stück er­wor­ben. Au­ßer­dem ist der Bau ei­nes Lo­gis­tik­zen­trums bei Er­furt ge­plant. Ins­ge­samt gibt die XXXLG­rup­pe in die­sem Jahr rund 240 Mil­lio­nen Eu­ro für neue Stand­or­te aus und schafft da­mit über 1200 neue Ar­beits­plät­ze. Alois Ko­bler, ver­ant­wort­li­cher Ge­schäfts­füh­rer für Deutsch­land, meint: „Wir in­ves­tie­ren in die Mit­ar­bei­ter, oh­ne die un­ser un­glaub­li­cher Er­folg nicht mög­lich wä­re, und in neue Stand­or­te, die uns noch stär­ker und leis­tungs­fä­hi­ger ma­chen.“

Ob­wohl im­mer mehr Mö­bel im Netz ge­kauft wer­den, setzt Ikea auf den Aus­bau sei­ner Ver­kaufs­flä­chen. Bis 2025 sol­len 20 neue Stand­or­te er­öff­nen – dar­un­ter ei­ner in Wetz­lar. In Mag­de­burg konn­ten am letz­ten Au­gust-tag die ers­ten Kun­den das neue Ein­rich­tungs­haus in Be­schlag neh­men, für das die Schwe­den 50 Mil­lio­nen Eu­ro

Kurt Krieger, Höff­ner-grün­der

auf­ge­wen­det ha­ben, 190 Mit­ar­bei­ter fan­den hier ei­nen Job.

Por­ta in­ves­tiert eben­falls. In Leip­zi­gPauns­dorf ent­steht der­zeit ei­ne neu­es Mö­bel­haus mit ei­ner Nutz­flä­che von 10 240 Qua­drat­me­tern. Kein Wun­der al­so, dass sich der Auf­schwung im Mö­bel-, Kü­chen- und Ein­rich­tungs­fach­han­del ent­spre­chend nie­der­schlägt. Nach An­ga­ben des Han­dels­ver­ban­des Mö­bel und Kü­chen (BVDM) klet­ter­ten die Um­sät­ze der Bran­che im vo­ri­gen Jahr um 2,5 Pro­zent auf 33,4 Mil­li­ar­den Eu­ro. Für die­ses Jahr rech­net er mit ei­ner noch­mals „leicht stei­gen­den Nach­fra­ge“.

Wir füh­len uns in Gün­thers­dorf sehr wohl, und un­se­re Fir­men­zen­tra­le vor den To­ren Ber­lins ist re­la­tiv nah.

Bran­che wächst in Sach­sen dy­na­misch

Die­se Ent­wick­lung geht nicht spur­los an der deut­schen und spe­zi­ell säch­si­schen Mö­bel­in­dus­trie vor­bei. „Sie be­fin­det sich im vier­ten Jahr ei­nes kon­ti­nu­ier­li­chen Wachs­tums“, freut sich Achim Han­nott, Spre­cher des Ver­ban­des der Deut­schen Mö­bel­in­dus­trie. Er ist des Lo­bes voll mit Blick auf die säch­si­schen Be­trie­be. „Sach­sen ist der wich­tigs­te Mö­bel­pro­duk­ti­ons­stand­ort in Ost­deutsch­land – 27 von bun­des­weit 493 grö­ße­ren Be­trie­ben mit 50 und mehr Be­schäf­tig­ten sind im Frei­staat be­hei­ma­tet.“Al­ler­dings wür­den le­dig­lich zehn Pro­zent des Bran­chen­um­sat­zes in Ost­deutsch­land ge­ne­riert.

Das ver­wun­de­re nicht, denn die größ­ten Mö­bel­in­dus­trie-clus­ter be­fän­den sich in Nord­rhein-west­fa­len, Bay­ern und Ba­den-würt­tem­berg. Aber, so Han­nott: „Die säch­si­schen Mö­bel­her­stel­ler ent­wi­ckel­ten sich im ers­ten Halb­jahr 2017 we­sent­lich dy­na­mi­scher als der Bran­chen­durch­schnitt.“Und da­bei nicht nur um­satz­mä­ßig son­dern auch bei der Be­schäf­tig­ten­zahl. „Sie leg­te um 6,4 Pro­zent auf rund 3200 zu. Zum Ver­gleich: Bun­des­weit sank die­ser Wert im glei­chen Zei­t­raum um 0,3 Pro­zent auf 83 800.

Fo­to: dpa

Kor­pus­se wer­den in der Fir­ma Sach­sen­kü­chen in Ober­cars­dorf, ei­nem Orts­teil von Dip­pol­dis­wal­de, mon­tiert. Das Un­ter­neh­men stellt mit 215 Mit­ar­bei­tern pro Jahr 18 000 Kü­chen her. Der Ex­port­an­teil liegt bei 50 Pro­zent.

Fo­to: Chris­ti­an Mod­la

Hat sich her­aus­ge­putzt: Mö­bel-höff­ner in Gün­thers­dorf. Das Un­ter­neh­men hat dort für 150 Mil­lio­nen Eu­ro um­ge­baut, um für Kun­den noch at­trak­ti­ver zu sein.

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