Le­bens­werk­faust für El­frie­de Je­linek

Der Deut­sche Thea­ter­preis gibt sich po­li­tisch und ver­öf­fent­licht in Leip­zig die No­mi­nier­ten

Dresdner Neueste Nachrichten - - KULTUR - VON DIMO RIESS

Am 3. No­vem­ber wird der Deut­sche Thea­ter­preis „Der Faust“im Leip­zi­ger Schau­spiel­haus ver­ge­ben. Ei­ne un­do­tier­te, na­tio­na­le Aus­zeich­nung für her­aus­ra­gen­de Thea­ter­leis­tun­gen. Mit dem er­wünsch­ten Ne­ben­ef­fekt, den Blick der Öf­fent­lich­keit auf die fast ein­zig­ar­ti­ge Viel­falt der deut­schen Thea­ter- und Orches­ter­land­schaft zu len­ken. Das in et­wa war die Be­grün­dung bei der Ein­füh­rung des von Büh­nen­ver­ein, den Bun­des­län­dern, der Kul­tur­stif­tung der Län­der und der Deut­schen Aka­de­mie der Darstel­len­den Küns­te ver­ge­be­nen Prei­ses 2006. Sie reicht, so der Te­nor bei der gest­ri­gen Be­kannt­ga­be der No­mi­nier­ten im Schau­spiel Leip­zig, nicht mehr aus. „Nach und nach sind wei­te­re Grün­de hin­zu­ge­kom­men“, sagt Ul­rich Khuon, Prä­si­dent des Deut­schen Büh­nen­ver­eins. „An­geb­lich le­ben wir in post-he­roi­schen Zei­ten. Den­noch stel­len wir fest, dass es Hel­den des All­tags braucht.“Wich­tig sei­en Men­schen mit Hal­tung, wenn die of­fe­ne Ge­sell­schaft be­wahrt wer­den sol­le. „Um es ein­fach zu sa­gen: Wir brau­chen Vor­bil­der.“Er glau­be, die Kunst lie­fe­re vie­le Vor­bil­der.

Man muss nur auf die No­mi­nier­ten­lis­te schau­en, um Khuons Sor­ge um die of­fe­ne Ge­sell­schaft mit ei­nem kon­kre­ten Bei­spiel zu be­le­gen. Ou­el­go Té­né ist ne­ben Ka­rin Neu­häu­ser (Tha­lia Thea­ter Ham­burg) und Mar­tin Rein­ke (Schau­spiel Köln) für die Ka­te­go­rie „Darstel­ler Schau­spiel“ge­lis­tet. Té­né spiel­te am Thea­ter Al­ten­burg-ge­ra ber­li­nernd den Haupt­mann von Kö­pe­nick. Auf der Stra­ße muss­te er ras­sis­ti­sche Pö­be­lei­en über sich er­ge­hen las­sen.

In der Ka­te­go­rie „Schau­spiel Re­gie“dür­fen Kor­nel Mun­druc­zó (Ober­hau­sen), Jo­an­na Praml (Düs­sel­dor­fer Schau­spiel­haus/bür­ger­büh­ne) und Jo­han­na Weh­ner (Staats­thea­ter Kas­sel) auf die Aus­zeich- nung hof­fen. Aus säch­si­scher Sicht rich­tet sich das In­ter­es­se auf die Ka­te­go­rie Tanz. Lou Tha­bart vom Bal­lett der Oper Leip­zig ist eben­so no­mi­niert wie Kor­nel Mun­druc­zó für „Láts­z­a­t­é­let / Imi­ta­ti­on of Li­fe“in der Ka­te­go­rie „Re­gie Schau­spiel“. Das Eu­ro­päi­sche Zen­trum der Küns­te Dres­den-hel­lerau war da­bei Ko­pro­duk­ti­ons­part­ner.

Den eben­falls jähr­lich ver­ge­be­nen Preis für das Le­bens­werk er­hält El­frie­de Je­linek. Ei­ne Aus­zeich­nung, die ganz gut passt zum gast­ge­ben­den Haus. Schau­spiel-in­ten­dant En­ri­co Lüb­be zeigt im No­vem­ber das Je­linek-stück „Wol­ken.heim“. Die Preis­ver­lei­hung wird mo­de­riert von Chris­ti­an Frie­del.

Auch Sach­sens Kunst­mi­nis­te­rin Eva­ma­ria Stan­ge (SPD) be­tont die ge­sell­schaft­li­che Auf­ga­be der Thea­ter an­ge­sichts des ge­sell­schaft­li­chen Wan­dels. Kul­tur­in­sti­tu­tio­nen müss­ten sich stets hin­ter­fra­gen, ob sie noch zeit­ge­mäß ar­bei­ten.

Leip­zigs Kul­tur­bür­ger­meis­te­rin Ska­di Jen­ni­cke (Lin­ke) ver­weist auf pol­ni­sche Ent­wick­lun­gen. Dor­ti­ge Künst­ler spür­ten, wie die Frei­heit sub­til ver­lo­ren ge­he. Noch auf dem Po­di­um sagt sie spon­tan zu, an der De­bat­te „Schafft sich die De­mo­kra­tie ab?“am 4. No­vem­ber im Thea­ter der Jun­gen Welt teil­zu­neh­men. Ei­ne Dis­kus­si­on in mo­de­rier­ten Tisch­ge­sprä­chen, die zum Faust-rah­men­pro­gramm ge­hört. Ne­ben Jen­ni­cke hal­ten Andre­as Eber­hardt (Vor­sit­zen­der Stif­tung Er­in­ne­rung, Ver­ant­wor­tung, Zu­kunft), Micha­el Lü­ders (Po­li­tikund Is­lam­wis­sen­schaft­ler) und Oli­ver Tol­mein (Jour­na­list und Rechts­an­walt) Im­puls­re­fe­ra­te.

3sat be­rich­tet am 5.11., 17.45 Uhr, von der Ver­an­stal­tung; An­mel­dun­gen für die Dis­kus­si­on am 4.11., von 11.30 bis 13.30 Uhr, im Thea­ter der Jun­gen Welt, un­ter j.masch­ke@tdjw.de oder un­ter Tel. 0341 4866013

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