Gu­te Zei­ten, durch­wach­se­ne Zei­ten?

Nach vier Jah­ren zieht Mo­ni­ka Grüt­ters Bi­lanz

Dresdner Neueste Nachrichten - - KULTUR - VON NADA WEIGELT

„Be­auf­trag­te der Bun­des­re­gie­rung für Kul­tur und Me­di­en“– der Ti­tel ist sper­rig, aber das Amt fin­det Mo­ni­ka Grüt­ters wun­der­bar. Seit vier Jah­ren ist die um­gäng­li­che und stets gut ge­laun­te Cdu-po­li­ti­ke­rin Deutsch­lands obers­te Kul­tur­frau. Und möch­te nach der Bun­des­tags­wahl am 24. Sep­tem­ber nur all­zu gern wie­der in ihr Bü­ro im Kanz­ler­amt ein­zie­hen. „Vier Jah­re sind ein­fach sehr kurz, wenn man vie­le Zie­le hat“, sagt die 55-jäh­ri­ge Müns­te­ra­ne­rin.

Die Bi­lanz ih­rer Amts­zeit kann sich se­hen las­sen. Grüt­ters ist bes­tens ver­netzt. Sie plau­dert mit Hol­ly­wood­stars genau­so lo­cker wie mit dem Mu­se­ums­wär­ter, und so­gar mit den Bun­des­län­dern, die in Deutsch­land pein­lich ge­nau auf ih­re Kul­tur­ho­heit ach­ten, hat sie ei­nen Weg des Dia­logs ge­fun­den.

Den größ­ten Re­spekt hol­te sich die stu­dier­te Li­te­ra­tur- und Kunst­wis­sen­schaft­le­rin aus­ge­rech­net mit dem The­ma, für das sie die meis­ten Prü­gel ein­ste­cken muss­te. 2016 setz­te sie das Ge­setz zum bes­se­ren Schutz von Kul­tur­gü­tern durch. Es soll na­tio­nal wert­vol­le Kunst vor der Ab­wan­de­rung ins Aus­land schüt­zen und den il­le­ga­len Han­del mit Kunst­schät­zen aus Kriegs­und Kri­sen­ge­bie­ten ein­däm­men. Kri­tik von Samm­lern und Händ­lern und die Kon­fron­ta­ti­on mit Künst­ler­star Ge­org Ba­se­litz lie­ßen sie nicht ein­kni­cken. In­zwi­schen ist der Wi­der­stand ver­stummt. Das heißt auch, dass sie ge­le­gent­lich ei­ne Be­harr­lich­keit an den Tag legt, die an Kom­pro­miss­lo­sig­keit grenzt.

In­ter­na­tio­na­le Auf­merk­sam­keit er­reg­te die Cdu-po­li­ti­ke­rin, als sie nach dem spek­ta­ku­lä­ren Fund der Gur­litt-samm­lung in Mün­chen 2015 das Deut­sche Zen­trum Kul­tur­gut­ver­lus­te in Mag­de­burg ins Le­ben rief – ein Zei­chen, dass Deutsch­land mit der Er­for­schung von Ns-raub­kunst sei­ne his­to­ri­sche Ver­ant­wor­tung ernst nimmt.

„Es wa­ren vier gu­te Jah­re“, sagt Olaf Zim­mer­mann, Ge­schäfts­füh­rer des Deut­schen Kul­tur­rats, der Spit­zen­or­ga­ni­sa­ti­on der Bun­des­kul­tur­ver­bän­de. Die SPD spricht da­ge­gen von ei­ner „durch­wach­se­nen Bi­lanz“. Grüt­ters ha­be den Ko­ali­ti­ons­ver­trag zwar or­dent­lich ab­ge­ar­bei­tet, aber kei­ne lang­fris­tig wir­ken­den Kon­zep­te ent­wi­ckelt, sagt die stell­ver­tre­ten­de Spd-frak­ti­ons­che­fin und Kul­tur­ex­per­tin Eva Högl.

Tat­säch­lich ste­hen die ganz gro­ßen Be­wäh­rungs­pro­ben noch aus: das Mu­se­um der Mo­der­ne in Ber­lin, das von Grüt­ters we­nig ge­lieb­te Denk­mal zur Er­in­ne­rung an die deutsch-deut­sche Wie­der­ver­ei­ni­gung, von Ber­li­nern Ein­heits­wip­pe ge­nannt, und für das Hum­boldt Fo­rum im Ber­li­ner Schloss fehlt noch das viel­be­schwo­re­ne „Kon­zept aus ei­nem Guss“. Ob Grüt­ters die­se Auf­ga­ben stem­men kann, hängt zu­nächst vom Aus­gang der Wahl ab. Als neue Vor­sit­zen­de der zer­strit­te­nen Ber­li­ner CDU ist sie wie­der Spit­zen­kan­di­da­tin der Par­tei.

Kul­tur­be­auf­trag­te oh­ne Bun­des­tags­man­dat? Das gab es nach der Schaf­fung des Am­tes 1998 mit Micha­el Naumann, Ju­lia Ni­da-rü­me­lin und Chris­ti­na Weiss be­reits drei Mal. Und schließ­lich müss­te die neue Re­gie­rungs­ko­ali­ti­on ja auch noch so aus­se­hen, dass die Uni­on über­haupt An­spruch auf das Amt er­he­ben kann. Vie­le Fra­ge­zei­chen. Grüt­ters gibt sich ge­las­sen: „Ich wer­de der Kul­tur treu blei­ben, kei­ne Sor­ge.“

Mo­ni­ka Grüt­ters

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