Auf­ste­hen für Sit­zen­blei­ber

Fink ver­öf­fent­li­chen ih­re neue Kol­lek­ti­on „Re­sur­gam“

Dresdner Neueste Nachrichten - - KULTUR - VON ANDRE­AS KÖR­NER

„Geht das schon wie­der los?“, wer­den Dresd­ner Fans von Fin Gre­en­all, Tim Thorn­ton und Guy Whit­ta­ker sau­er aus­ru­fen. „Müs­sen wir schon wie­der nach Leip­zig, um Fink zu hö­ren!“Es stimmt wohl, wenn es sich ums Live-er­leb­nis dreht. Am 29. No­vem­ber sind Fink dort im Fel­sen­kel­ler zu Gast. In Dres­den (vor­erst) nicht. Auf Cd/stream/down­load sieht es frei­lich bes­ser aus, da ist so­eben „Re­sur­gam“er­schie­nen, welt­weit mit di­rek­tem Zu­griff. Oh­ne Fahrt­kos­ten.

2014 im No­vem­ber spiel­ten Fink zu­letzt im Al­ten Schlacht­hof als Sta­ti­on der „Hard Be­lie­ver“-tour, be­nannt nach der da­mals er­schie­ne­nen Plat­te. Es war das ers­te grö­ße­re Dresd­ner Kon­zert im grö­ße­ren und dann auch an­ge­mes­se­nen Rah­men. Viel­hö­rer mein­ten, es sei nicht das bes­te ge­we­sen. Die un­mit­tel­bar vor­aus­ei­len­den Ein­zel­auf­trit­te des Tri­os fan­den al­le­samt in Leip­zig statt.

Und wie ist „Re­sur­gam“nun ge­wor­den? Die Ver­wit­te­rung steht Fink im­mer noch gut. Ver­win­ke­lung statt Flä­che. Das Schema Stro­phe-re­frain-stro­phe geht der Band nach wie vor ab, genau­so wie das Grund­maß Wei­ner­lich­keit, mit der so vie­le Sin­ger/song­wri­ter angst­frei agie­ren. Dass zum Trio dies­mal noch ein aus­ge­wie­sen ex­zel­len­ter Pro­du­zent für den Mix des Ma­te­ri­als hin­zu­kam, hat dem ex­pe­ri­men­tel­len An­satz vor al­lem in Sa­chen At­mo­sphä­re und Klang-ebe­nen be­zie­hungs­wei­se -fa­cet­ten ex­trem ge­hol­fen. Flood ist hier wie­der in Höchst­form. Klan­gäs­the­ten sind auf­ge­ru­fen und wer­den ih­re hel­le Freu­de ha­ben. Fin Gre­en­all: „Als fest­stand, dass Flood den Mix ma­chen wür­de, ge­wan­nen wir neu­en An­trieb, un­ser Ding durch­zu­zie­hen. Klang­lich ist es der rei­ne Wahn­sinn, was er macht. Es gibt bei ihm nicht so et­was wie ein De­mo. Je­der Mo­ment könn­te funk­tio­nie­ren, al­so spielst du rich­tig am An­schlag, bis es Zeit ist zu ge­hen.“

Flood und Fink ge­hen mit dem knapp neun­mi­nü­ti­gen Ti­tel­stück gleich am Be­ginn kom­pro­miss­los zur Sa­che. Os­zil­lie­rend ent­fal­tet sich ein Tep­pich aus gran­di­os zer­sprun­ge­nem Schlag­zeug, wa­bern­dem Bass, za­cki­ger Gi­tar­re. Auch Gre­en­alls Stim­me be­kommt auf An­hieb den vol­len Raum mit Ni­schen, Ecken, Höh­len, aus de­nen sie mehr her­vor­kriecht denn tri­um­phiert. Auch die rest­li­chen neun Stü­cke hal­ten die­ses Ver­spre­chen. Es scheint, als be­kä­me der Ti­tel „Re­sur­gam“– latei­nisch „re­sur­ge­re“für „sich er­he­ben“, „auf­ste­hen oder gar „auf­er­ste­hen“– mul­ti­ple Be­deu­tung.

„Day 22“bricht Krus­ten auf, mit nach­ge­ra­de be­droh­lich dunk­ler Kraft, das dann „Word Of The Wi­se“als Pia­no- und „Not Ever­y­thing Was Bet­ter In The Past“als Gi­tar­ren­bal­la­de zum Leuch­ten bringt. Wie auch das rhyth­misch ak­zen­tu­ier­te „Godhead“zum zwei­ten Teil der Lied­samm­lung führt, der schon mit „This Isn’t A Mis­ta­ke“zu über­ra­schen ver­mag. Und „Co­ver­ing Your Tracks“erst!

„Die Songs“, so der in Ber­lin le­ben­de 45-jäh­ri­ge Bri­te Gre­en­all, „ha­ben ei­ne lan­ge Rei­se hin­ter sich. Folg­lich wohnt ih­nen ein Selbst­ver­trau­en in­ne, das wir ei­ne gan­ze Wei­le auf­ge­baut ha­ben.“Er spricht auch von „Te­le­pa­thie mit den Kol­le­gen“, von „ra­di­kal un­ter­schied­li­chem Mu­sik­ge­schmack“und „Loya­li­tät“un­ter ih­nen.

Kurz­um: Nach sehr span­nen­den Plat­ten des Jah­res, un­ter an­de­ren von alt-j („Re­la­xer“), Bro­ken So­ci­al Sce­ne („Hug Of Thun­der“) und zu­vor Por­tu­gal. The Man („Wood­stock“) lie­fern auch Fink. Fut­ter vor al­lem.

Fink: „Re­sur­gam“(R’coup’d/nin­ja Tu­ne) Fink live u.a.: 19.10. Mün­chen, 26.10. Stutt­gart, 27.11. Ham­burg, 29.11 Leip­zig, 1. 12. Ber­lin

Fo­to: Ga­el­le Be­ri

Fin Gre­en­all von Fink

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